SpOn 11.09.2026
10:22 Uhr

Ukrainekrieg: Orthodoxe Kirche sendet Reliquie aus dem Mittelalter an russische Truppen


Russland mobilisiert einen toten Großfürsten für den Krieg gegen die Ukraine. Seine Knochenfragmente sollen den Kampfgeist von Putins Armee stärken. Dafür spart die orthodoxe Kirche nicht bei der Inszenierung.

Ukrainekrieg: Orthodoxe Kirche sendet Reliquie aus dem Mittelalter an russische Truppen

Mit jahrhundertealten Knochen versucht die orthodoxe Kirche, die Moral der russischen Soldaten an der Front in der Ukraine zu heben. Als jüngste Geste der Unterstützung für den Krieg von Präsident Wladimir Putin sendete die Kirche Knochenfragmente eines mittelalterlichen Großfürsten in die Ostukraine und erklärte, die Reliquie werde die Soldaten »geistig stärken«.

Am Dienstag wurde die Reliquie zunächst zum Kriegsdenkmal Sawur-Mohyla in der von Russland besetzten Region Donezk in der Ukraine gebracht. Dort hielten hochrangige orthodoxe Geistliche gemeinsam mit Vertretern des russischen Militärs einen Gebetsgottesdienst ab.

Kirchenvertreter sehen glücklichen Zufall

Der Sarkophag des Großfürsten Dmitri Donskoi, der 1389 starb und von russischen Nationalisten dafür verehrt wird, dass er 1380 in der Schlacht von Kulikowo die mongolische Goldene Horde besiegte, wurde diesen Sommer bei Restaurierungsarbeiten in der Moskauer Erzengelkathedrale im Kreml freigelegt.

Im August begutachtete Putin persönlich die offenbar gut erhaltenen Überreste des Fürsten und lobte sie als »eine absolut einzigartige und wunderbare Entdeckung«, die die Grundlagen der russischen Geschichte stärke.

Russlands Präsident Wladimir Putin begutachtet Überreste des Großfürsten Dmitri Donskoi

Russlands Präsident Wladimir Putin begutachtet Überreste des Großfürsten Dmitri Donskoi

Foto:

Vyacheslav Prokofiev / Sputnik Kremlin / AP / dpa

Donskois Reliquien wurden am Wochenende in einer großen orthodoxen Prozession durch die Straßen Moskaus getragen. Russische Militär- und Kirchenvertreter haben den Fund als glücklichen Zufall dargestellt, der den russischen Streitkräften in der Ukraine helfen könne, wo sich der zermürbende Krieg nun bereits im fünften Jahr befindet.

Inszenierung eines Heiligen

Im Zweiten Weltkrieg wurde eine von der Kirche finanzierte sowjetische Panzerkolonne nach Donskoi benannt. Zudem wurde der Großfürst 1988 von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen.

Kritiker werfen der Kirche jedoch vor, gegen religiöse Vorschriften zu verstoßen, um dem Kreml zu gefallen. Zudem wurde hinterfragt, warum die Überreste von Donskoi, deren Fundort seit Jahrzehnten allgemein bekannt war, erst jetzt, 38 Jahre nach seiner Heiligsprechung, geborgen und verehrt wurden.

Diese Reliquie soll Soldaten entlang der Frontlinie gezeigt werden

Diese Reliquie soll Soldaten entlang der Frontlinie gezeigt werden

Foto:

Dmitry Yagodkin / ZUMA Press / IMAGO

Das Moskauer Patriarchat der russisch-orthodoxen Kirche erklärte: »Ein Fragment der rechten Hand des Großfürsten – genau jene rechte Hand, mit der er auf dem Kulikowo-Feld sein Schwert schwang – wurde an die Front geschickt, um den Kampfgeist der Soldaten zu stärken.«

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Die in einem kleinen, verzierten Schrein unter gehärtetem Glas aufbewahrte Reliquie soll russischen Kampfeinheiten entlang der mehr als 1000 Kilometer langen Frontlinie gezeigt werden. Die sorgfältig inszenierte Aktion, seine sterblichen Überreste für eine PR-Maßnahme zur Stärkung von Patriotismus und Moral zu nutzen, findet im Vorfeld der Parlamentswahlen später in diesem Monat statt.

Mehr zu dem Toten, den Putin für seinen Krieg auferweckt, und wie das russische Publikum auf diese Inszenierung reagiert, lesen Sie hier .

jmm