Welt 11.10.2026
09:46 Uhr

Deutsche-Bank-Chef zu Reformen – „Müssen an Dinge ran, die uns natürlich alle lieb geworden sind“


Nicht ausreichend und zu langsam – Christian Sewing sieht die Reformen der Bundesregierung kritisch. Die hiesigen Unternehmen könnten auch von einer Reform des Kündigungsschutzes profitieren. Der Aufstieg der AfD sei zudem „brandgefährlich“ für Deutschlands Wirtschaft.

Deutsche-Bank-Chef zu Reformen  – „Müssen an Dinge ran, die uns natürlich alle lieb geworden sind“

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat die bisherigen Reformen der Bundesregierung als nicht ausreichend und zu langsam kritisiert. Aus seiner Sicht habe die schwarz-rote Koalition „schon erkannt, was zu tun ist“, sagte Sewing der „Bild am Sonntag“. (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/deutsche-bank-chef-sewing-wir-muessen-an-den-kuendigungsschutz-ran-6ac896106e0a564ee52ea035) Allerdings glaube er, dass sie „in der Umsetzungsgeschwindigkeit und auch in der Konsequenz“ besser werden müsse. „Und wir dürfen uns auch nicht immer auf Kompromisse einlassen“, mahnte der Vorstandschef von Deutschlands größtem Kreditinstitut. „Ich befürchte, wir müssen auch an Dinge ran, die uns natürlich alle lieb geworden sind: Das ist Kündigungsschutz“, sagte Sewing. Es sei nötig „in so einer schnelllebigen Welt, dass wir viel flexibler denken müssen“. Dies bedeute auch, dass Unternehmen die Möglichkeit bekommen, schneller zu reagieren. Der erste Schritt sei bereits gemacht worden „für ‌Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die über 180.000 Euro verdienen“, sagte Sewing. „Wir müssen das etwas weiter nach ‌unten ziehen.“ Wie weit, sagte er nicht. „Brandgefährliche“ Entwicklung durch AfD-Aufstieg Außerdem müsse die Regierung die „Bürokratie substanziell zurückfahren“. Sewing äußerte sich auch zur politischen Lage in Deutschland. Er sehe hier ein „erhebliches Risiko“ für den Wirtschaftsstandort. „Ob es Sachsen-Anhalt ist hinsichtlich der AfD, oder ob es die Vorgänge sind hier in Berlin: Das ist alles andere als wirtschaftsförderlich, und das ist alles andere als investitionsfreundlich.“ Die Entwicklung sei „brandgefährlich“. Reformen für Wachstum „aus der demokratischen Mitte heraus“ seien „die einzige Antwort“ auf Rechts- und Linksextreme in Deutschland. Der Chef der Deutschen Bank appellierte zudem an die Bundesregierung, keine Abstriche bei der Rentenreform zu machen. „Ob das Produkt Altersvorsorgedepot oder die gesamte Rentenreform, wie sie vorgeschlagen ist: Mein größtes Petitum an die Bundesregierung ist, sie genauso durchzusetzen, wie sie gekommen ist. Jede Verwässerung ist schwierig, darf nicht passieren.“ Aus Sewings Sicht könnte die Rente durch die Reform deutlich sicherer werden. „Da ist das Altersvorsorgedepot drin, da ist die Frühstartrente drin, da ist aber auch die kapitalmarktgedeckte Rente drin“, sagte er. Dies werde zur Folge haben, „dass wir endlich aus diesen reinen Umlagefinanzierungen rauskommen“. Dies berge die Chance, „dass wir einen hohen dreistelligen Betrag monatlich mehr an Rente erwirtschaften und unsere Rente auch im Staatsdefizit deutlich besser ausgestellt ist.“ Auch zum Tankrabatt äußerte sich der 56‑Jährige. Er sei „kein Fan“ von der Unterstützung. „Ich glaube nicht, dass uns der Tankrabatt auf Dauer helfen wird. Weil ich glaube, dass sich diese Situation, die wir im Mittleren Osten haben, nicht morgen erledigen wird. Wenn Sie sehen, was das monatlich kostet, wenn Sie sehen, wo wir sowieso schon in der Staatsschuldensituation sind, dann können wir nicht einfach immer obendrauflegen.“