SpOn 05.08.2026
01:04 Uhr

USA kassieren Visum von Botschafterin aus Brasilien ein


Brasilien lässt sich Zeit, den neuen US-Botschafter in Brasília durchzuwinken. Das kommt in Washington gar nicht gut an. Dort setzt man auf diplomatische Eskalation.

USA kassieren Visum von Botschafterin aus Brasilien ein

Im Oktober wird in Brasilien gewählt. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hofft auf eine vierte Amtszeit (mehr hier). Auch ein Bolsonaro tritt zur Wahl an – dieses Mal allerdings Flávio, der Sohn des inhaftierten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro. Die US-Regierung macht aus ihrer Unterstützung für das Bolsonaro-Lager keinen Hehl. Gleichzeitig liefert sie sich einen diplomatischen Kleinkrieg mit der Lula-Regierung.

In der neuesten Wendung hat Washington der brasilianischen Botschafterin das Visum für die USA entzogen. Dies ist als Antwort auf den schleppenden Bestätigungsprozess für Daniel Perez zu verstehen, der seinerseits US-Botschafter in Brasília werden soll.

Zudem wurden zwei anderen hochrangigen US-Vertretern die Visa verweigert. Laut dem Lula-Lager gab es Befürchtungen, wonach sich die beiden Offiziellen in den Wahlkampf einmischen könnten. Washington spricht hingegen von einem »Routinetrip«.

Das US-Außenministerium erklärte ausdrücklich, dass Botschafterin Maria Luiza Ribeiro Viotti nicht zur »unerwünschten Person« erklärt werde und die Streichung des Visums »nicht mit einem Rauswurf der Person gleichzusetzen« sei.

Flávio Bolsonaro weniger populär als der Vater

Sobald die Personalie Perez bestätigt sei, könne man den Fall zu den Akten legen. Laut CNN  hat die Regierung in Brasília allerdings durchblicken lassen, dass vor den Wahlen nicht mehr mit einer Entscheidung zu rechnen sei. Üblicherweise wird die Zustimmung des Entsendungslandes frühzeitig eingeholt.

Die brasilianische Regierung wies die Entscheidung aus Washington scharf zurück und sprach von einer »Eskalation«. Der Vorgang mache klar, dass die USA Einfluss auf den Wahlkampf nehmen wollten.

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Flávio Bolsonaro, ältester Sohn des wegen eines versuchten Staatsstreichs zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro und rechter Senator, wurde vergangene Woche von der Liberalen Partei (PL) als Kandidat nominiert. Die Familie Bolsonaro pflegt enge politische Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump. Flávio gilt allerdings als weniger populär als sein Vater und kann bislang nicht auf die geschlossene Unterstützung des konservativen Lagers zählen.

Laut der jüngsten Umfrage des Forschungsinstituts Datafolha liegt der linke Staatschef Lula derzeit in der Wählergunst vor seinem Herausforderer. Deutlich dahinter liegen andere Kandidaten kleinerer Parteien.

jok