Alexander Schmitt, SPIEGEL:
»Was sagen Sie denn zum Wahlergebnis von gestern?
Mann:
»Herausragend, ja. Ich habe Blau gewählt, wie jeder vernünftige Mensch. Absolute Mehrheit, die wäre natürlich besser gewesen. Aber mal gucken, was da noch läuft. Was noch dabei rumkommt.«
Frau:
»Hier laufen so viele Dumpfbacken herum in Halberstadt. Das muss ich Ihnen sagen.«
Alexander Schmitt, SPIEGEL:
»Es ist der Tag nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Wir stehen in Halberstadt. Hier hat fast jeder zweite die AfD gewählt. Wir wollen wissen, was hat die Menschen hier bewegt und wie blicken sie auf das Wahlergebnis?«
Frau:
»Ich bin jetzt entsetzt und wir denken, hier wegzugehen. Wir bleiben nicht in so einem Land.«
Alexander Schmitt, SPIEGEL:
»Wo wollen Sie denn jetzt hin?
Frau:
»In ein anderes Bundesland. Mal gucken. Die denken nicht nach, die Menschen. Ich habe mich vorher schon mit etlichen unterhalten, die ich so kenne und habe herausgehört, was sie wählen wollen: Also AfD, da habe ich gedacht, das kann nicht sein. Auch junge Menschen.«
Mann:
»Ich glaube, die Menschen fühlen sich hier einfach immer noch zu wenig beachtet. Ich glaube, sie fühlen sich abgehängt und sehen eine Möglichkeit, es denen endlich mal zu zeigen, die das 30 Jahre gemacht haben. Ich glaube, eine politische Meinung im Sinne von Programmen haben die meisten nicht.«
Alexander Schmitt, SPIEGEL:
»Wie geht es denn mit dem Wahlergebnis von gestern?«
Frau:
»Beschissen. Man hat Angst, man hat Angst. Das sind nicht nur dumme Leute, die also nicht wissen, was sie tun. Das ist das, was am meisten aufregt.«
Mann:
»Mir geht es schlecht, ich habe wirklich Magengrummeln.«
Mann:
»Ich weiß nicht, was ich sagen soll vor der Kamera. Ich bin halt für Remigration. Nur die Straffälligen. Ich habe auch selber sehr, sehr viele ausländische Freunde. Und ich finde das auch gut so! Ich bin ein Freund von Kulturen. Schon allein wegen des Essens.«
Alexander Schmitt, SPIEGEL:
»Die AfD hat ihr Zweitstimmenergebnis im Vergleich zur letzten Wahl mehr als verdoppelt, die CDU mehr als halbiert. Viele Menschen, mit denen wir gesprochen haben, haben uns gesagt, sie sind schockiert über das Ergebnis, sagen aber auch, dass man der AfD jetzt eine Chance geben muss.«
Mann:
»Und die AfD sollte jetzt auch die Möglichkeit haben zu regieren und zu zeigen, ob sie es können oder ob sie es nicht können. Und wenn sie es halt nicht können, dann würden sie in fünf Jahren die Quittung bekommen und die Möglichkeit müssen die jetzt einfach haben.
Mann:
»Man müsste sich ja mit diesen Leuten mal richtig unterhalten und hören, was sie sagen. Die Brandmauer müsste weg.«
Mann:
»Ich habe gar keinen gewählt.«
Alexander Schmitt, SPIEGEL:
»Sie waren gar nicht wählen? Warum?«
Mann:
»Weil das Vertrauen verloren gegangen ist. Wen will man hier noch wählen? Wen will man hier noch vertrauen? Da wird doch bloß nur noch etwas versprochen, was nicht gehalten wird.«
Alexander Schmitt, SPIEGEL:
»Die AfD hat plakatiert mit dem Spruch: Alles ist möglich. Glauben Sie da wirklich dran?«
Mann:
»Ja, es ist tatsächlich … naja, nicht alles. Es ist vielleicht nicht alles möglich. Man sollte aber trotzdem mit dem Spruch vorangehen. Nur so ist die Menschheit groß geworden, sonst würden wir immer noch in einer wohnen. Es ist schon alles möglich. Ich musste mich schon sehr oft rechtfertigen, als Nazi beschimpfen lassen. Glauben Sie mir, ich habe schon alles durch. Jetzt kann ich mittlerweile hier stehen und stolz sagen: Ich bin Parteimitglied. Ohne dass ich mich dumm angucken lassen muss oder mich beleidigen lassen muss als Nazi oder sonst was. Ja, das ist schon gut. Ja.«