SpOn 15.10.2026
14:49 Uhr

Spritpreise: Tankrabatt durch Steuersenkung kommt laut Ökonomen nur teilweise an


Seit Anfang Oktober soll eine Steuersenkung das Tanken günstiger machen. Doch Wirtschaftsforscher sehen Lücken bei der Weitergabe. Die Mineralölbranche widerspricht und verweist auf den Weltmarktpreis.

Spritpreise: Tankrabatt durch Steuersenkung kommt laut Ökonomen nur teilweise an

Der Tankrabatt kommt zwei Wochen nach seinem Start nach Einschätzung von Wirtschaftswissenschaftlern nicht vollständig bei den Verbrauchern an. Berechnungen von Ifo und DIW sehen teils deutliche Lücken. Auch das Bundeskartellamt sieht keine vollständige Weitergabe. Die Mineralölbranche widerspricht.

Tomaso Duso, Wettbewerbsexperte am ‌Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), kommt zum Schluss, dass nur rund zwei Drittel der Steuersenkung von 16,7 Cent bei den Verbrauchern angekommen sind. »Seit dem 1. Oktober sind die Preise in Deutschland im Durchschnitt um 10 bis 11 Cent je Liter stärker gesunken als in Frankreich, wo es keinen Rabatt gibt«, sagt er. Zudem habe die Weitergabe inzwischen nachgelassen: Seit dem 8. Oktober liege sie im Schnitt nur noch bei 9 Cent.

Allerdings schränkt Duso ein, dass es für die Frage, wie gut der Rabatt weitergegeben werde, auch auf den Vergleichstag ankomme. Nehme man nicht den 30. September, sondern den 27. September, liege die Weitergabe bei über 80 Prozent. Die Beobachtung, dass sie nachlasse, bleibe aber bestehen.

Als Ursache für die ‌unvollständige Weitergabe vermutet Duso mangelnden Wettbewerb auf der Ebene der Raffinerien und des Großhandels. Die Steuersenkung komme zuerst dort an. »Ob sie weitergegeben wird, hängt vom Wettbewerb auf dieser Stufe ab«, sagte Duso. »Und dort gibt es deutliche Hinweise, dass der Wettbewerb schwach ist.« Das Bundeskartellamt ‌sollte seine Untersuchungen auf der Raffinerie- und Großhandelsstufe konsequent fortführen. »Denn der dortige mangelnde Wettbewerb ist nicht nur in Zeiten des Tankrabatts ein Problem«, sagte der DIW-Ökonom.

Mineralölbranche verweist auf höhere Weltmarktpreise

Das Ifo kommt auf etwas höhere Weitergaben – in der Zeitspanne vom 7. bis 13. Oktober bei Superbenzin der Sorte E10 13 Cent, bei E5 14,7 Cent und bei Diesel 13,5 Cent. Auch hier bleibt aber eine Lücke zu den 16,7 Cent Steuersenkung. Insbesondere am vergangenen Wochenende stellten die Münchner Wirtschaftsforscher geringe Weitergaben fest.

Auch das Bundeskartellamt sieht Defizite. »Die bisherigen Auswertungen deuten darauf hin, dass die Weitergabe der Steuersenkung schon auf Ebene der Raffinerien und des Großhandels zwar weitgehend, aber nicht ganz vollständig erfolgt ist«, sagt Präsident Andreas Mundt. »Bei Benzin ist die Lücke etwas größer als bei Diesel.« Für eine umfassende Bewertung sei es aber noch zu früh.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (En2x) widerspricht: »Die Steuersenkung wird von unseren Mitgliedsunternehmen, den Markentankstellen, in vollem Umfang weitergegeben«, sagt ein Sprecher. »Was beim Blick auf den reinen Tankstellenpreis oft unbeachtet bleibt: Die Weltmarktpreise für Kraftstoffe sind permanent in Bewegung. So ist der internationale Produktpreis für Benzin Super E10 seit dem 30. September um rund 5 Cent je Liter gestiegen. Das heißt, der Einkauf hat sich entsprechend verteuert.« Das spiegle sich auch in den Verbraucherpreisen wider. »Diese sind weiterhin zu jedem Zeitpunkt rund 17 Cent günstiger als ohne den Tankrabatt.«

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Sprit in Deutschland im EU-Vergleich teuer

Aktuell ist Super E10 gut drei Cent teurer als am ersten Tag des Tankrabatts. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter laut ADAC 2,146 Euro. Diesel ist minimal billiger als am ersten Tag des Tankrabatts – am Mittwoch wurden pro Liter 2,255 Euro fällig. Beide Preise haben sich in den vergangenen Tagen nur relativ schwach bewegt. Am Donnerstag zeigten Daten des Spritpreisportals Tankerkönig eine gegenläufige Entwicklung: Erste Werte bis zum Mittag deuteten auf einen Anstieg bei Diesel, aber sinkende Preise für Benzin hin.

Im europäischen Vergleich sind Kraftstoffe in Deutschland nach wie vor eher teuer, wie aus Daten der EU-Kommission mit Stand Montag hervorgeht. Auch mit Tankrabatt war der Durchschnittspreis für E10 der vierthöchste in der EU – deutlich hinter Dänemark, den Niederlanden und Finnland und knapp vor Frankreich. Der deutsche Dieselpreis war der sechsthöchste – deutlich hinter Finnland, Dänemark und den Niederlanden und einige Cent hinter Belgien und Frankreich.

Dennoch macht sich der Rabatt bemerkbar: Ende September hatte Deutschland bei E10 noch auf Platz drei der teuersten Länder gelegen, bei Diesel auf Rang vier.

mmq/dpa/Reuters