SpOn 04.10.2026
13:32 Uhr

Vorwahlen USA in Georgia: KI legt offenbar offen, wie Bürger abgestimmt haben


Ein Forscher behauptet, er könne mithilfe von künstlicher Intelligenz nachvollziehen, wie einzelne Wähler in Georgia bei den jüngsten Vorwahlen abgestimmt haben. Der Wahlausschuss traf sich deswegen nun zu einer Dringlichkeitssitzung.

Vorwahlen USA in Georgia: KI legt offenbar offen, wie Bürger abgestimmt haben

Ein Forscher der Universität Princeton hat eigenen Angaben zufolge offengelegt, dass eine Schwachstelle im Wahlsystem von Georgia, USA, durch künstliche Intelligenz systematisch ausgenutzt werden kann. Der im vergangenen Monat von Max Springer vom Center for Information Technology Policy in dessen Blog veröffentlichte Beitrag  zwang jetzt sogar den Wahlausschuss des US-Bundesstaats zu einer Dringlichkeitssitzung.

Springer behauptet, bei den jüngsten Vorwahlen bei 98,9 Prozent der Stimmen in ausgesuchten Bezirken nachvollziehen zu können, in welcher Reihenfolge diese abgegeben wurden. Dies sei ihm durch die Verknüpfung von KI mit den öffentlich einsehbaren Wahlnachweisen gelungen.

Teilweise sei es in einem weiteren Schritt dann möglich, herauszufinden, welche Person einen bestimmten Stimmzettel abgegeben habe, sodass sich identifizieren ließe, wie diese gewählt habe. »Das Wahlgeheimnis ist völlig verloren«, schreibt Springer dazu.

Der Forscher begründet dies mit der seiner Ansicht nach unzureichenden Art und Weise, wie diese Stimmen zuvor anonymisiert worden seien. In Georgia ist die Stimmabgabe komplex, wie der britische »Guardian« berichtet : Die Wähler treffen ihre Auswahl an Touchscreen-Wahlmaschinen, die wiederum Papierstimmzettel ausdrucken. Diese gelangen in Scanner, wo sie letztlich ausgezählt werden.

Stimmzettel sollen zufällige Nummer bekommen – aber ist das wirklich so?

Bei der Eingabe dort wird für jeden Stimmzettel ein anonymisierter digitaler Nachweis erstellt, der auch Informationen darüber enthält, wofür votiert wurde, ebenso wie eine scheinbar zufällig vergebene Nummer. Der Nachweis ist auf Anfrage verfügbar – gerade auch, weil so die Wahlergebnisse unabhängig überprüfbar sein sollen, ohne das Wahlgeheimnis zu brechen. Für seinen Test besorgte sich Springer eigenen Angaben zufolge diese Nachweise aus einigen Stimmbezirken.

Allerdings, so führt Springer nun aus, sei die Nummer eben nur scheinbar zufällig vergeben, tatsächlich aber gar nicht so sehr. »Wenn ich ein Kartenspiel mischen würde, indem ich nacheinander die obersten Karten nehme und sie in die Mitte lege, und dann laut verkünde, wie ich mische: Dann könntest du es gegen mich in einem Blackjack-Spiel leicht haben.« Durch den Einsatz von KI-Agenten sei es ihm dann in vielen Fällen leicht gefallen, den Algorithmus zu knacken und herauszufinden, in welcher Reihenfolge die Stimmzettel von Vor-Ort-Wählern eingegangen seien – und zwar von jenen 98,9 Prozent der Stimmen in 114 von 139 untersuchten Countys. Dies entspreche 1,5 Millionen Stimmabgaben.

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Und die KI konnte seinen Angaben zufolge noch mehr leisten – sie machte sich nämlich auf die Suche, welche Person wann ein Wahllokal betreten haben könnte, sodass Abgabezeit und Wähler miteinander übereinstimmten. Dafür nutzte sie unter anderem die von den Helfern vor Ort erstellten Wahlprotokolle.

Besonders leicht fiel die Verknüpfung von Wählern mit Stimmzetteln Springers Angaben zufolge immer dann, wenn vergleichsweise wenig los war. Etwa in eher kleinen Stimmbezirken und bezogen auf Wähler, die ihre Stimme schon einige Tage vor der Wahl abgaben: Im Heard County, einem der kleinsten Bezirke Georgias, sei es zum Beispiel bei der Mehrheit der 650 Early Voters gelungen.

Springers Experiment wird in Georgia offenkundig ernst genommen: Der »Guardian« sowie das regionale Rechercheportal »The Current«  berichten übereinstimmend über eine Dringlichkeitssitzung des Wahlausschusses in dieser Woche. In dieser sei erörtert worden, wie KI es erleichtert habe, Wähler über die Codierung ihres Stimmzettels zu identifizieren.

Verwiesen wurde in dessen Verlauf auch darauf, dass Georgias Innenminister Brad Raffensperger mittlerweile die Schwärzung der Nummern auf den Wahlnachweisen angeordnet habe, was den Fehler »wesentlich behebe«. Auf ein händisches Mischen der Stimmzettel, ehe sie in den Scanner gelangen, konnten sich die Mitglieder des Gremiums jedoch nicht einigen.