Der Musiker, Sänger und Aktivist Danger Dan hat über eine frühere Liebesbeziehung zu einem Mann und seine sexuelle Orientierung gesprochen. „Ich habe mich zwar nie als besonders hetero erlebt, aber auch nicht als schwul oder bi. Mir war sowas immer recht schnurz“, sagte der 43-Jährige dem „ Tagesspiegel (verlinkt auf https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/danger-dan-uber-sein-neues-album-ich-habe-mich-nie-als-besonders-hetero-erlebt-16091604.html) “. Auf seinem neuen Album „Keine Angst“, das am 2. Oktober erscheint, singt er unter anderem über die Beziehung zu seinem Ex-Freund. Angesichts von Bedrohungen queerer Veranstaltungen durch Islamisten und Nazis sei nun der richtige Zeitpunkt für ein schwules Liebeslied: „Ich solidarisiere mich nicht nur mit euch, sondern ich bin einer von euch.“ Die darin thematisierte Beziehung habe er – verglichen mit seinen heterosexuellen Beziehungen – nie wirklich gleichwertig behandelt, sagte der Musiker jüngst auch bei einem Auftritt am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Görlitz. Er habe seinem Ex-Freund ein Liebeslied geschuldet. „Wenn man so will, ist es mein rückwirkendes Coming-out gerade“, so Danger Dan (bürgerlicher Name: Daniel Pongratz) bei der Veranstaltung vom vergangenen Samstag. Auf Nachfrage hin sprach der 43-Jährige im Interview auch über sein Engagement gegen Rechts, und seinen umstrittenen Song „Keine Angst“. Der Titel war eigentlich für die 100. Sendung des Satireformats „Die Anstalt“ im Juli 2026 geplant gewesen, die sich mit der politischen Radikalisierung in Deutschland befasste. Es benennt mögliche Aktionen gegen rechtsextreme Kräfte und endet mit „lieben Grüßen“ an vier teils rechtskräftig verurteilte linksextreme Gewalttäter. Wegen „Keine Angst“ wurden Danger Dan und sein Begleiter, der Pianist Igor Levit, dann ausgeladen. Auch WELT hatte berichtet (verlinkt auf https://www.welt.de/regionales/rheinland-pfalz-saarland/article6a59d5ea61b8a80211aa9233/danger-dan-contra-zdf-ein-songtext-und-seine-folgen.html) . Der Eklat war am vergangenen Freitag auch Thema bei einer Sitzung des ZDF‑Fernsehrats. Mitglieder des Gremiums hatten bereits im Sommer in einem offenen Brief gegen die Entscheidung protestiert. (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6a5a630b61b8a80211aa9f63/danger-dan-mutlos-satiresendung-die-anstalt-stellt-sich-gegen-zdf.html) Nun warfen sie ZDF-Intendant Norbert Himmler erneut Mutlosigkeit vor, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Die „komplett blöde Hufeisentheorie“ und der Unterschied zwischen Nazi und Antifa Die Interviewer des Berliner „Tagesspiegels“ fragen jetzt noch einmal konkret nach den umstrittenen Passagen des Titels: „Im Song fordern Sie, man solle gegen Nazis ‚delinquent‘ werden, beispielsweise private Daten über sie verteilen – auch politische Gewalt schließen Sie nicht aus. Wo verläuft für Sie die Grenze\u0002zwischen legitimem Widerstand und einer Straftat?“, heißt es in der Frage. Er schließe es „komplett“ aus, „politische Ideen mit Gewalt durchzusetzen“, lautet die Antwort des Musikers. Dann führt er aus: „In dem Lied geht es um Selbstverteidigung, und hier gibt es eine klare juristische und eine moralische Grenze. Die müssen nicht auf der gleichen Linie verlaufen.“ Aktuell habe er aber nicht „das Gefühl“, dass Deutschland ein „großes Problem“ damit habe, „dass Linke marodierend durch die Stadt laufen und Häuser anzünden oder Leute umbringen wollen“. Das lassen die beiden Interviewer vom „Tagesspiegel“ so aber nicht stehen und haken nach: „Selbst in der „Taz“ stand, dass Sie angesichts des Songtextes nicht merken würden, wie nah Sie damit jenen kommen, die Sie zu bekämpfen glauben.“ Der Künstler wehrt den Vergleich ab: „Das halte ich für eine komplett blöde Hufeisentheorie. Als ob ganz links und ganz rechts ungefähr dasselbe passieren würde und man sich dabei nahekommt.“ Und weiter: „Der entscheidende Unterschied ist, dass Nazis Leute umbringen wollen. Antifaschisten wollen das verhindern. Das kann man doch nicht miteinander vergleichen.“ Gefragt wird der Musiker und Aktivist dann auch noch nach dem internationalen Aufschwung rechter Parteien und Bewegungen. Ob individuelle Strategien dem noch etwas entgegensetzen könnten, heißt es im „Tagesspiegel“-Interview. „Ein paar Flyer vor der Wohnung eines Nazis werden den Rechtsruck sicher nicht aufhalten, und parteipolitisches Engagement allein erst recht nicht. Aber es gibt immer etwas, was die Leute vor Ort konkret machen können. Man muss den Rechtsruck nicht wie ein Naturgesetz behandeln, das man nicht aufhalten könnte“, antwortet Danger Dan. Persönlicher Schicksalsschlag: Dem Sänger droht die Erblindung Auf die Frage nach dem Ursprung seines Engagements wird der Künstler (gebürtig aus Nordrhein-Westfalen) dann noch einmal sehr persönlich: „Ich hatte eine Jugend in einer westdeutschen Kleinstadt, wo Nazis uns in unseren Wohnungen verprügelt haben. Jedes Wochenende hat es geknallt. Die Frage war oft, wen von uns ich am Montag im Krankenhaus besuche. Das ist also kein Phänomen, das sich auf den ländlichen Raum Ostdeutschlands begrenzt.“ In dem Interview spricht der 43-Jährige auch über seine fortschreitende Erblindung. Danger Dan leidet an der erblichen Augenkrankheit Retinitis pigmentosa. „Die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit kann, so bitter sie ist, daran erinnern, wie wertvoll jeder Augenblick ist“, sagte er. Die Diagnose sei ein Wendepunkt in seiner Biografie gewesen. Hinter der Bühne müsse ihm inzwischen häufig jemand mit einer Taschenlampe den Weg leuchten. Auf seinem Klavierhocker befinde sich ein neonfarbenes Kreuz, damit er erkennen könne, wo er sich hinsetzen müsse.