SpOn 15.10.2026
15:19 Uhr

Private Fahndung: Mit Selbstjustiz zum Erfolg? Fünf Fälle


Influencerin Dagi Bee bittet ihre Follower um Hilfe: Sie sucht nach zwei mutmaßlichen Einbrechern, auch wenn die Polizei von solchen Aktionen abrät. Tatsächlich fahnden nicht wenige Bestohlene auf eigene Faust.

Private Fahndung: Mit Selbstjustiz zum Erfolg? Fünf Fälle

Bei Dagi Bee wurde mutmaßlich eingebrochen. Auf Instagram fahndet die deutsche Influencerin öffentlichkeitswirksam nach zwei Männern, indem sie Aufnahmen einer Überwachungskamera teilt: Die mutmaßlichen Täter trugen Jogginghosen. Einer hatte einen Hoodie mit Aufdruck an. Ein großer Labubu prangte auf seinem Rücken.

»Wenn ihr diese Personen identifizieren könnt, (...) bitte, bitte meldet euch«, sagt Dagi mit Nachdruck in einem Instagram-Reel. Bei Erfolg will die Content-Creatorin der Finderin oder dem Finder 10.000 Euro auszahlen. Sie will sich offenbar nicht allein auf die Polizei verlassen, die ebenfalls informiert sei.

Mehr zum Thema

Die Behörden billigen solche Aktionen nicht: »Wir als Polizei warnen davor, dass man als Privatperson Fahndungsaufrufe veröffentlicht«, sagte ein Sprecher der Polizei Mettmann. Wer das trotzdem tue, könne sich »unter Umständen selbst strafbar machen«. Private Fahndungen könnten Verdächtige vorverurteilen. »Wir wollen ja keine Selbstjustiz bei uns in Deutschland.«

Tatsächlich kommen private Fahndungen dennoch nicht selten vor. So bauten Prominente wie Lady Gaga, Lily Allen und Billy Corgan mit Social-Media-Aufrufen zusätzlich Druck auf, auch wenn Behörden ermittelten. Dabei nutzte ihnen freilich ihre Reichweite auf den Plattformen: Dagi Bee zählt auf Instagram rund 6,5 Millionen Follower.

Doch auch Privatpersonen bitten die Öffentlichkeit immer wieder um Hilfe, um Täter zu fahnden. Fünf Fälle:

Erfurt: Fahrraddieb stellt sich nach YouTube-Video

Im Sommer 2010 meldete eine Frau einen Diebstahl in Erfurt: Auf der Magdeburger Allee habe jemand ihr Damenfahrrad entwendet. Fälle wie dieser kommen häufig vor, doch vergleichsweise selten wird der Täter gefasst. Doch hatte das Opfer in diesem Fall Glück: Die Überwachungskamera eines benachbarten Computerhändlers hatte die Tat gefilmt.

Der Ladeninhaber veröffentlichte das Video auf YouTube. Zu sehen war ein Mann. Er habe das Fahrradschloss mit einem Bolzenschneider durchtrennt und sei anschließend mit dem Rad weggefahren, schrieb die »Thüringer Allgemeine« .

Das Video ist nicht mehr online. Der Dieb stellte sich einige Wochen später der Polizei, samt dem gestohlenen Fahrrad. Die Ermittler äußerten sich damals nicht dazu, inwiefern das Video auf YouTube den Mann bewog, sich zu stellen.

Fahrraddiebstahl (Symbolbild)

Fahrraddiebstahl (Symbolbild)

Foto: Connect Images / Getty Images

Datenschützer hatten wegen der Überwachungskamera Bedenken geäußert, da diese auch den Gehweg, die Straße und die Häuserfront gegenüber dem Laden aufnahm. Die Polizei wiederum nahm eine CD mit den Aufnahmen an, um dem Hinweis nachzugehen.

Graz: Rotlichtbar fahndet mit 500 Euro »Kopfgeld«

Im geschäftigen Grazer Wohn- und Gewerbebezirk Jakomini befand sich bis vor wenigen Jahren die Rotlichtbar Carisma. Deren Betreiber meldete im Mai 2016 einen Diebstahl. Ihm seien ein Aktenkoffer und mehrere Kreditkarten aus einem Auto gestohlen worden, berichtete die »Kleine Zeitung Graz«.

Der Inhaber ließ Überwachungsvideos der Bar auswerten, verbreitete Fotos in seinen persönlichen Netzwerken und über die Facebook-Seite des Betriebs. Dazu versprach die Rotlichtbar 500 Euro »Kopfgeld« und drohte dem Dieb: »Wir möchten uns (sic!) kurz mit ihm unterhalten.«

Binnen weniger Stunden habe der Betreiber dank der Online-Hinweise den Namen, die Wohnadresse und sogar die frühere Schule des Verdächtigen gekannt, schreibt die »Kleine Zeitung«. Noch am Abend suchte er den 28-jährigen Mann mit Freunden zu Hause auf und verständigte die Polizei.

Die Belohnung habe der Betreiber dem Bericht zufolge dennoch nicht ausgezahlt. Es habe nicht den einen entscheidenden, sondern viele Hinweise gegeben. 2023 wurde ein Konkursverfahren gegen die verschuldete Carisma-Bar eröffnet. Sie ging insolvent.

Köln: Werkstattinhaber findet mutmaßlichen Einbrecher über Facebook

Diagnosegeräte, ein Computer, Werkzeuge und einen Fiat 500 Cabrio: All das soll ein Einbrecher 2019 in einer Werkstatt in Köln ergaunert haben. Darüber berichtete die »Bild«-Zeitung . Der Inhaber habe demnach auf Facebook um Hilfe gebeten und demjenigen 5000 Euro versprochen, der den mutmaßlichen Dieb auffinden könne – mit Erfolg.

»Aufgrund des Videos meldete sich ein Mann bei mir. Er führte mich zur Wohnung des Einbrechers«, sagte der Werkstattbetreiber der »Bild«. Dieser habe ihm einen Großteil der Beute zurückgegeben. Was mit den restlichen Gegenständen – dem Auto und dem Laptop – passierte, ließ der Bericht offen. Auch ist unklar, ob es zu polizeilichen Ermittlungen kam.

Taufkirchen an der Trattnach: Gestohlener Tambourstab kommt mit Kiste Bier zurück

Beim Musikverein Taufkirchen an der Trattnach in Oberösterreich verschwand 2024 bei einer Hochzeit ein Tambourstab, so etwas wie ein Taktstock. Wie die »Kronen Zeitung«  berichtete, veröffentlichte der Verein auf Facebook einen Suchaufruf. »Bitte, bitte bringt den Stab wieder zurück«, hieß es darin.

Noch am selben Tag lag der Stab dann wieder vor dem Musikheim, zusammen mit einer Kiste Bier als Entschuldigungsgeschenk. Unklar blieb, wer der Dieb war und wer den Stab mitgenommen und zurückgebracht hatte.

Magdeburg: Familie findet geklautes Auto wieder

Im August dieses Jahres brachen Diebe nachts in ein Haus in Magdeburg ein. Sie fanden einen Autoschlüssel und verschwanden, während die Eigentümer schliefen, mit dem Familienwagen.

Nächtlicher Autoklau (Symbolbild)

Nächtlicher Autoklau (Symbolbild)

Foto: vm / E+ / Getty Images

Die »Volksstimme«  berichtete, das bestohlene Ehepaar habe am nächsten Tag umgehend die Polizei kontaktiert. Die Schwiegertochter wollte aber zusätzlich Druck machen: Sie teilte ein Foto des Autos auf Facebook und bat um Hilfe.

Tatsächlich schrieb ihr kurze Zeit später jemand eine Nachricht: »Ich habe Ihr Auto gefunden.« Dem Finder sei das Auto in einer abgelegenen Straße aufgefallen.

Der Besitzer machte sich mit dem Ersatzschlüssel auf den Weg, der passte. Zum Dank erhielt der Finder eine persönliche Zeichnung. Der Bestohlene arbeitet als Karikaturist.