Gezielte Sabotageakte haben den Zugverkehr in den Niederlanden weitgehend lahmgelegt. Mitarbeiter des Schienennetzbetreibers ProRail entdeckten an mehr als 20 Stellen Rohre, die an den Gleisen befestigt waren. Die Vorfälle ereigneten sich vorwiegend in ländlichen Gebieten im Zentrum und im Osten des Landes. Der Zugverkehr in der Nähe der Blockaden wurde komplett eingestellt. Zudem kam es im gesamten Netz zu erheblichen Verspätungen und Ausfällen. Auch Verbindungen nach Deutschland waren betroffen.
Motiv zunächst unklar
Es seien dort absichtlich platzierte Materialien entdeckt worden, teilte ProRail mit. Das Unternehmen stufe dies als Sabotage der Eisenbahninfrastruktur ein. Die Hintergründe und das Motiv der Taten blieben zunächst unklar. Der niederländische Geheimdienst AIVD nahm gemeinsam mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.
Der Betreiber ProRail legte dar, sein Computersystem interpretiere einen Gegenstand auf den Gleisen so, dass das Gleis belegt sei, auch wenn dort gar kein Zug unterwegs sei. In der Folge stellten sich alle Signale auf diesem Streckenabschnitt auf Rot, sodass dort keine Züge fahren könnten. Ein Zug fuhr allerdings gegen ein auf den Gleisen platziertes Rohr. Dabei sei niemand zu Schaden gekommen, teilte eine ProRail-Sprecherin mit.
Die Deutsche Bahn teilte mit, dass die ICE-Linie 77 zwischen Amsterdam und Berlin von den Störungen betroffen sei. Die Züge endeten vorzeitig in Rheine, erklärte ein Sprecher des Konzerns. Zwischen Rheine und Amsterdam sei ein Ersatzverkehr mit Bussen eingerichtet worden. Eine Prognose für das Ende der Einschränkungen gab es zunächst nicht.
Die Sabotageakte ereigneten sich am Tag der Thronrede von König Willem-Alexander, mit der am Nachmittag das neue Parlamentsjahr und die Haushaltspläne für das Jahr 2027 vorgestellt werden sollten. Die Budgetpläne hatten in den vergangenen Monaten breite Proteste von Gewerkschaften und Landwirten ausgelöst. Bauern hatten zudem für den Tag eine Demonstration in Den Haag angekündigt. Die Sabotage an den Gleisen beeinträchtigte neben dem Bahnverkehr auch den Straßenverkehr, da mehrere Bahnübergänge geschlossen bleiben mussten.
In Frankreich entgleiste am Freitag ein Regionalzug, es gab Dutzende Verletzte. Auf der Strecke sei ein Schienenteil gefunden worden, hieß es. Politiker hatten zunächst von einem »Anschlag« gesprochen, Ermittler widersprachen später.
Wieso ein Funknetz aus den Neunzigern die Deutsche Bahn im Juni lahmlegen konnte, lesen Sie hier.
