SpOn 16.07.2026
17:22 Uhr

Steidl-Verlag aus Göttingen meldet vorläufige Insolvenz an


Seit Jahrzehnten vertreibt der Göttinger Steidl-Verlag die Werke von Günter Grass und anderen namhaften Autoren. Nun musste er vorläufig Insolvenz anmelden. Seit Monaten wurden Gehälter offenbar nur noch unzuverlässig ausgezahlt.

Steidl-Verlag aus Göttingen meldet vorläufige Insolvenz an

Der renommierte Steidl-Verlag aus Göttingen steckt finanziell in der Klemme. Das Amtsgericht Göttingen bestätigte, dass am vergangenen Freitag ein vorläufiges Insolvenzverfahren über das Vermögen der Steidl GmbH & Co. OHG eröffnet worden sei.

Vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Braunschweiger Rechtsanwalt Stefan Liese. Wie dessen Büro mitteilte, geht es unter anderem um unbezahlte Sozialabgaben. Nach den Worten des Göttinger Arbeitsrechtlers Sascha John, der nach eigenen Angaben den Großteil der Steidl-Mitarbeiter juristisch vertritt, sind noch mehrere Klagen offen. Zuvor hatten Medien berichtet.

1969 hatte der heute 75 Jahre alte Gerhard Steidl den Verlag gegründet. Dort erschienen zahlreiche Bücher bekannter Autoren, der Verlag hält seit 1993 die Weltrechte am Werk von Günter Grass. Dazu erschienen Fotobücher, das Programm versammelt laut Verlagsangaben »viele der renommiertesten zeitgenössischen Fotografen und Künstler«, darunter Karl Lagerfeld.

Gehälter offenbar monatelang nicht gezahlt

John sagte, er vertrete seit eineinhalb Jahren eine Vielzahl von Mitarbeitern des Verlages, weil »in erheblichem Maße« Geld nicht bezahlt oder verzögert bezahlt worden sei. Teils seien fünf oder sechs Monatsgehälter offen geblieben. Fast immer sei es auf Zwangsvollstreckung hinausgelaufen, dann seien Zahlungen erfolgt.

Noch immer sei ein mittlerer bis hoher fünfstelliger Betrag an Netto-Lohnforderungen offen. Er habe mehrere Dutzend Verfahren geführt. Der NDR zitierte Steidl mit den Worten: »Die Zeiten sind sehr schlecht für das Buchgewerbe.«

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Der Göttinger Rechtsanwalt Hasso Werk sagte, es gebe Gespräche mit möglichen Investoren, um das Unternehmen »in die nächste Generation zu führen«. Er berate den Verleger im Investorenprozess. Werk betonte, die Schuld, um die es gehe, sei »nach Angaben von Herrn Steidl beglichen«.

jpe/dpa