1. Einmaliger Aufruf
CDU-Spitzenkandidat Schulze
Foto: Hendrik Schmidt / dpa / picture allianceCDU-Mitglieder dürften dieser Tage eine ungewöhnliche Mail in ihrem Posteingang entdeckt haben. Generalsekretär Carsten Linnemann verspricht ihnen für die Sommerferien »einmalige Erlebnisse und Erfahrungen«! Freibier auf Mallorca? Nicht ganz. Gesucht werden Studenten in den Semesterferien, Rentner oder Berufstätige mit Resturlaub, die unter anderem beim Wahlkampf der CDU gegen die AfD in Sachsen-Anhalt mit anpacken.
Es ist ein bislang einmaliger Aufruf aus dem Konrad-Adenauer-Haus. »Er zielt vor allem darauf, mit einem intensiven Haustürwahlkampf in Sachsen-Anhalt den Vorsprung der rechtsextremen AfD in den Umfragen aufzuholen«, schreibt Paul-Anton Krüger aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro (lesen Sie hier mehr ). In der jüngsten Umfrage liegt die AfD bei 41 Prozent, die CDU kommt nur auf 23 Prozent.
Bei seinem heutigen Auftritt vor der Hauptstadtpresse hat der Kanzler die Wähler der AfD direkt angesprochen: »Schaut genau hin!« Seine Regierung versuche, die Freiheit und den Frieden des Landes zu erhalten. Merz schlug auch sanft einige selbstkritische Töne an. Er sei »ein lernfähiges System und lerne jeden Tag dazu« (hier mehr dazu ). Vermutlich auch bald in Sachsen-Anhalt. Vor den Landtagswahlen im Herbst will auch er persönlich vor Ort für seinen Kurs werben.
Urlaub? Kennt ein lernendes System vermutlich nicht.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: CDU schreibt Werbemail an alle Mitglieder und mobilisiert für Großwahlkampf
2. Verbale Ausfälle
Jan Woitas / dpa
Vorsicht vor Kabarettisten, die verrückte Kleidung tragen, um ihre Witzigkeit zu beweisen. Häufig enden ihre Auftritte eher unlustig. Zum Beispiel mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, so wie im Falle von Uwe Steimle (hier mehr dazu ). Bei einer AfD-Veranstaltung am Dienstag in Dessau-Roßlau trug der Schauspieler und Kabarettist ein geblümtes Samt-Jackett, während er mit vielleicht lustig gemeinten verbalen Ausfällen gegen die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie den amtierenden Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) auffiel.
Über das unlängst enthüllte Merkel-Porträt sagte er: »Im Moment hängt sie erst mal.« Dann legte Steimle nach. »Und wenn alle Stränge reißen oder der Nagel bricht, dann stellen wir sie an die Wand. Uns wird schon was einfallen.«
Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau in der Sache. Man habe ein Verfahren nach Paragraf 126 des Strafgesetzbuches eingeleitet, sagte eine Sprecherin dem SPIEGEL. Der Paragraf sanktioniert die mögliche Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Wie die Sache ausgehen könnte? Dietmar Hipp analysiert: »Entscheidend dürfte sein, wie ernst die Äußerung gemeint war. Dass Steimle auf das Merkel-Gemälde Bezug genommen hat, könnte an der Ernsthaftigkeit seiner Aussagen zweifeln lassen – der ankündigende Duktus und die Betonung durch den Nachsatz hingegen könnten für eine ernste Drohung sprechen.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Auftritt von Kabarettist Steimle – jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft
3. Flut mit Folgen
[M] DER SPIEGEL; Christoph Hardt / IMAGO
Wenn sich Politiker entschuldigen, dann häufig halbherzig oder erzwungenermaßen. Nicht so Gordon Schnieder. Der rheinland-pfälzische CDU-Ministerpräsident hat sich deutlich zu staatlichen Fehlern bei der Flutkatastrophe im Ahrtal geäußert (hier mehr dazu). Seine Entschuldigung für das staatliche Versagen während der Hochwassernacht fiel auf einer Gedenkveranstaltung in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Staat habe sein zentrales Versprechen, die Bürgerinnen und Bürger zu schützen, damals nicht erfüllt. Seine ausdrückliche und außergewöhnliche Bitte um Verzeihung quittierte das Publikum mit lang anhaltendem Applaus.
Die Flut im Ahrtal jährt sich heute zum fünften Mal. Die Folgen spüren Menschen in der Region noch immer. Gleichzeitig führt der Klimawandel auch anderswo in Deutschland zu unberechenbaren und mitunter gefährlichen Wetterlagen. In Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen gab es in den vergangenen 24 Stunden schwere Schäden durch Unwetter, mehrere Menschen wurden verletzt. In Reutlingen türmten Mitarbeiter der Stadtreinigung Hagelkörner zu weißen Bergen auf.
Während ich diese Zeilen schreibe, donnert es heftig am Himmel über München. Immerhin liegt mein Schreibtisch nicht in einem Hochwasserrisikogebiet. Wie gefährdet Ihr Wohnort ist, können Sie im Text meiner Kollegen Guido Grigat und Jean-Pierre Ziegler nachlesen, die Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe analysiert haben (lesen Sie hier mehr ). Ich hoffe, Sie wohnen nicht im Ortenaukreis. »In dieser Region würde ein Jahrhunderthochwasser so großen Schaden anrichten wie nirgendwo sonst in Deutschland«, schreiben die Kollegen.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: So schwer würde ein Jahrhunderthochwasser Ihre Region treffen
Was heute sonst noch wichtig ist
Ukrainische Seedrohne zerstört offenbar russisches FSB-Schiff: Die Ukraine hat nach eigenen Angaben ein Patrouillenschiff des russischen Geheimdiensts FSB schwer getroffen. Für Kyjiw ist der Schlag weit hinter den eigenen Linien offenbar von doppelter symbolischer Bedeutung.
Neonazi Marla Svenja Liebich an Deutschland ausgeliefert: Marla Svenja Liebich, verurteilt wegen Rechtsextremismus, ist zurück in Deutschland. Tschechische Behörden haben ihn am Vormittag über die Landesgrenze gebracht.
Deutsche Industrie verliert 177.000 Arbeitsplätze in einem Jahr: Die schwache Konjunktur belastet den Arbeitsmarkt schwer. Insbesondere die deutsche Industrie trifft es hart. 2025 gingen im verarbeitenden Gewerbe 177.000 Arbeitsplätze verloren.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
»Mutti hat es wirklich getan«: Wie seriös ist Deutschlands größte Suizidhilfeorganisation, die DGHS? Angehörige werfen ihr Leichtfertigkeit vor – und dass sie teils vom Geld der Toten profitiere .
Was heute weniger wichtig ist
Meghan Markle in Episode 103 ihrer Serie »With Love, Meghan«
Foto: Jake Rosenberg / NetflixEhrenrettung für die Herzogin? TV-Kritiker haben die Kochsendung »With Love, Meghan« verspottet. Jetzt hat die Ehefrau von Prinz Harry trotzdem Chancen auf einen Fernsehpreis, den »Daytime Emmy«. Die britische Herzogin von Sussex, Meghan Markle, schaffte mit ihrer Sendung eine Nominierung in der Kategorie für Lifestyle-Sendungen. In der SPIEGEL-Rezension ihrer Show übers Badesalzmischen oder Bananenschneiden heißt es: »Wie nahbar das ist, hängt davon ab, ob man selbst in einer Villa wohnt.«
Mini-Hohlspiegel
Aus dem SPIEGEL: »Kein Wartezimmer im alten Sinn: keine durchgesessenen Stühle, keine alten Zeitschriften, kein Hüsteln. Nur eine Liste auf einem Monitor, die Patienten dieses Nachmittags. Jeder ein offener Fall mit Symptomen und Zeitstempel. Ein achtjähriges Mädchen, Fieber 39,9 Grad, seit zwei Tagen. Eine junge Frau ohne Geruch und Geschmack.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Lionel Messi (im Spiel gegen die Schweiz)
Foto:Thomas Coex / AFP
England gegen Argentinien! Das Halbfinale der Fußball-WM, inklusive deutscher Beteiligung durch Englands Nationalcoach Thomas Tuchel, beginnt um 21 Uhr. Wer schon davor Aufregung und Spannung sucht, dem empfehle ich die Geschichte meines Kollegen Benjamin Knaack aus dem SPIEGEL-Sportressort: »Die Messi-Verschwörung« .
»Seit Beginn des Turniers geistert eine Verschwörungstheorie herum«, schreibt Benjamin. Sie lautet: Argentiniens Lionel Messi soll zum WM-Sieg getragen werden.
Grundlage sind offenbar einige umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, etwa diese: Messi hätte im Auftaktspiel gegen Algerien nach einem Tritt mit offener Sohle in die Wade seines Gegenspielers Aïssa Mandi die Rote Karte sehen müssen , waren sich viele Schiedsrichterexperten einig. Doch er wurde lediglich ermahnt. Nach der Szene schoss Messi noch drei Tore.
Indizien für eine Messi-Bevorzugung findet man einige, so Benjamin. Doch solange harte Beweise ausblieben, werde eine Messi-Bevorzugung wohl nur Fußball-Folklore bleiben, die sich Ägyptens, Hollands und Österreichs Fans noch in 50 Jahren erzählen.
Ein schönes Spiel und einen schönen Abend wünscht
Ihre Anna Clauß, Autorin der Chefredaktion
