Ein Paradies kann sich schlagartig in eine Hölle verwandeln. Oftmals ist der Grund dafür eine Naturkatastrophe. Und nicht selten kommen menschlicher Leichtsinn und großes Pech erschwerend hinzu. Ein Beispiel dafür sind die Wald- und Buschbrände, die sich Anfang 2025 in Los Angeles an der US-Westküste ereigneten und die schwersten in der Geschichte der Stadt werden sollten. Am meisten betroffen von dem Feuerinferno war eine von vielen als paradiesisch empfundene Küstenregion im Norden der Metropole: die Santa Monica Mountains. Hier sind die Stadtteile Pacific Palisades, Malibu und Topanga, die zu den begehrtesten und teuersten Lagen gehören. Direkt am Strand und in den Hügeln mit Meerblick wurden nach und nach immer mehr opulent ausgestattete Anwesen der Reichen und Mächtigen gebaut. Viele Stars der nahen Traumfabrik Hollywood hatten hier ihre Refugien. Ein Paradies mit einem großen Haken: Denn nicht nur ist die Region akut erdbebengefährdet, auch ist die Gefahr für Wald- und Buschbrände hoch. An dieser Stelle zwar teils imposante, aber meist in amerikanischer Leichtbauweise zusammengezimmerte Holzgebäude in teils geringem Abstand zueinander und von Bäumen umsäumt zu errichten, zeugt von Optimismus – oder vielmehr von Leichtsinn. Ab dem 7. Januar 2025 sollte sich dies rächen, als im Norden von LA das verheerende „Palisades Fire“ ausbrach und im Osten mit dem ebenso schlimmen „Eaton Fire“ und im Süden mit dem „Sunset Fire“ weitere Brandherde dazukamen. Nicht nur war die sonnige Region zu dieser Zeit knochentrocken, seit acht Monaten hatte es fast gar nicht mehr geregnet, auch gab es zu dieser Zeit orkanartige Windböen von bis zu 129 km/h. Ein doppeltes Pech in fataler Kombination, gegen das die Feuerwehr trotz Großaufgebot und Dauereinsatz kaum etwas ausrichten konnte: Geradezu explosionsartig breiteten sich die Brände aus, immer weiter fraßen sich die Flammen durch die Landschaft und vernichteten alles, was in ihrem Weg lag. Der Abendhimmel von Los Angeles war zu dieser Zeit feuerrot gefärbt, dicke Rauchschwaden lagen über der Stadt – ein Bild wie aus der Hölle. Dutzende Menschen kamen ums Leben, mehr als 100.000 Einwohner wurden mit Evakuierungsanordnungen angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. Zehntausende Gebäude wurden zerstört – und das waren nicht nur Luxus-Villen von Filmstars, sondern, vor allem weiter landeinwärts, eine weitaus größere Zahl von Wohnungen und Häusern von „Normalbürgern“. Am 10. Januar 2025 berichtete WELT auf der Titelseite, dass sich die Brände nun auch auf Hollywood ausgebreitet hatten. In den Hollywood Hills oberhalb des Zentrums der US-Filmindustrie loderten die Flammen, nachdem dort der nächste Wald- und Buschbrand ausgebrochen und schnell außer Kontrolle geraten war. Das „Sunset Fire“ wütete direkt über dem Hollywood Boulevard und seinem berühmten Walk of Fame. Auch die beiden noch größeren Brände an den östlichen und westlichen Flanken von Los Angeles breiteten sich weiter aus und waren außer Kontrolle. Eine sichelförmige Flammenwand nahm Los Angeles immer stärker in die Zange, wie es sogar vom Weltraum aus sichtbar war. Mindestens sechs Waldbrände brannten jetzt in der Umgebung der US-Westküstenmetropole. Bürgermeisterin Karen Bass sprach von dem größten Feuersturm. „Wir stehen vor einer historischen Naturkatastrophe“, sagte der Chef des Zivilschutzes des Los Angeles County, Kevin McGowan. Präsident Joe Biden sagte seine Italien-Reise ab und erklärte die Brandregion zum Katastrophengebiet, um Bundeshilfe zu beschleunigen. Die Feuerwehr von Los Angeles ordnete nach den Evakuierungen im Norden und Osten auch für Teile Hollywoods entsprechende Maßnahmen an. Betroffen war das Gebiet zwischen dem Hollywood Boulevard im Süden, dem Mulholland Drive im Norden, dem Freeway 101 im Osten und dem Laurel Canyon Boulevard im Westen – alles ikonische Adressen der Film- und Musikindustrie. Zwischen den Flammen und dem weltberühmten weißen Hollywood-Schriftzug (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article246264904/Hollywood-Als-eine-vollbusige-Cartoon-Figur-auf-dem-Wahrzeichen-posierte-reichten-Anwohner-Klage-ein.html) und dem Griffith-Observatorium weiter oben in den Hügeln lag nur noch der 101 Freeway. Auf der Westseite von Los Angeles brannte das Palisades-Feuer derweil Tausende Hektar Land und Gebäude nieder. „Wir sind natürlich untröstlich, aber mit der Liebe unserer Kinder und Freunde werden wir das überstehen“, zitierte WELT den Filmstar Billy Crystal und seine Frau Janice, als sie bekannt gaben, dass das Haus im Nobelstadtteil Pacific Palisades, in dem sie seit 1979 lebten, durch die Flammen zerstört wurde. Etliche weitere Prominente wie der Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill aus den „Star Wars“-Filmen (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article254745266/Star-Wars-Die-Ur-Trilogie-war-fuer-George-Lucas-ein-enormer-Kraftakt.html) mussten ihre Häuser verlassen und flüchten, worüber viel berichtet wurde. Die zahllosen weiteren tragischen Schicksale von Nicht-Prominenten, von „Normalos“, die ihr ganzes Hab und Gut verloren, gerieten da manchmal fast zur Randnotiz. Auch die deutschen Kulturstätten Villa Aurora und das Thomas-Mann-Haus im Stadtteil Pacific Palisades, die einstigen Zufluchtsstätten der Schriftsteller Lion Feuchtwanger und Thomas Mann (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/article691f0ce876d3bd8e531d14e0/bbc-sendungen-haetten-sie-thomas-mann-zugehoert-waere-den-deutschen-viel-unglueck-erspart-geblieben.html) im Exil vor den Nationalsozialisten, waren vom Feuer umzingelt. Tagelang war das Schicksal der Villa unklar, am Ende kam das Aufatmen: Das Gebäude stand noch. Allerdings waren umfangreiche Arbeiten zur erneuten Instandsetzung erforderlich, darunter die Beseitigung von Rauchschäden in den Innenräumen, eine eingehende Prüfung der Baustabilität und die Befreiung des Gartens von Brandschäden. Ganz ähnlich war es an der Getty-Villa, der die Flammen bedrohlich nah kamen, die aber stehenblieb. Auf zahllosen anderen Grundstücken war nichts mehr zu retten, hier gab es nur noch verkohlte Trümmer und Asche. Weite Areale boten ein apokalyptisches Bild. Den ganzen Monat wüteten die Brände weiter, erst am 31. Januar 2025 waren sie unter Kontrolle. Auf weiten Flächen ist immer noch gähnende Leere Der Wiederaufbau nach der Katastrophe ist eine Mammutaufgabe, die bis in die Gegenwart andauert. Zunächst wurden die betroffenen Areale geräumt, wobei durch die Umweltbehörden toxische Stoffe beseitigt werden mussten, die sich in den Trümmern befanden und teils ins Erdreich eingedrungen waren. Straßen, Strom- und Wasserleitungen wurden repariert, dann die Baugenehmigungen für neue Gebäude erteilt. Hunderte Häuser sind seither im Entstehen. Doch auf weiten Flächen ist immer noch gähnende Leere und Stillstand. Bis die betroffenen Areale wieder vollständig bebaut sind, wird noch einige Zeit vergehen. Aber ob die Region mit moderneren Gebäuden dann wieder ihren alten Charme entfalten wird, ist ungewiss. Wie die Brände ausbrachen und ob insbesondere das „Palisades Fire“ vorsätzlich gelegt wurde, ist umstritten. Ein Tatverdächtiger wurde im Oktober 2025 festgenommen. In einem ersten Verfahren gegen ihn konnte sich die Jury nicht einigen. Die Staatsanwaltschaft will den Fall erneut vor Gericht bringen. Liebe Leserinnen, liebe Leser, damit endet unsere 80-teilige Serie zu 80 Jahren WELT (verlinkt auf https://www.welt.de/geschichte/80-jahre-welt/) . Bleiben Sie uns gewogen – auf die nächsten 80 Jahre! Zu den Themenschwerpunkten von Martin Klemrath (verlinkt auf https://www.welt.de/autor/martin-klemrath/) bei WELTGeschichte zählen Technikgeschichte, Zeitgeschichte, (Pop-)Kulturgeschichte und die Geschichte der USA.