Die Kosten fürs Tanken sind im Tagesvergleich wieder gesunken – zum ersten Mal seit Beginn des Irankriegs. Superbenzin der Sorte E10 und Diesel waren im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs um 3,4 beziehungsweise 5,4 Cent pro Liter billiger als am Dienstag, wie der ADAC mitteilt.
Mit 2,011 Euro pro Liter war E10 allerdings immer noch gut 23 Cent teurer als am Tag vor Kriegsausbruch. Bei Diesel waren es mit 2,134 Euro pro Liter am Mittwoch sogar knapp 39 Cent mehr als vor Beginn der Angriffe.
Ein zentraler Treiber des Preisanstiegs der letzten Zeit waren die Rohölpreise, die in den vergangenen eineinhalb Wochen kräftig zugelegt hatten. Hintergrund ist, dass der Krieg die Straße von Hormus betrifft, durch die große Mengen an Rohöl, aber auch Flüssiggas transportiert werden.
Am Mittwoch haben Politik und Institutionen verschiedene Gegenmaßnahmen gegen die hohen Öl- und Spritpreise beschlossen. So hat die Internationale Energieagentur IEA angekündigt, dass die 32 Mitgliedsländer der Agentur 400 Millionen Barrel Rohöl aus ihren strategischen Reserven freigeben. Das ist mehr als je zuvor bei einer gemeinsamen Aktion.
Zudem hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Mittwoch angekündigt, dass Tankstellen in Deutschland nach Regierungsplänen bald wohl nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürften. Ob das etwas an den hohen Preisen ändert, ist unklar.
Die Spritpreise bewegen sich derzeit auf ähnlichen Niveaus wie in den ersten Monaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022. Von den Rekorden kurz nach dem damaligen Kriegsausbruch sind sie aber noch ein Stück entfernt. Zuletzt hatten sich die Anzeichen für eine Trendwende verdichtet: Im Tagesverlauf des Mittwochs waren E10 und Diesel bereits tendenziell billiger geworden.
Preisanstiege in Deutschland besonders hoch
Einer Auswertung der Monopolkommission zufolge sind die Spritpreise infolge des Irankriegs nirgendwo in der EU so sehr gestiegen wie in Deutschland. »Die aktuellen Daten der EU-Kommission zu den Kraftstoffpreisen in den 27 Mitgliedstaaten zeigen ein klares Bild: Deutschland ist beim Preisanstieg Spitzenreiter«, sagte der Vorsitzende des unabhängigen Beratungsgremiums der Bundesregierung, Tomaso Duso. Die Rechnung erfolgte den Angaben nach ohne Einbezug von Steuern und Abgaben.
Vergleiche man die Kraftstoffpreise an den Tankstellen ohne Steuern und Abgaben von dieser Woche mit der Woche vor Kriegsbeginn, liege der Dieselpreis in Deutschland um 44 Prozent höher. Im EU-Durchschnitt betrage der Anstieg dagegen 29 Prozent. Bei Benzin liege der Preisanstieg in Deutschland bei 29 Prozent, im EU-Durchschnitt dagegen nur bei 16 Prozent. »Zum Vergleich: Der zugrunde liegende Ölpreis ist im selben Zeitraum um 27 Prozent gestiegen«, sagte Duso.
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Die höheren Kraftstoffpreise seien in geopolitischen Krisen wie diesen zunächst vor allem auf gestiegene Ölpreise zurückzuführen. Duso sagte: »Dass die Preisanstiege in Deutschland deutlich stärker ausfallen als im europäischen Durchschnitt, ist ein Hinweis darauf, dass wir strukturelle Probleme im Mineralölmarkt anpacken müssen.«
Politiker mehrerer Parteien hatten zuletzt kritisiert, dass die Preise viel zu früh erhöht und Pendlerinnen und Pendler so »abgezockt« würden. Auch Tankstellenbetreiber übten Kritik an den Mineralölkonzernen. Auf die Preise an der Zapfsäule hätten die Pächter keinen Einfluss. Diese würden von den Konzernen gemacht. Den Frust der Autofahrer bekämen dann die Tankstellenpächter und ihre Angestellten ab.
