Forscher haben Hirnzellen auf einem Mikrochip beigebracht, das Computerspiel »Doom« zu spielen. Ein System aus 200.000 lebenden Zellen könne die Spielfigur in dem Ego-Shooter steuern, berichtet das australische Biotechnologieunternehmen Cortical Labs in einem Video bei Youtube . Das Ergebnis wurde bislang nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, unabhängige Experten sehen allerdings einen deutlichen Fortschritt gegenüber früheren Systemen.
»Doom« zählt zu den Klassikern unter den Computerspielen. Der erste Teil wurde im Jahr 1993 veröffentlicht. Darin nimmt der Spieler die Rolle eines Elitesoldaten ein und kämpft gegen feindliche Kreaturen. Das Spiel gehört zu einem der Ersten mit dreidimensionaler Grafik und wurde weltweit zu einem Erfolg.
Chip spielte bereits »Pong«
Für seinen Mikrochip züchtet Cortical Labs menschliche Hirnzellen aus sogenannten Stammzellen. In einer Art Petrischale wachsen sie zu zweidimensionalen Netzen zusammen. Ein Programm übersetzt die Informationen aus dem Computerspiel in elektrische Signale, die für die Zellen auslesbar sind. Über eine Schnittstelle können diese an den Mikrochip geschickt werden. Die Zellen verarbeiten sie und geben ein Ausgangssignal zurück. So kann die Figur im Computerspiel gesteuert werden.
Vor fünf Jahren trainierte das Unternehmen bereits einen Chip mit Hirnzellen in einem weiteren Spiel aus der Frühzeit der Computer, »Pong«. Bei »Pong« bewegt sich ein Ball über den Bildschirm, der Spieler muss ihn mit einem Schläger treffen. Damals hätten die Zellen anderthalb Jahre trainiert werden müssen, nun habe es wenige Tage gedauert, heißt es von Cortical Labs.
Noch kein Langzeitgedächtnis
Der Informatiker Andrew Adamatzky von der University of the West of England in Bristol sagte dem Wissenschaftsportal »New Scientist «, das Spiel »Doom« sei deutlich komplexer als »Pong«. Das Ergebnis zeige einen »echten Fortschritt, wie lebende neuronale Systeme kontrolliert und trainiert werden können«. Andere Forscher wenden ein , dass biologische Chips bislang kein Langzeitgedächtnis haben und Gelerntes daher schnell wieder vergessen würden.
Brett Kagan, Chefwissenschaftler von Cortical Labs, sagt: »Im Moment spielen die Zellen wie ein Anfänger, der noch nie einen Computer gesehen hat.« Das Unternehmen arbeite daran, wie es die Zellen auf dem Chip besser trainieren könne. Ziel sei es, dass dieser künftig »auch kompliziertere Aufgaben übernimmt«, sagt Kagan. Eine mögliche Anwendung ist die Steuerung von Robotern.
