SpOn 09.10.2026
17:55 Uhr

News des Tages: Navanethem »Navi« Pillay erhält Friedensnobelpreis, Gerhard Schröder in Russland, Umsätze von Shein und Temu brechen ein


Die Juristin Navanethem Pillay bekommt den Friedensnobelpreis. Gerhard Schröders Partyauftritt bei Putin empört Bundeskanzler Merz. Und die Umsätze asiatischer Shoppingplattformen mit Billigware brechen ein. Das ist die Lage am Freitagabend.

News des Tages: Navanethem »Navi« Pillay erhält Friedensnobelpreis, Gerhard Schröder in Russland, Umsätze von Shein und Temu brechen ein

1. Die Entscheidung für Pillay ist politisch aufgeladen

Südafrikanische Juristin Navanethem »Navi« Pillay

Südafrikanische Juristin Navanethem »Navi« Pillay

Foto:

Valentin Flauraud / REUTERS

Als der deutsche Politiker Willy Brandt im Jahr 1971 den Friedensnobelpreis erhielt, sagte er: »Krieg darf kein Mittel der Politik sein«. Heute hat das Nobelpreiskomitee bekannt gegeben, dass die Juristin Navanethem »Navi« Pillay aus Südafrika den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält. Sie habe »maßgeblich dazu beigetragen, dass Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich verfolgt werden«, begründete das Komitee die Entscheidung (lesen Sie hier mehr).

Insgesamt waren 287 Kandidatinnen und Kandidaten für den Preis nominiert, 208 Einzelpersonen und 79 Organisationen. Auch Donald Trump soll erneut darunter gewesen sein. Wie schon 2025 ging der US-Präsident erwartungsgemäß leer aus.

»Mit der Auszeichnung von Pillay stärkt das Nobelkomitee die internationale Justiz«, sagt mein Kollege Mathieu von Rohr. »Es hat sich dabei aber für eine Persönlichkeit entschieden, statt den Internationalen Strafgerichtshof oder den Internationalen Gerichtshof als Institutionen zu ehren.«

Pillays Lebenswerk sei bedeutsam, weil es den Kampf gegen die Apartheid verbindet mit der juristischen Verfolgung von sexualisierter Gewalt und von Völkermord. »Pillay wirkte am historischen Ruanda-Urteil mit, das Vergewaltigungen als mögliche Völkermordhandlungen anerkannte«, so Mathieu. »Zugleich ist die Auszeichnung aktuell politisch aufgeladen: Die von ihr geleitete Uno-Untersuchungskommission kam 2025 zu dem Schluss, dass Israel in Gaza einen Völkermord begehe – einen Vorwurf, den Israel zurückweist.«

Die Kommission stellte auch Kriegsverbrechen der Hamas und anderer bewaffneter palästinensischer Gruppen beim Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 auf Israel fest, darunter vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten und Geiselnahmen (lesen Sie hier mehr dazu ).


2. Die SPD sollte nach Schröders Party mit Putin endlich Konsequenzen ziehen

Ex-Kanzler Schröder, Kriegsherr Putin am 8. Oktober in Moskau

Ex-Kanzler Schröder, Kriegsherr Putin am 8. Oktober in Moskau

Foto:

Russian Presidential Press Office / AFP

Unter den deutschen Politikern war Gerhard Schröder mal ein Champion der Herzen, unter anderem wurde er wegen seiner Begeisterung für Wurstwaren und Bier an vielen Stammtischen gefeiert. In der Gegenwart scheint der Altbundeskanzler des Öfteren von allen guten Geistern und Umfragewerten verlassen. Am Mittwoch hat Schröder die Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau besucht und steht seither massiv in der Kritik. Heute sagte Vizeregierungssprecher Steffen Meyer, auch der aktuelle deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz sei »zutiefst empört« über das Treffen (hier mehr dazu).

»Putin allein«, so der Sprecher, sei für den Krieg in der Ukraine verantwortlich, und seine Befehle sorgten täglich für »unermessliches Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete«. Der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner sagte hingegen dem »Tagesspiegel«, man müsse »in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.«

Die SPD müsse sich fragen lassen, wie lange sie Schröders Treiben noch hinnehmen will, schreibt mein Kollege Mathieu von Rohr in seinem Kommentar zum Auftritt des Altbundeskanzlers in Moskau (lesen Sie hier mehr dazu ). »Man ist von Schröder vieles an Geschmacklosigkeiten gewöhnt. Das darf aber nicht dazu führen, dass jede weitere Grenzüberschreitung nur noch ein müdes Schulterzucken auslöst. Die SPD muss ihn endlich aus der Partei ausschließen.«


3. Die Importzölle der EU wirken

Shein-Einkaufstüten in Liverpool

Shein-Einkaufstüten in Liverpool

Foto: Phil Noble / REUTERS

Manchmal sind negative Wirtschaftsnachrichten keineswegs unerfreuliche News. Heute wurde bekannt, dass die Umsätze jener asiatischen Shoppingplattformen einbrechen, die zuletzt mit ihrer oft nicht nachhaltigen Billigware europäische Märkte überschwemmt hatten. Die neuen EU-Regeln für den Import von Billigwaren wirken sich offensichtlich auf auswärtige Onlinehändler wie die asiatischen Plattformen Shein, Temu und AliExpress aus. Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland gingen die Umsätze der Plattformen im dritten Quartal in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 35,5 Prozent zurück (hier mehr dazu).

Die Zollfreigrenze von 150 Euro für Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten ist im Juli weggefallen. Seitdem ist jede Sendung aus Drittstaaten zollpflichtig. Für Kleinsendungen bis 150 Euro ist pro Warengruppe eine Pauschale von drei Euro fällig. Ab November gilt zudem eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro.

»Für Shein und Temu kommen die Umsatzeinbrüche nicht überraschend«, sagt meine Kollegin Katharina Koerth. Die Unternehmen versuchten schon länger, ihre Strategien den erwarteten Zollgebühren auf Einzelpakete anzupassen. »Beide Unternehmen betreiben inzwischen Lager in Europa und importieren dorthin Waren in größeren Mengen. Shein will außerdem höherpreisige Produkte anbieten und sein Angebot an Modemarken erweitern.«

Auch wenn die Paketflut jetzt schwächer werde, dürfte sie nicht komplett abreißen, so Katharina. »Die EU muss sich deshalb weiter anstrengen, unsichere Waren aus dem Verkehr zu nehmen und ihre Gesetze durchzusetzen.«


Was heute sonst noch wichtig ist


Meine Lieblingsmeldung heute: Forscher zählen 180.000 Riesenschildkröten auf Seychelleninsel

Aldabra-Riesenschildkröte auf der Insel Curieuse

Aldabra-Riesenschildkröte auf der Insel Curieuse

Foto: imagebroker / IMAGO

Fünf Jahre lang hat ein Team von Forscherinnen und Forschern gebraucht, um die weltgrößte Population freier Riesenschildkröten zu zählen – nun hat das Team festgestellt, dass auf dem Aldabra-Atoll der Seychellen rund 180.000 Tiere der einst gefährdeten Art Aldabrachelys gigantea leben. Bekannt gegeben hat die Zahl die britische Universität Exeter, deren Forscher mit statistischen Analysen an dem Projekt gemeinsam mit der Seychelles Island Foundation beteiligt waren. Die Direktorin der Foundation, sie heißt Frauke Fleischer-Dogley, wertete die Daten als »wundervolle Nachricht für die Seychellen, für die Welt und für jeden, der mitgearbeitet hat, um die Aldabra-Schildkröten zu schützen«. Auf dem Tiefpunkt im 19. Jahrhundert wurden weniger als 1000 Tiere auf dem Aldabra-Atoll im Indischen Ozean gezählt, die damals intensiv gejagt wurden. Die von der Universität Exeter als bahnbrechend bewertete Studie wurde im Fachmagazin »Ecology and Evolution« veröffentlicht.


Was heute weniger wichtig ist

Flavia Zaka

Flavia Zaka

Foto: Marijan Murat / dpa / picture alliance

Wir können alles. Außer Hochdeutsch – und Englisch: Flavia Zaka, 40, Juristin und Baden-Württembergs First Lady, hat in einem Interview Fragen zu einer Landesgartenschau auf Englisch beantwortet und sieht sich deshalb in sozialen Medien Kritik ausgesetzt. Zaka ist die Ehefrau von Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir und wurde in Albanien geboren; als sie zwölf Jahre alt war, wanderte ihre Familie nach Kanada aus. »Ich kann verstehen, dass viele Menschen denken, dass ich Deutsch sprechen sollte«, sagte sie der »Schwäbischen Zeitung«. »Natürlich möchten diejenigen, für die Schwäbisch ihre vertrauteste Sprache ist, diese Sprache gepflegt, geschützt und von Menschen in repräsentativen Positionen vertreten sehen.«


Mini-Hohlspiegel

Aus einem Wahl-Liveticker auf sächsische.de

Aus einem Wahl-Liveticker auf sächsische.de

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Darstellerin Hoyeon

Darstellerin Hoyeon

Foto:

PLUS M ENTERTAINMENT / MUBI

Könnten Sie ins Kino gehen und sich den südkoreanischen Film »Hope« von Na Hong-jin ansehen. Der Film erzählt von einem Monster und beginnt mit der mutmaßlich längsten Verfolgungsjagd der Kinogeschichte. 45 Minuten lang rasen mehrere Trupps aus Polizisten und Bürgern dem riesigen Monster, das allerhand Verwüstungen anrichtet, hinterher. »In Südkorea sahen den Film in drei Tagen eine Million Zuschauer«, berichtet meine Kollegin Hannah Pilarczyk. Sie lobt das Actionwerk als »glorioses Spektakel« .

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort