Gut ein halbes Jahr, nachdem ein Wolf in einem Hamburger Einkaufszentrum für eine verletzte Frau und tagelange Schlagzeilen gesorgt hat, ist im Westen der Hansestadt möglicherweise erneut ein Tier gesichtet worden. Es lägen „mehrere Meldungen über mutmaßliche Sichtungen eines Wolfes im Bereich des Klövensteen“ vor, teilte die Umweltbehörde mit. Das Wald- und Naherholungsgebiet liegt an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein. Man nehme die Hinweise sehr ernst, werte vorliegendes Bild- und Spurenmaterial aus und beobachte die Lage vor Ort, hieß es. Ein gesicherter Nachweis, dass es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, stand noch aus. Die Bürger wurden vorsorglich aufgefordert, bei Begegnungen mit einem Wolf oder einem wolfsähnlichen Tier Ruhe zu bewahren und Abstand zu halten. „Nicht versuchen, sich dem Wolf zu nähern, ihn zu verfolgen oder zu füttern“, hieß es. Zudem wurde empfohlen, nicht wegzulaufen, sondern sich bei Bedarf durch lautes Sprechen oder Klatschen bemerkbar zu machen. Hunde sollten im Klövensteen und angrenzenden Gebieten „unbedingt an der kurzen Leine geführt werden“, empfahl die Behörde. Ferner sollte im Falle einer Sichtung das Wolfsmonitoring der Behörde über die E-Mail-Adresse wolfsberatung@bukea.hamburg.de oder die Telefon-Notfallhotline 0174 6330335 informiert werden. Ende März war ein Wolf aus dem Hamburger Westen bis zur Binnenalster in der Innenstadt gelaufen. Zuvor hatte sich das Jungtier in eine Einkaufspassage in Altona verirrt und dort nach Behördenangaben in Panik eine Frau verletzt. Seine ungewöhnliche Tour quer durch die Stadt endete schließlich am Jungfernstieg, wo die Polizei den Wolf einfing. Anschließend wurde das Tier mit einem Sender versehen und in Niedersachsen wieder ausgewildert. Wenige Wochen später rissen die Funksignale ab. Die Umweltbehörde geht inzwischen davon aus, dass der Wolf tot ist. Dass Wölfe Hamburg erreichen, ist längst keine Ausnahme mehr. Seit 2013 wurden im Stadtgebiet mehr als 20 Wolfsnachweise bestätigt. Meist handelt es sich nach Angaben der Umweltbehörde um einzelne Tiere, die auf der Suche nach einem eigenen Revier durchziehen und dabei auch den Stadtrand streifen.