SpOn 17.03.2026
17:33 Uhr

News des Tages: Irankrieg, Ali Larijani angeblich tot, Elon Musk, Grok, Menschenjagd in Bosnien


Irans Sicherheitschef Larijani soll tot sein. Jugendliche gehen gegen Musks Chatbot Grok wegen Nacktbildern vor. Und Mailänder Staatsanwälte arbeiten mutmaßliche Menschenjagd in Bosnien auf. Das ist die Lage am Dienstagabend.

News des Tages: Irankrieg, Ali Larijani angeblich tot, Elon Musk, Grok, Menschenjagd in Bosnien
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1. Israel will eine der mächtigsten Personen Irans getötet haben

Israel hat heute verkündet, zwei hochrangige iranische Sicherheitsbeamte getötet zu haben: Ali Larijani, Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats Irans, und General Gholamreza Soleimani, der Chef der Basidsch-Miliz der Revolutionswächter, seien »letzte Nacht getötet« worden. Nach dem Tod des Obersten Führers Ajatollah Ali Khamenei bei einem Luftangriff am ersten Kriegstag galt Larijani als eine der mächtigsten Persönlichkeiten des Landes.

Für Irans Regime wäre Larijanis Tod, sollte er sich bestätigen, ein schwerer Schlag, analysiert mein Kollege Maximilian Popp. Kaum jemand in der Führungsriege hat länger im System in verschiedenen Funktionen gedient. Handlungsunfähig wäre die Führung in Teheran wohl trotzdem noch nicht, so Maximilian. Schon nach dem Tod Khameneis habe sich gezeigt, dass das Regime weiter operieren kann, selbst wenn es einzelne Personen verliert.

Teheran setzte seine Angriffe mit Raketen und Drohnen gegen seine arabischen Nachbarn am Golf und Israel fort; der Krieg scheint kein Ende zu nehmen. So hat das Militär in Katar am Morgen einen mutmaßlich iranischen Raketenangriff abgewehrt. Die Ölpreise stiegen wieder, nachdem sie zu Wochenbeginn leicht gesunken waren. Das Spritpreispaket der Bundesregierung soll spätestens Anfang April stehen, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).


2. Minderjährige gehen gegen Musks Chatbot vor, der Nacktbilder von ihnen produzierte

Drei Teenagerinnen aus Tennessee haben in Kalifornien Sammelklage gegen Elon Musks Firma xAI eingereicht, weil dessen Chatbot Grok sexualisierte KI-Bilder von ihnen erzeugt haben soll. Zwei Klägerinnen sind minderjährig. Laut »Washington Post« wird gegen einen Mann ermittelt, der mithilfe von Grok Fotos Jugendlicher in gefälschte Nacktaufnahmen verwandelte.

Eine Betroffene erhielt über die Plattform Discord Zugang zu einer Gruppe, in der Bilder von weiteren Minderjährigen kursierten, viele kannte sie demnach von ihrer Schule. Später wurden die gefälschten Aufnahmen auch in Pädokriminellen-Foren auf Telegram verbreitet. Nach einem Update Ende Dezember konnte Grok pornografische Deepfakes realer Personen erstellen, ohne Zustimmung der Abgebildeten. Trotz späterer Einschränkungen blieb Missbrauch möglich, wie es in dem Bericht heißt.

Musk wies die Verantwortung den Nutzern zu, was Kritik und internationale Ermittlungen nach sich zog – unter anderem Razzien in Paris und zeitweise Sperren in Asien. Die Klägerinnen fordern Schadensersatz und ein Verbot bestimmter Praktiken. Ihre Anwältin wirft Musk vor, Grok bewusst auf Profit durch sexualisierte Inhalte ausgelegt zu haben. xAI äußerte sich bislang nicht.

Als jüngst bekannt wurde, dass ein xAI-Wettbewerber erstmals die Funktion eines »exit rights« einführte, also die Möglichkeit, den Chat vorzeitig zu beenden, wenn die Konversation für die KI moralisch zu fragwürdig ist, schrieb Musk: »KI zu foltern, ist nicht okay.« Er erwog, für seinen Chatbot Grok eine ähnliche Funktion einzuführen. Dass Grok-Ergebnisse für Menschen allerdings auch Folter sein können, kam ihm dabei offenbar nicht in den Sinn.


3. Italien ermittelt wegen mutmaßlicher Menschenjagd in Bosnien

Die Staatsanwaltschaft in Mailand geht einem ungeheuerlichen Verdacht nach: Sind europäische Hobbyjäger im Jugoslawienkrieg nach Sarajevo gereist, um Menschen zu töten? Drei Jahrzehnte nach Ende des Bosnienkriegs ermittelt die italienische Behörde wegen mutmaßlicher »Sarajevo-Safaris«, bei denen wohlhabende Westeuropäer gegen Bezahlung als Wochenend-Scharfschützen auf Zivilisten in der belagerten Stadt geschossen haben sollen.

Mein Kollege Walter Mayr berichtet über die Strafanzeige des italienischen Autors Ezio Gavazzeni, der vom renommierten Ex-Richter Guido Salvini unterstützt wird. Salvini spricht von »krankhafter Mordlust« und einer von serbischen Sicherheitsstrukturen organisierten Menschenjagd. Zeugenaussagen und frühere Medienberichte deuten darauf hin, dass vor allem Italiener, aber auch Franzosen, Belgier, Schweizer und Österreicher über Triest und Belgrad in die Hügel rund um Sarajevo gebracht wurden. Dort sollen sie für hohe Summen – laut Recherchen bis zu 200.000 Euro pro Wochenende – auf Kinder, schwangere Frauen und andere Zivilisten geschossen und die Taten wie ein makabres Freizeitangebot behandelt haben.

Gavazzenis Buch »I Cecchini del Weekend« und der Dokumentarfilm »Sarajevo Safari« brachten den Fall erneut an die Öffentlichkeit und lieferten Material für die Ermittlungen. Zeugenaussagen belasten auch serbische Kommandostrukturen und nennen als mögliche Schlüsselfigur einen früheren serbischen Geheimdienstchef. Zudem wird Serbiens Präsident Aleksandar Vučić von einem kroatischen Journalisten mit den ausländischen Scharfschützen in Verbindung gebracht; Vučić weist dies als Desinformation zurück. Die Staatsanwaltschaft prüft nun die Vorwürfe wegen mehrfachen Mordes aus niedrigen Beweggründen, bei Verurteilung droht lebenslange Haft.


Was heute sonst noch wichtig ist


Meine Lieblingsgeschichte heute: Was war mit Opa?

Etwa 8,5 Millionen Deutsche traten bis 1945 der NSDAP bei. In vielen Familien war es nach Ende der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ein Tabu, über die Zeit zwischen 1933 und 1945 zu sprechen. Viele Nachkommen fragen sich noch heute: Was haben meine Verwandten eigentlich damals gemacht? Ich zum Beispiel habe jüngst Briefe meines Opas gelesen, die er zwischen 1942 und 1943 an meine Oma schrieb, als er in Nördlingen stationiert war. Auch wenn er meines Wissens kein Parteimitglied war, las man durchaus eine Bewunderung für Hitlerdeutschland heraus. In vielen Familien dürfte die Zahl der Widerstandskämpfer ähnlich überschaubar sein. Mein Kollege Frederik Seeler gibt Tipps, wie man herausfindet, ob die eigene Verwandtschaft verstrickt war …

Foto: elmue / Shotshop / IMAGO

Was heute weniger wichtig ist

Foto:

Britta Pedersen / dpa

Chuba-Bubba: Die Rapperin Nina Chuba, 27, hat als Kind in der beliebten Kinderserie »Die Pfefferkörner« mitgespielt. Jetzt kehrt sie zurück – allerdings nicht als Schauspielerin, sondern als Interpretin der neuen Titelmelodie. Mit ihrem Produzenten Flo August habe sie ihr »einen modernen Touch verliehen, ohne ihren Kern zu verlieren«.


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Kleinanzeige in den »Kieler Nachrichten«

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Foto: Thomas Plaßmann

Und heute Abend?

2007 im palästinensisch verwalteten Betlehem entstandenes Banksy-Werk: Warum nicht zu den eigenen Botschaften stehen?

2007 im palästinensisch verwalteten Betlehem entstandenes Banksy-Werk: Warum nicht zu den eigenen Botschaften stehen?

Foto: Ammar Awad / REUTERS

Banksy ist einer der populärsten Street-Art-Künstler der Gegenwart. Und ein Mann ohne bürgerlichen Namen. Oder jedenfalls ohne einen, den er selbst zugegeben hätte. Die Nachrichtenagentur Reuters will herausgefunden haben, dass hinter dem berühmten Pseudonym der 1973 geborene Robin Gunningham aus Bristol steckt. Meine Kollegin Ulrike Knöfel findet, dass er nicht nur ein gesellschaftspolitischer Aufklärer ist, sondern auch eine Marke, die er gut zu verkaufen weiß (hier mehr ). Sie könnten anfangen, sich den neunteiligen ARD-Podcast über die Geschichte des Mannes anzuhören. Hier zu finden in der ARD-Audiothek .


Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts