Welt 17.09.2026
11:22 Uhr

Karten, Puppen, Sensationen


Der zauberhafte, kluge Abend „Magic Hansa“ erweckt eine alte Tradition im Hansa-Theatersaal am Steindamm zu neuem Leben. Gastgeber Jan Logemann präsentiert eine illustre Gruppe von Spitzenmagiern, die mit elektrisierender Zauberei entzückt.

Karten, Puppen, Sensationen

Wer Gott gern schon mal begegnen mag, bevor er selbst das Zeitliche segnet, hat dazu aktuell im Hansa-Theatersaal Gelegenheit. Für persönliche Gespräche steht der Herr zwar auch dort nicht zur Verfügung, aber es ist interessant, ihn mal über das Zeitliche plaudern zu hören. Apropos ihn. Gott sieht zwar aus wie ein Mann, klingt aber eindeutig wie eine Frau. Was daran liegen könnte, dass er eine Kreation Suse Wächters ist, die Puppen auf eine liebenswerte Weise sprechend und spielend zum Leben erweckt. Wobei Suse Wächter vermutlich eine Kreation Gottes ist, der Puppen auf seine Weise … aber das führt zu weit. Sigmund Freud mischt munter mit Beim Abend „Magic Hansa“, der am Donnerstag seine Premiere feierte, trat Wächter mit weiteren Figuren in Erscheinung, die es in sich haben. Ein Hase eröffnete das Programm, Sigmund Freud leistete einen tragenden Beitrag. Moderiert aber wird der magische Abend vom Zauberer, Conférencier und Moderator Jan Logemann, der nicht nur all die anderen Spitzenzauberer ansagt, sondern der als einstiger Weltmeister der Kartenzauberkunst verblüfft und sich in die Karten blicken lässt, jedenfalls kartenoberflächlich, da muss man sich gar keine Illusionen machen. Für die unaufdringliche, sachdienliche musikalische Begleitung sorgt Oliwia Wilczewska mit eigenen, live gespielten Kompositionen. Überhaupt war dieser Abend angenehm entspannt und entschleunigend, klug und witzig sowie zauberhaft – in doppelter Bedeutung. Sebastian Nicolas, der sich mit Kartentricks ebenso gut auskennt wie sein Freund Logemann, entzückte mit magischen Manipulationen. Lucas Kaminski verblüffte mit einer außergewöhnlich stabilen Seifenblase, die eine magische Reise durch den Bühnenraum unternahm. Der charismatische Däne Mortenn Christiansen verbindet Comedy und Zauberei zu einem liebenswerten Spektakel. Das Hansa Theater hat mit Magie Geschichte geschrieben Überhaupt gibt es kaum einen geeigneteren Ort für eine Zaubershow als den traditionsreichen, nostalgischen Hansa-Theatersaal. In der Welt der Magie hat er Geschichten und Geschichte geschrieben: Hier standen Legenden wie Siegfried und Roy sowie Harry Houdini auf der Bühne. Auch der berühmte – historisch wegen seiner Rolle als Hitlers „Hofmagier“ umstrittene Kalanag – startete hier seine Nachkriegskarriere und trat bis zu seinem Tod 1963 im Hansa-Theater auf. Der absolute Show-Höhepunkt in „Magic Hansa“ ist der Auftritt von Raymond Crowe, der sich selbst als „Australia’s only Unusualist“ bezeichnet und seit drei Jahrzehnten an der Spitze der Zaubererwelt steht. Die Muggel im Publikum kamen aus dem Staunen nicht heraus, als Crowe einige seiner Paradenummern präsentierte, darunter das Schattenspiel zu Louis Armstrongs „What a Wonderful World“ und die Nummer, in der ein Sakko zum Leben erwacht und sich in eine verführerische, tanzwütige Dame verwandelt. Wer an diesem Abend übrigens aus dem Publikum auf die Bühne gebeten wird, hat dort nichts auszustehen, sondern wird respektvoll behandelt und Teil einer wunderbaren Schau. „Magic Hansa“ im Hansa-Theatersaal am Steindamm, Termine bis 11. Oktober