SpOn 13.08.2026
15:49 Uhr

Ukraine: Russland tötet so viele ukrainische Zivilisten wie zuletzt im Mai 2022


So viele zivile Opfer wie im Juli gab es in der Ukraine schon lange nicht mehr: Es waren mehr als 400. Dennoch halten Moskau und Kyjiw humanitären Kontakt und tauschten die sterblichen Überreste getöteter Soldaten aus.

Ukraine: Russland tötet so viele ukrainische Zivilisten wie zuletzt im Mai 2022

Im Juli sind durch russische Angriffe so viele ukrainische Zivilisten binnen eines Monats ums Leben gekommen wie seit Jahren nicht. Mindestens 437 Menschen seien in der Ukraine getötet und 2610 weitere Zivilisten verletzt worden, heißt es von der Uno-Menschenrechtsbeobachtermission. Das sei im Vergleich zum Juni ein Anstieg um 30 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresmonat Juli sogar eine Erhöhung um 70 Prozent. »Die Zahl der Getöteten ist die höchste, die seit Mai 2022 erfasst wurde«, heißt es .

Die tatsächliche Zahl der Opfer sei wahrscheinlich höher. Die Überprüfung von Todesmeldungen dauere an. In diesem Jahr habe sich die Zahl der Opfer von Monat zu Monat erhöht. Dabei habe es die ukrainische Hauptstadt Kyjiw im Juli besonders hart getroffen. Demnach seien dort 54 Menschen getötet und mehr als 200 weitere verletzt worden.

Grund seien die massiven russischen Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern, heißt es. Aber auch Drohnenschläge und Gleitbomben seien weiter eine große Gefahr für die Menschen. Die Ukraine beklagt seit Monaten, sich vor den intensivierten russischen Angriffen mit ballistischen Raketen nicht ausreichend schützen zu können, weil es an Raketen für das effektive Abwehrsystem vom Typ Patriot fehle.

Auch auf russischer Seite habe die Zahl der getöteten Zivilisten im Juli zugenommen, teilten die Uno-Beobachter mit. Russische Behörden hätten demnach 79 Tote und mehr als 600 Verletzte gemeldet. Nach Angaben der Mission sind die Zahlen schwer überprüfbar, weil der Zugang zu Informationen in Russland eingeschränkt sei.

Raffinerie in Orsk außer Betrieb

Auch die ukrainischen Angriffe auf Russland halten an. Nach einer Drohnenattacke hat eine Ölraffinerie in der russischen Stadt Orsk den Betrieb vollständig eingestellt. Die Reparatur der beschädigten importierten Anlagen könne ​wegen der Sanktionen bis zu sechs Monate dauern, erklärte der Gouverneur ⁠der ⁠Region Orenburg, Jewgeni Solnzew. Er warnte vor Kraftstoffengpässen für Autofahrer.

Raffinerie in Orsk vor der Drohnenattacke (Foto vom 07.04.2024)

Raffinerie in Orsk vor der Drohnenattacke (Foto vom 07.04.2024)

Foto: Sergey Nikiforov / globallookpress.com / picture alliance

Die Ukraine nimmt verstärkt russische Raffinerien ins Visier, ‌um die Treibstoffversorgung zu stören. Die ​Anlage in ‌Orsk hat eine Jahreskapazität von sechs Millionen Tonnen Rohöl. Laut dem ukrainischen Generalstab wurden auch eine Ölraffinerie und ein petrochemischer Komplex in der russischen Republik Baschkortostan angegriffen.

Trotz der gegenseitigen Angriffe gibt es noch verbliebene humanitäre Kontakte zwischen Moskau und Kyjiw. Vermittelt durch das Internationale Komitee des Roten Kreuzes fand ein Austausch von Soldatenleichen statt. Die sterblichen Überreste von 261 mutmaßlich Gefallenen seien Kyjiw übergeben worden, heißt es von ukrainischer Seite . Russland erhielt nach Angaben aus Moskau 24 Leichen zurück.

Hilfen aus Europa steigen an

Die Hilfen aus Europa für die Ukraine ziehen derweil an. Im Mai und Juni belief sich die Unterstützung auf rund elf Milliarden Euro, wie der Ukraine-Support-Tracker des Instituts für Weltwirtschaft (IfW)  in Kiel zeigt. In den Vormonaten März und April beliefen sich die Hilfen insgesamt auf knapp 6,7 Milliarden Euro. Von der nun bereitgestellten Unterstützung flossen dem Institut nach etwa 4,3 Milliarden Euro in militärische Hilfe und 6,7 Milliarden Euro in finanzielle sowie humanitäre Unterstützung. Die USA leisteten in diesem Zeitraum laut den Daten keine Hilfen.

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Den Großteil der Gelder stellte die EU über den neuen »Ukraine Support Loan« bereit. Das Darlehen in Höhe von 90 Milliarden Euro soll den ukrainischen Haushalt und die Verteidigungsausgaben in den Jahren 2026 und 2027 sichern. Deutschland steuerte 700 Millionen Euro an Militärhilfen bei, heißt es.

esk/dpa/Reuters