SpOn 22.05.2026
17:41 Uhr

News des Tages: Türkei, CHP, Verfolgung von Vergewaltigungen, Stephen Colbert


In der Türkei feiert der Wunschgegner des Präsidenten ein Comeback. In Deutschland ist der Opferschutz löchrig. Und: In den USA tritt Komiker Stephen Colbert denkwürdig ab. Das ist die Lage am Freitagabend.

News des Tages: Türkei, CHP, Verfolgung von Vergewaltigungen, Stephen Colbert
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Podcast Cover

1. Neue Eskalationsstufe in der Türkei

»Erdoğan will die Opposition mithilfe einer regierungstreuen Justiz schwächen«, schreibt mir meine Kollegin Anna-Sophie Schneider als Erklärung für ein Urteil, das die Türkei gerade aufwühlt.

Die Entscheidung aus Ankara vom Donnerstag hat zur Folge, dass die größte Oppositionspartei der Türkei, die CHP, eine neue Spitze bekommen muss. Die gesamte bisherige Führung rund um Politiker Özgür Özel ist ihrer Ämter enthoben. Mit sofortiger Wirkung. Das Verfahren sei politisch motiviert, sagen Kritiker. Zurück kommt dafür bei der CHP Kemal Kılıçdaroğlu. Der gilt als schwach, als gesetzter Verlierer. Und dürfte damit Wunschgegner des Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sein.

Erdoğan könne die Entwicklung also nur freuen, sagt Sophie. Eine erste Berufung der CHP gegen das aktuelle Urteil sei am Freitag gescheitert. »Derzeit deutet einiges darauf hin, dass Erdoğan im kommenden Jahr vorgezogene Neuwahlen anstrebt.« Der wohl aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat der Opposition, Ekrem İmamoğlu, sitzt wegen Korruptionsvorwürfen bereits seit mehr als einem Jahr in Untersuchungshaft.

  • Lesen Sie hier die Analyse: Eine Opposition ganz nach Erdoğans Geschmack 


2. Wie der Rechtsstaat – wieder mal – Frauen im Stich lässt

Im Juni 2025 meldet sich die Polizei bei Claudia Wuttke: Die Beamten zeigen ihr Screenshots von Aufnahmen. Wuttke sieht sich darauf selbst, die Augen sind zu, sie wirkt benommen. Augenscheinlich wird sie vergewaltigt. 67 solcher Aufnahmen von ihr gibt es, entstanden wohl über einen Zeitraum von 16 Jahren. Für Wuttke ist das ein Schock.

Dann kommt das »zweite Erdbeben«, so schildert es Wuttke dem SPIEGEL. Eine Gesetzeslücke im Sexualstrafrecht schützt nicht Wuttke, sondern den mutmaßlichen Täter, ihren Ex-Partner. Viele der mutmaßlichen Taten sind demnach schon verjährt. Die Frist von lediglich fünf Jahren ist abgelaufen.

Wie kann es sein, dass heutzutage noch derartige Lücken im Opferschutz existieren? Meine Kollegin Ann-Katrin Müller hat in dem Fall recherchiert und beschreibt, wie ausgerechnet eine Neufassung der Gesetze für Verschlechterungen für Opfer sorgte. »Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass Gesetzesreformen sorgfältig gemacht werden. Denn der Schutz von Betroffenen ist für solche Fälle aus Versehen geschwächt worden, obwohl er verschärft werden sollte. Das hat viel Leid verursacht.«

  • Lesen Sie hier den ganzen Text: Er soll sie Dutzende Male betäubt, vergewaltigt und gefilmt haben. Doch eine Gesetzeslücke schützt ihn 


3. Späte Sternstunde

Die Sendung gilt als erfolgreichste Comedyshow im US-Fernsehen. Jetzt hat US-Entertainer Stephen Colbert die letzte Folge seiner weltweit beliebten »Late Show« moderiert.

Warum ist Schluss? Die offizielle Begründung im vergangenen Juli, es handele sich um eine »rein finanzielle Entscheidung« des Senders CBS, galt vielen als Vorwand. Tatsächlich habe CBS-Mutter Paramount mit dem Aus für Colbert eine Forderung von US-Präsident Donald Trump erfüllt, so der Verdacht.

Mein Kollege Arno Frank hat die finale Folge geschaut und schreibt, Colbert habe »dem Fernsehen eine späte Sternstunde« geschenkt. »Tatsächlich hat dieser Abend der Nation vor Augen geführt, was auf dem Spiel steht«, meint er. Was kann noch kommen nach dem fast schon absurden Aufgalopp an Stars in der letzten Sendung, Beatles-Star Paul McCartney inklusive? Colbert selbst scherzte in der Sendung: »Die Antwort lautet: ›Drogen‹.«

Offenbar will Colbert sich unter anderem einer Neuversion von »Herr der Ringe« zuwenden, zusammen mit seinem Sohn . Ich würde außerdem darauf tippen, dass auch ein Colbert-Podcast nicht unwahrscheinlich ist.


Was heute sonst noch wichtig ist


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AfD-Politiker Baumann vor der CDU-Zentrale: Ein zeithistorisches Dokument

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CDU und AfD liefern sich bizarren YouTube-Streit – wegen einer Broschüre: Der AfD-Politiker Bernd Baumann filmt sich vor der CDU-Zentrale, von dort filmen Beschäftigte durch Jalousien zurück. Kurz darauf laden beide Parteien Videos ins Netz, die vor Falschbehauptungen nur so strotzen. Was ist da los? 

Was heute weniger wichtig ist

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Mini-Hohlspiegel

Aus dem »Hamburger Abendblatt«

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Thomas Plaßmann

Und am Wochenende?

Können Sie den SPIEGEL-Podcast »Menschenjagd – Im Netz von ›White Tiger‹« hören. Seit Donnerstag ist die fünfte und finale Folge frei verfügbar, zum Beispiel auf Spotify . Mein Netzwelt-Kollege Max Hoppenstedt Heinrichs begibt sich darin auf die Spuren von »White Tiger«: Unter diesem Pseudonym soll ein junger Hamburger einen Mord begangen haben, an einem US-Teenager. Die Anwältin des Angeklagten sagt, der Vorwurf sei nicht haltbar. Max gibt im Podcast spannende und auch verstörende Einblicke in eine brutale Onlineszene, die Jagd auf junge Menschen macht (jetzt hier reinhören).

Einen schönen Abend. Herzlich

Ihre Angela Gruber, Autorin im Wirtschaftsressort