Welt 11.10.2026
16:46 Uhr

Ehemals größte Pinguin-Kolonie der Welt kollabiert


Noch 2011 befand sich auf Zavodovski die weltweit größte Pinguin-Population. Seitdem ist die Zahl der Zügelpinguine dort um 63 Prozent eingebrochen. Doch eine andere Pinguinart trotzt dem dramatischen Trend.

Ehemals größte Pinguin-Kolonie der Welt kollabiert

Eine abgelegene Insel nahe der Antarktis hat ihren Titel als Heimat der weltweit größten Pinguin-Kolonie verloren. Eine neue Forschungsarbeit hat den rapiden Einbruch der Population vermessen und mögliche Ursachen untersucht. Zavodovski Island liegt weitab der Zivilisation im Südatlantik, etwas mehr als 1500 Kilometer nördlich der Antarktis. Die karge Vulkaninsel bleibt den größten Teil des Jahres über eisfrei – und bietet einen besonderen Lebensraum. Schon die ersten Entdecker im frühen 19. Jahrhundert berichteten von einem außergewöhnlichen Geruch der Insel, die als die „stinkendste Insel der Welt“ bekannt ist. Urheber sind hunderttausende Pinguine, die dort auf kaum 15 Quadratkilometern leben. Eine Untersuchung im Jahr 2011 zählte fast 600.000 Zügelpinguine sowie 90.000 Goldschopfpinguine. Damals war es die mit Abstand größte Pinguin-Kolonie der Welt. Doch das ändert sich rapide. Eine kürzlich im Fachjournal „ Current Biology (verlinkt auf https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(26)01186-3?_returnURL=https%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS0960982226011863%3Fshowall%3Dtrue) “ veröffentlichte Studie ergab einen massiven Einbruch der Population. Seit dem Jahr 2011 sei die Zahl der Zügelpinguine um zwei Drittel zurückgegangen, der schnellste Populationsverlust der Art weltweit. Die Insel liegt mehr als 2000 Kilometer entfernt von der nächsten permanenten menschlichen Siedlung. Forscher der British Arctic Survey segelten 15 Tage durch stürmische Gewässer, um sie zu erreichen. Von ihrem Base-Camp an der steinigen Küste aus überflogen sie das Gebiet mit Drohnen und nutzten Trackinggeräte, um die Menge der verbliebenen Pinguine abzuschätzen. Innerhalb von kaum 15 Jahren reduzierte sich allein auf Zavodovski Island die Zahl der Zügelpinguine um etwa 300.000 Individuen. Die weltweit größte Pinguin-Kolonie befindet sich nun demnach auf dem Kap Adare, einer ebenfalls weitgehend eisfreien Landzunge des ostantarktischen Festlandes. Die Forscher versuchten, die Ursache des starken Bestandsrückgangs zu rekonstruieren. Ortungsdaten hätten gezeigt, dass die Pinguine bevorzugt in kühleren Gewässern nordwestlich der Insel auf Nahrungssuche gehen. Dort würde sie antarktischen Krill erwarten, der den Großteil ihrer Nahrung ausmacht. Norman Ratcliffe, der die Expedition der British Arctic Survey leitete, sagte in einer Pressemitteilung (verlinkt auf https://www.bas.ac.uk/news/penguin-population-collapse-on-volcanic-island/) : „Das Problem ist jedoch, dass der Krill aufgrund der Erwärmung der Gewässer nach Süden in das Weddellmeer abgewandert ist. Die Meereisbedeckung im Süden sowie das Fehlen geeigneter Inseln für die Brut hindern die Zügelpinguine daran, ihrer Nahrungsquelle zu folgen.“ Die Vermutung wird durch eine weitere Beobachtung gestützt. In denen Jahren zwischen 2011 und 2016 sei die Population der ebenfalls auf der Insel ansässigen Goldschopfpinguine um 28 Prozent gewachsen. Seitdem ist deren Zahl auf einem stabilen Niveau geblieben. Im Gegensatz zu Zügelpinguinen haben Goldschopfpinguine ein breiteres Nahrungsspektrum und können auf alternative Beute wie Fische und Krebstiere ausweichen, wenn Krill seltener vorkommt. Ortungsdaten zeigten, dass sie weiterhin vorwiegend in wärmeren Gewässern nordöstlich der Insel auf Nahrungssuche gingen, wo sie ihren Speiseplan wahrscheinlich durch diese alternativen Nahrungsquellen ergänzten. Die Entwicklung hat massive Auswirkungen auf den Bestand der Zügelpinguine. Auf den South Sandwich Islands, zu denen auch Zavodovski Island gehört, leben etwa 30 Prozent der weltweiten Population. Den neuen Ergebnissen nach könnte diese Pinguinart somit bald auf die Roten Liste der bedrohten Arten gehören.