Welt 10.09.2026
15:10 Uhr

Der wahre Grund für Woltemades plötzliche Flucht


Nationalspieler Nick Woltemade wollte eigentlich in Newcastle bleiben. Doch dann gab es Ereignisse, die den Nationalstürmer umdenken ließen. Nun ist er in Turin und findet zunächst ähnliche Probleme vor.

Der wahre Grund für Woltemades plötzliche Flucht

Aus Sicht von Nick Woltemade (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/nick-woltemade/) glich der vergangene Sonntagabend einer Achterbahnfahrt. Eine halbe Woche nach der Ankunft bei seinem neuen Verein Juventus Turin saß der Stürmer beim prestigeträchtigen Duell mit der AC Mailand 75 Minuten auf der Bank, ehe ihn Trainer Luciano Spalletti (verlinkt auf https://www.welt.de/sport/fussball/article6a9a7b0c240b302c8a838ce3/juventus-turin-ob-er-will-oder-nicht-woltemade-wird-vom-neuen-trainer-direkt-gefordert.html) beim Stand von 0:1 aufs Feld schickte. In der Nachspielzeit holte der 24-jährige Deutsche den Freistoß heraus, den Teamkollege Federico Gatti zum viel umjubelten 1:1-Endstand versenkte. Wer nach Schlusspfiff aber überschwängliches Lob für den deutschen Nationalspieler erwartet hatte, wurde enttäuscht. Das Gegenteil war der Fall. Spalletti deutete an, dass sich an Woltemades Platz auf der Ersatzbank vorerst wohl nichts ändern werde. Woltemade müsse dafür zunächst das nötige Fitnesslevel erreichen. Im Sturm möchte der Juve-Coach weiter voll auf Randal Kolo Muani setzen. Droht Woltemade in Turin jetzt also das gleiche Schicksal, weswegen er Newcastle den Rücken kehrte? Am letzten Tag des Transferfensters hatten sich der Premier-League-Klub und Juve auf eine einjährige Leihe Woltemades geeinigt. Das Gehalt von sieben bis acht Millionen Euro pro Saison übernehmen laut „Sport Bild“ gänzlich die Turiner. Das Ziel des DFB-Stars ist klar: wieder deutlich mehr Spielminuten sammeln, als es zuletzt in England der Fall war. Jaissles Probleme mit Woltemade Die Gründe für Woltemades Last-Minute-Wechsel sind aber vielschichtiger. Der 23. August spielt eine entscheidende Rolle beim Juve-Deal: Am ersten Premier-League-Spieltag gegen den FC Liverpool (2:2) schmorte Woltemade 90 Minuten lang auf der Ersatzbank. Ein Umstand, der den Angreifer und auch dessen Management stark verärgert haben soll. Auch der Spielstil in dieser Partie, mit vielen langen Bällen und wenigen Kombinationen, soll Woltemade verwundert haben. Der 1,98 m große Stürmer begann zu zweifeln, ob er unter dem neuen Trainer Matthias Jaissle und dieser Spielweise überhaupt eine echte Perspektive bei den „Magpies“ hat. Der im Sommer vom saudi-arabischen Klub Al-Ahli gekommene deutsche Trainer soll mit Woltemades Saisonvorbereitung nicht zufrieden gewesen sein. Jaissle soll viel Luft nach oben gesehen haben und auch einem Abgang gegenüber nicht abgeneigt gewesen sein. Die Vereinsbosse teilten die Meinung des Trainers. Sie glaubten nicht daran, dass sich Woltemade noch durchsetzen würde. Und waren deshalb dazu bereit, ihn nach nur einer Saison schon wieder abzugeben. Deswegen soll Newcastle schon den Sommer über hinter Woltemades Rücken mehrere Wechselmöglichkeiten geprüft haben. Kontakt gab es unter anderem mit dem FC Barcelona oder Borussia Dortmund. Weil Woltemade selbst aber lange Zeit nicht zwingend wegwollte, wurde das Ganze nie konkret. Das änderte sich, als letztlich Juve anklopfte. 2,75 Millionen Euro Leihgebühr Am späten Abend des 31. August einigten sich alle Seiten auf die Leihe. Schon am nächsten Morgen hob Woltemade mit einem Privatflieger Richtung Turin ab und wurde noch am selben Tag offiziell vorgestellt. Juventus zahlte 2,75 Millionen Euro Leihgebühr an Newcastle, wo Woltemades Vertrag bis 2031 läuft. Durch Bonuszahlungen kann die Summe noch um rund eine weitere Million Euro steigen. Trainer Spalletti soll gegenüber Woltemade in den vergangenen Tagen klare Erwartungen zum Ausdruck gebracht haben: Der Offensivmann soll durch seine Größe noch mehr physische Qualität ins Juve-Spiel bringen, als Kopfballspieler präsent sein und zu vielen Abschlüssen im Strafraum kommen. Spalletti weiß aber auch, dass sein Zugang ein Spieler ist, der sich gerne fallen lässt und am Spielaufbau teilnimmt. Bei seiner Vorstellung in Turin (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/turin/) hatte Woltemade selbst „Technik und Spielverständnis“ als seine größten Stärken herausgestellt. Die nächste Gelegenheit, diese unter Beweis zu stellen, bietet sich für Woltemade am kommenden Sonntag. Dann trifft Juve am vierten Spieltag der Serie A auswärts auf Sassuolo.