SpOn 29.09.2026
18:04 Uhr

News des Tages: US-Botschafterin in Griechenland, Ulrich Siegmund stellt sich zur Wahl und Mercedes reduziert das Homeoffice


Die US-Botschafterin in Griechenland wird mit bizarren angeblichen Aussagen zitiert. Ulrich Siegmund will sich im Dezember zum Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt wählen lassen. Und Mercedes streicht das Homeoffice zusammen. Das ist die Lage am Dienstagabend.

News des Tages: US-Botschafterin in Griechenland, Ulrich Siegmund stellt sich zur Wahl und Mercedes reduziert das Homeoffice

1. Dass Siegmund gewählt wird, gilt als realistisch – nur wie, ist unklar

Die »taz« hat den AfD-Politiker Ulrich Siegmund mal den »Sunnyboy des Rechtsextremismus« genannt, im Dezember will sich Siegmund, der Wahlsieger bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, nun als Ministerpräsident zur Wahl stellen. Das sagte der AfD-Mann heute vor Journalisten im Magdeburger Landtag. Geplant sei die Wahl für die Sitzung am 15., 16. oder 17. Dezember. Siegmund geht nach SPIEGEL-Informationen davon aus, dass er im ersten Wahlgang gewählt wird. (Lesen Sie hier mehr.)

Foto:

Jan Huebner / IMAGO

Der AfD-Politiker strebe eine »stabile Regierung« an und »keine klassische Minderheitsregierung«, hieß es aus der Fraktion. Der Termin im Dezember wurde laut Siegmund gewählt, weil es noch Gesprächsbedarf gebe. Dass er gewählt wird, gilt als realistisch.

Bei der Wahl am 6. September war die AfD mit Siegmund als Spitzenkandidaten mit 43,8 Prozent stärkste Kraft vor der CDU mit 17,2 Prozent geworden. Die AfD führt derzeit Gespräche mit dem BSW zur Regierungsbildung. Das BSW schließt eine Koalition aus. Siegmund hatte vor der Landtagswahl mehrfach ausgeschlossen, ohne eigene absolute Mehrheit zu regieren – er wolle sich nur zum Ministerpräsidenten wählen lassen, wenn seine Partei allein regieren könne, betonte er.

Wie Siegmund ins Amt kommt, ist offen. Die AfD stellt im Parlament 39 Abgeordnete. CDU, Linke, Grüne und SPD kommen zusammen ebenfalls auf 39 Sitze, das BSW ist mit 5 Abgeordneten vertreten. Für eine Mehrheit im Parlament braucht es 42 Stimmen. Das BSW hat jedoch angekündigt, sich bei der Ministerpräsidentenwahl enthalten zu wollen. Im dritten Wahlgang reicht in Sachsen-Anhalt eine Mehrheit der abgegebenen Stimmen aus. Enthaltungen werden nicht mitgezählt.

»Mir ist schleierhaft, was Siegmunds Plan ist«, sagt mein Kollege Fabian Hillebrand. »Er wirkte heute extrem selbstbewusst. Entweder sie haben schon drei CDUler mit festen Zusagen in der Tasche. Das widerspricht aber dem, was wir hören. Oder es ist magisches Denken.«


2. Das »Wall Street Journal« schildert einen diplomatischen Skandal

Viele Menschen sehen sich im Kino gern Filme über geheime und abenteuerliche Machenschaften von mächtigen Politikern und Nationen an, auch ich gucke so was oft mit Vergnügen. In einem Bericht des »Wall Street Journal« wird nun eine Szene wie aus einem solchen Film geschildert. Im März soll die US-Botschafterin in Athen bei einem Essen den Sturz der rumänischen Regierung angekündigt haben mit den Worten: »Wir können das in jedem Land machen.« Laut dem Bericht der Zeitung hat sich Kimberly Guilfoyle, US-Botschafterin in Griechenland, damals gegenüber einem griechischen Minister geäußert und das bevorstehende Ende der rumänischen Regierung zutreffend vorausgesagt. Das kam wenig später. (Lesen Sie hier mehr.)

Kimberly Guilfoyle

Kimberly Guilfoyle

Foto:

Nicolas Koutsokostas / IMAGO

Guilfoyle widersprach über ihren Anwalt der Darstellung der Ereignisse des »Wall Street Journal«. Mein Kollege Sven Scharf schildert das bewegte politische Leben der 57-Jährigen, die im Dezember 2024 von US-Präsident Donald Trump als Botschafterin vorgeschlagen wurde. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte )

Die Botschafterin habe keine diplomatischen Vorkenntnisse mitgebracht. »Dafür war sie zwischenzeitlich die Verlobte von Trumps Sohn Donald Trump Jr. Vor ihrer Beziehung zu den Trumps war Guilfoyle zweimal verheiratet, unter anderem Anfang der Nullerjahre mit Gavin Newsom, dem damaligen Bürgermeister von San Francisco.«

Guilfoyle arbeitete zunächst als Staatsanwältin, dann als Fox-News-Moderatorin und wurde eine prominente Persönlichkeit innerhalb der amerikanischen Rechten. Im Rahmen der Präsidentschaftswahl 2020 agierte sie als Beraterin Trumps und leitete dessen Fundraising-Team. »In Athen gilt sie als Society-Lady«, so mein Kollege. Und er urteilt: »Eine Vertreterin der US-Regierung, die behauptet, vielleicht sogar droht, Washington könne jede Regierung der Welt stürzen? Das wäre ein diplomatischer Skandal.«


3. Das Arbeitsklima in Deutschland wird rauer

Die Möglichkeit, statt im Büro zu Hause im Homeoffice zu arbeiten, galt mal vielen Menschen als Fortschritt in der sogenannten Arbeitskultur. Das scheint in vielen Firmen vorbei zu sein. Meine Kollegen Martin Hesse und Timo Schober berichten heute darüber, dass Mercedes das Homeoffice weitgehend zusammenstreicht. (Hier mehr dazu )

Mercedes-Zentrale in Stuttgart: Rückkehr ins Büro

Mercedes-Zentrale in Stuttgart: Rückkehr ins Büro

Foto: Frank Hoermann / Sven Simon / SvenSimon / picture alliance

Laut einer internen Mitteilung des Vorstands an die Beschäftigten, die dem SPIEGEL vorliegt, haben sich Unternehmensführung und Betriebsrat darauf verständigt, dass Führungskräfte künftig für Vollzeitbeschäftigte bis zu vier Präsenztage pro Woche festlegen können, ohne dies begründen zu müssen. »Bei Mercedes wird das Klima rauer«, schreiben die Kollegen. Ziel sei es nun, dass vier Tage im Büro zur Regel werden. Offenbar verkündeten Konzernchef Ola Källenius und Produktionsvorstand Michael Schiebe die Einigung auch bei einer Betriebsversammlung in Stuttgart am Montag.

Die Mercedes-Einigung ist auch deshalb bemerkenswert, weil Vorstand und Betriebsrat derzeit einen harten Konflikt austragen. CEO Källenius will die Arbeitskosten reduzieren und dafür die seit Jahrzehnten geltende 35-Stunden-Woche abschaffen. Ende Juni hatte er den Beschäftigten in einem Brief mitgeteilt, sie sollten künftig bei gleichem Lohn mehr Stunden pro Woche arbeiten.
Zudem steht eine Kürzung von Weihnachts- oder Urlaubsgeld im Raum. Die Positionen von Vorstand und Arbeitnehmervertretern liegen dem Vernehmen nach weit auseinander. »Der Vorstand hat für den Fall eines Scheiterns mit Werksschließungen in Deutschland gedroht«, sagt mein Kollege Martin. »Für Mercedes ist das eine Zäsur, die zeigt, wie tief die aktuelle Krise die Automobilindustrie erschüttert.«


Was heute sonst noch wichtig ist

  • Amnesty International wirft Armee und Wagner-Gruppe Kriegsverbrechen in Mali vor: In Mali kämpft das Militär mit der russischen Wagner-Gruppe gegen islamistische Gruppen und nimmt dabei keine Rücksicht auf Zivilisten. Ein Amnesty-Bericht dokumentiert zahlreiche Kriegsverbrechen bei gemeinsamen Einsätzen.

  • Deutsche Staatsanwältin stirbt im Türkeiurlaub: Sibel T. leidet im Türkeiurlaub tagelang unter Übelkeit und Erbrechen. Dann stirbt die deutsche Staatsanwältin plötzlich im Krankenhaus. Die Behörden stufen den Tod als verdächtig ein, die Polizei ermittelt.

  • 600.000 Menschen von Hack an Ludwig-Maximilians-Universität betroffen: Das Ausmaß des Cyberangriffs auf die LMU in München ist erheblich. Nach neuesten Erkenntnissen könnten unter anderem Identitäts-, Kontakt- und Bankdaten von Studierenden aus den vergangenen 50 Jahren erbeutet worden sein.

  • Bundesregierung will chinesische Übernahme im Hamburger Hafen angeblich stoppen: Welchen Einfluss erlaubt Deutschland chinesischen Staatskonzernen? Nachdem Cosco sich vor ein paar Jahren an einem Hamburger Hafenterminal beteiligt hat, steht nun eine andere Übernahme offenbar auf der Kippe.


Mein Lieblings-SPIEGEL-Gespräch heute: »Leben bedeutet, dass sie die Scheiße aus dir rausprügeln«

Schauspieler Stallone beim Filmset von »Tulsa King«: »Wenn man ein gebrochenes Herz wieder zusammensetzt, sieht es nicht mehr so aus wie zuvor«

Schauspieler Stallone beim Filmset von »Tulsa King«: »Wenn man ein gebrochenes Herz wieder zusammensetzt, sieht es nicht mehr so aus wie zuvor«

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James Devaney / GC Images / Getty Images

Mein Kollege Christian Buß ist nach New York gereist und hat sich mit Sylvester Stallone über dessen Karriere unterhalten – und er schafft es auf wirklich glorreiche Weise, mit dem 80-jährigen Hollywoodstar ins Gespräch zu kommen. Unter anderem erinnert er ihn daran, dass Stallones eigene Mutter gar nicht immer so garstig war, wie es der Schauspieler jetzt in seiner Biografie schreibt. In früheren Interviews mit Journalisten hatte Stallone berichtet, dass die Mutter ihm mal das Kompliment gemacht habe, er habe die Augen von Bette Davis. »Jetzt, wo Sie es sagen, erinnere ich mich wieder. Es stimmt«, sagt Stallone gegenüber Christian im Interview, seine Augen seien tatsächlich sein größtes Kapital. »Sie unterscheiden mich von den anderen Actionstars. Der Bizeps war bei mir eher Mittel zum Zweck, um von menschlichen Dramen zu erzählen. Als Schauspieler nahm mich niemand ernst, ich musste mir über Actionfilme meinen Platz suchen. Bei Arnold Schwarzenegger, Jean-Claude Van Damme und Bruce Willis ging es darum, unbesiegbar zu sein. Ich wollte von Niederlagen erzählen und davon, was diese Niederlagen mit Menschen machen.«


Was heute weniger wichtig ist

Franca Lehfeldt

Franca Lehfeldt

Foto: STAR-MEDIA / IMAGO

Bekenntnis zur Normalmutterschaft: Franca Lehfeldt, 37, Unternehmerin und Journalistin, erlebt das Muttersein als »ständiges Aushandeln« und kritisiert Momfluencerinnen – Mütter, die auf Social Media ihren Alltag, ihr Familienleben und ihre Rolle als Mutter inszenieren und mit ihrem Content Druck auf andere Frauen ausüben. »Ich will kein neues Ideal aufstellen«, sagte sie in einem Interview mit dem »Stern«. »Der digitalen Inszenierung von Mutterschaft als naturgegebener, intuitiver Hingabe ist im Netz kaum zu entkommen. Ich misstraue dieser Vanillewelt aus Leinen, Morgenlicht und Haferbrei.«


Mini-Hohlspiegel

Von tagesschau.de

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Könnten Sie sich bei einem Streamingdienst »Cop Land« ansehen, den vielleicht besten Kinofilm, den Sylvester Stallone je gedreht hat. Der Film von James Mangold, in dem auch Robert De Niro und Harvey Keitel mitspielen, sei »eine High-Noon-Geschichte mitten im sauberen Vorstadt-Amerika, wo gute Kinder Plüschschildkröten bekommen und schlechte Jungs im Swimmingpool ersäuft werden«, hat mein Kollege Thomas Hüetlin über das Werk aus dem Jahr 1997 geschrieben. »Der Gegner von Stallone ist kein kommunistischer Boxchampion, keine kommunistische Armee, kein unbezwingbarer Berg – seine Feinde sind nette amerikanische Nachbarn.«


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort