SpOn 18.09.2026
17:28 Uhr

News des Tages: Spritpreise, Tarnkappenbomber F-35, Wahlen


Die Regierung steht offenbar vor einer Einigung für Entlastungen für Autofahrer. Deutschland will mit neuem F-35-Tarnkappenjet einen »Quantensprung« machen. Und Schwesig überholt in Umfragen die AfD. Das ist die Lage am Freitagabend.

News des Tages: Spritpreise, Tarnkappenbomber F-35, Wahlen

1. Braucht man bald keinen Kredit mehr, um tanken zu können?

Übergewinnsteuer-Befürworter Klingbeil

Übergewinnsteuer-Befürworter Klingbeil

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Erinnern Sie sich noch an die Bundesversammlung von Bündnis 90/Die Grünen im März 1998 in Magdeburg? Damals beschloss die Partei, den Benzinpreis schrittweise auf 5 DM anheben zu wollen. Selbst Oberrealo Joschka Fischer war euphorisiert: »Das kämpfen wir jetzt gemeinsam durch!«

Man kann sagen, die Grünen haben ihr Ziel erreicht – allerdings anders als sie sich das vorgestellt haben. Sie wollten die Mineralölsteuer erhöhen und Geld in den Staatshaushalt fließen lassen, um eine Mobilitätswende zu finanzieren. Heute kassieren stattdessen die Mineralölkonzerne. In Berlin kostete ein Liter Super-Plus-Benzin in dieser Woche 3,03 Euro; auch Super und Diesel waren so teuer wie nie zuvor.

Wer monatlich 1000 Kilometer fährt und sieben Liter auf 100 Kilometer verbraucht, muss wegen des Preisanstiegs mindestens 49 Euro mehr ausgeben, schreibt mein Kollege Jens Radü, der in seinem Kommentar fordert: »Lasst endlich die Konzerne zahlen!« (hier mehr dazu ).

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte eine Übergewinnsteuer vorgeschlagen. Stattdessen gab es einen Tankrabatt von 17 Cent, der Ende Juni auslief. Danach wurden erneut Sondersteuer, Preisdeckel und Direktzahlungen diskutiert. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnte den Preisdeckel zunächst ab. Der Kanzler die Übergewinnsteuer. Heute berieten die EU-Finanzminister in Dublin über die Treibstoffkrise, wo Klingbeil mit seiner Idee der Übergewinnsteuer aber auf wenig Begeisterung stieß (hier mehr dazu).

Inzwischen steht die Bundesregierung aber offenbar vor einer Einigung. Der Tankrabatt könnte wieder eingeführt werden, der Preis zunächst wieder um 17 Cent sinken, jene Summe, um die die Energiesteuer abgesenkt werden könnte. Anschließend könnte zudem auch ein Preisdeckel eingeführt werden, also ein staatlich vorgegebener Maximalpreis an der Zapfsäule, der sich an den tatsächlichen Kosten der Mineralölkonzerne orientiert. Das haben meine Kollegen Markus Becker, Paul-Anton Krüger, Andreas Niesmann und Gerald Traufetter recherchiert.

Immerhin hat die Regierung für diese Lösung nicht so lange gebraucht, wie die Grünen für ihr 5-DM-Ziel.


2. Das nimmt Pistorius auf seine Tarnkappe

Foto:

[M] DER SPIEGEL; Foto: Björn Trotzki / IMAGO

Bei diesem Verkehrsmittel dürften die Spritkosten keine Rolle spielen: Boris Pistorius hat in Fort Worth im US-Bundesstaat Texas den ersten von 35 bestellten Kampfjets F-35 des Herstellers Lockheed Martin symbolisch entgegengenommen. Der Verteidigungsminister sieht im F-35 einen »Quantensprung« für die deutsche Luftwaffe. Die Maschinen kosten einschließlich Bewaffnung, Ersatzteilen und Wartung für fünf Jahre knapp zehn Milliarden Euro und werden größtenteils aus dem 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen finanziert.

Die F-35 soll ab 2027 in Büchel stationiert werden und dort die alternden Tornado-Kampfjets ersetzen. Deutschland will mit ihr auch künftig an der nuklearen Teilhabe der Nato festhalten. Zunächst werden die ersten acht Maschinen in den USA stationiert, wo deutsche und US-Piloten gemeinsam trainieren.

Der Jet gehört zur fünften Generation von Kampfflugzeugen. Tarnkappentechnik, Sensorfusion und moderne Radar- und Infrarotsysteme sollen Einsätze in stark überwachten Gebieten ermöglichen. Allerdings erhalten die ersten deutschen F-35 nicht das neueste Radar. Auch bei weitreichenden Waffen bleibt die Ausstattung hinter ursprünglichen Erwartungen zurück.

Trotz Dementis des Herstellers gibt es Bedenken wegen der Abhängigkeit von US-Software, Ersatzteilen und Updates. Von einem »Killswitch« war die Rede, einem angeblichen Notausschalter, mit dem die Amerikaner den Jet einfach lahmlegen könnten. Zudem kritisiert der US-Rechnungshof die geringe dauerhafte Einsatzbereitschaft der F-35-Flotte, berichten meine Kollegen Matthias Gebauer, Marc Hasse und Niklas Marienhagen.


3. Sind Merz und Klingbeil nach diesen Wahlen noch Parteichefs?

»Taktisch wählen«-Banner am Rande einer Anti-AfD-Demonstration in Sachsen-Anhalt

»Taktisch wählen«-Banner am Rande einer Anti-AfD-Demonstration in Sachsen-Anhalt

Foto:

Wolfgang Maria Weber / IMAGO

Zwei Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern liegt die SPD laut ZDF-»Politbarometer Extra« erstmals vor der AfD. Die Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreichen demnach 37 Prozent, drei Punkte mehr als in der Vorwoche. Die AfD mit Spitzenkandidat Leif-Erik Holm kommt auf 36 Prozent und verliert einen Punkt.

Die mit der SPD regierende Linke liegt bei neun Prozent. Die CDU nähert sich mit sechs Prozent der Fünfprozenthürde, die Grünen müssen mit fünf Prozent um den Einzug in den Landtag bangen. Das BSW würde mit vier Prozent scheitern. Schwesig profitiert offenbar von ihrer persönlichen Popularität: Bei einer Direktwahl würden sich 61 Prozent für sie entscheiden, 30 Prozent für Holm.

Auch in Berlin zeichnet sich bei der Abgeordnetenhauswahl am Sonntag ein enges Rennen ab. Dort führt die Linke mit 22 Prozent knapp vor der CDU mit 20 Prozent. Es folgen AfD (18), Grüne (15), SPD (12) und BSW (4 Prozent). Ein schlechtes Abschneiden der CDU könnte die Debatte über eine Ablösung von Bundeskanzler Friedrich Merz neu anheizen. Ein gutes Abschneiden von Schwesig die über die Ablösung von Klingbeil als SPD-Chef.

Ob die Umfragewerte so sind, weil die Leute überlegen, taktisch zu wählen, um die AfD als Regierungspartei zu verhindern? Oder Merz als Kanzler zu schaden? Oder die Linken besonders zu stärken, wie in Berlin? Man weiß es nicht. Mein Kollege Marc Röhlig jedenfalls hält berechnendes Wahlverhalten für falsch. »Wer aus einem rein taktischen Motiv heraus wählt, entscheidet sich nicht für die Inhalte, von denen er tatsächlich überzeugt ist«, kommentiert er. »Und muss am Ende mit einer Politik leben, die er nicht gut findet.«


Was heute sonst noch wichtig ist

  • So kommentieren europäische Medien den Schulterschluss zwischen der EU und Kanada: Kanada als Partner der EU jenseits des Ozeans? Von der Leyen und Carney skizzieren eine historische Annäherung. Medien sind sich über den Ursprung der Idee einig – und skeptisch bei ihrer Umsetzung. Pressestimmen aus Europa.

  • Warren Buffett legt nun auch den Verwaltungsratsvorsitz seiner Investmentfirma nieder: Er galt als »Orakel von Omaha«: US-Starinvestor Warren Buffett machte aus einer maroden Textilfirma eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Nun tritt er als Verwaltungsratschef von Berkshire Hathaway ab.

  • Paris Brunner und sechs weitere Debütanten – das ist der neue U21-Kader: Bundestrainer Jürgen Klopp versprach »viele großartige Jungs«, nun hat U21-Coach Antonio Di Salvo seinen Kader benannt. Darunter sieben Debütanten – und mit einer Sonderrolle für Bayern-Profi Tom Bischof.


Meine Lieblingsgeschichten heute: Mir san Bier

Foto:

Ulrich Wagner / IMAGO

Am Samstag beginnt das Oktoberfest in München. Oder wie der heutige grüne Oberbürgermeister Dominik Krause 2023 in einem Interview sagte, die »weltweit größte offene Drogenszene«. Kostete eine Maß im Jahr 2012 noch zwischen 9,10 und 9,50 Euro, liegt sie in diesem Jahr schon zwischen 14,80 und 15,90 Euro. Und nein, die Bierpreise sind nicht an die Spritpreise gekoppelt. Mein Kollege Bastian Midasch und meine Kollegin Veronika Silberg haben alles Wichtige zu diesem Ereignis zusammengefasst. Und meine Kollegin Maren Keller hat mit dem Content-Creator Rudi gesprochen, der Ihnen verrät, wie Rostbraten und andere Wiesn-Köstlichkeiten auch ohne tierische Produkte gelingen (hier das Interview ).


Was heute weniger wichtig ist

Foto:

Oli Scarff / AFP

Ramba Samba: Der deutsche Fußballer Floyd Samba, 17, hat beim Ligapokalauftritt von Manchester City geglänzt. Dem Debütanten gelangen beim 5:0-Sieg gegen den Zweitligisten Norwich City zwei Tore. Er könne es kaum glauben, sagte Samba. Und das sei »erst der Anfang, ich habe eine große Karriere vor mir«.


Mini-Hohlspiegel

Die »Rhein-Neckar-Zeitung« über Vorbereitungen auf die totale Sonnenfinsternis in Spanien: »Die Regierung hatte umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Zwei Millionen zertifizierte Schutzbrillen wurden kostenlos verteilt. Mehr als 33 waren im Einsatz.«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Foto:

Thomas Plaßmann


Und am Wochenende?

Musiker Immanuel Wilkins

Musiker Immanuel Wilkins

Foto: Peter Van Breukelen / Redferns

Könnten Sie den Saxofonisten Immanuel Wilkins entdecken. Der US-Amerikaner hat gerade einen Mitschnitt eines Gigs im legendären New Yorker Jazzclub »Village Vanguard« veröffentlicht. In dem Club haben nur 130 Leute Platz. Die Titel dauern mitunter länger als 20 Minuten, am Ende kamen 13 Stücke in drei Stunden zusammen. Es ist Ekstase pur, nichts, um sich nebenbei berieseln zu lassen. Wilkins erzeugt, schreibt die »Süddeutsche Zeitung« , egal, ob im Leisen oder im Eruptiven, eine Intensität, die bei diesem Konzert noch stärker zu spüren sei als auf seinen ersten drei Alben: »Wie ein Gefäß Gottes«.

Wer es erst mal etwas ruhiger haben möchte: bitte schön! 

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Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Janko Tietz, Ressortleiter Nachrichten

Anmerkung der Redaktion: Im Vorspann und im Haupttext einer früheren Version dieses Textes stand, die Regierung habe sich offenbar auf einen Tankpreisdeckel geeinigt. Tatsächlich steht sie offenbar kurz vor einer entsprechenden Einigung. Wir haben die Stellen korrigiert.