Alt-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu Solidarität und Mitmenschlichkeit aufgerufen. Mit Blick auf gesellschaftliche und technologische Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz betonte sie bei der Verleihung des Elisabeth-Preises der Caritas in Augsburg, dass es weiterhin Menschen für Menschen brauche: „Menschen, die Gefühle zeigen, die Empathie zeigen, die nicht nach der effizientesten Lösung suchen, sondern nach der Lösung, die für den anderen Menschen die beste ist.“ Merkel erhielt den Ehrenpreis des katholischen Wohlfahrtsverbandes für ihren Einsatz für Solidarität, Verantwortung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Gräben tiefer werden, ehren wir eine Haltung, die Brücken baut statt Mauern“, begründete der Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg, Markus Müller, die Wahl. Merkel warb eindringlich dafür, in der Gesellschaft Kompromisse auszuhandeln, Unterschiede auszuhalten und auf die Bedürfnisse aller Rücksicht zu nehmen. „Alle, die sich heute nach einfachen Antworten sehen, sollten sich ab und zu vor Augen führen, dass sie dann so gut wie nie recht bekommen. Weil die Menschen so verschieden sind, und wenn dann nur ganz wenige sagen, was richtig ist, dann haben all die anderen nicht mehr viel zu sagen. Das ist das Dumme.“ „Frau Merkel bekommt diesen Preis für ihren Einsatz für Solidarität, Verantwortung und ein respektvolles Miteinander. Frau Merkel bekommt diesen Preis also für das, wofür sie am meisten gehasst wird“, sagte Satirikerin Sarah Bosetti in ihrer Laudatio. Die Menschen hätten ihr sowohl die Losung „Wir schaffen das“ übel genommen als auch ein Kleid mit tiefem Ausschnitt, das sie einmal getragen hatte. „Letzteres war vielen wirklich sehr unangenehm, denn dadurch wurden sie daran erinnert, dass Frau Merkel kein Mann ist – ein Umstand, den sie zuvor mit aller Kraft zu verdrängen versucht hatten.“ „Wir haben es jetzt eine Weile mit einem Mann als Bundeskanzler versucht – ganz ehrlich: Hat nicht geklappt“, sagte Bosetti – und schlug Merkel als Spitzenkandidatin für die nächste Bundestagswahl vor. Die Adressierte sorgte später für Lacher, als sie mit Humor und Schlagfertigkeit auf die Laudatio der Kabarettistin reagierte. „Auch Satirikerinnen und Satiriker haben nicht immer die Kraft, Wünsche zur Realität zu bringen“, entgegnete Merkel. „Denn eine Kandidatur – das muss man hier sagen heutzutage, wo so viel Fake News verbreitet werden – eine weitere Kandidatur schließt sich aus.“