Julian Nagelsmann hört als Trainer der deutschen Nationalmannschaft auf. Vier Tage nach dem frühen WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay trat der 38-Jährige zurück. Sein Vertrag war eigentlich noch zwei Jahre bis zum Sommer 2028 gültig. Der Beschluss, dass es mit Nagelsmann nicht weitergehe, war bereits tags zuvor auf einer Krisensitzung in Frankfurt/M. gefasst worden. Dem Coach wurde jedoch angeboten, von sich aus zu gehen. Das tat er nun, wie der DFB (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/dfb/) am Mittag bestätigte. Nagelsmann war der zwölfte Bundestrainer der deutschen Fußballgeschichte. In einer Mitteilung hieß es: „Gesellschaftervertreter und Aufsichtsrat der DFB GmbH und Co. KG haben heute auf Vorschlag von DFB-Präsident Bernd Neuendorf einstimmig die sofortige Auflösung des Vertragsverhältnisses mit Bundestrainer Julian Nagelsmann (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/julian-nagelsmann/) beschlossen.“ Nagelsmann habe bereits am Vortag in einem vertraulichen Gespräch mit der Verbandsspitze darum gebeten, ihn nach der enttäuschenden WM von seinen Aufgaben zu entbinden. Die digitale Aufsichtsratssitzung am Freitagvormittag, in der über die Personalie endgültig entschieden wurde, dauerte nach WELT-Informationen unter 30 Minuten. Gleichzeitig gab der DFB bekannt, Verhandlungen mit Jürgen Klopp (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/juergen-klopp/) als Nachfolger aufnehmen zu wollen. In der Mitteilung heißt es wörtlich: „Er hat bereits seine grundsätzliche Bereitschaft zur Übernahme des Postens signalisiert.“ Nach dem Debakel gegen Paraguay hatte sich Klopp zu seinen Ambitionen noch nicht äußern wollen. Auf die Frage antwortete er diplomatisch: „Ich verstehe, dass mein Name genannt wird. Aber es ist nicht der Moment. Es gibt dazu nichts zu sagen.“ Der 59-Jährige ist seit Januar 2025 als Head of Global Soccer für die Red Bull GmbH tätig. Davor war Klopp als Trainer sehr erfolgreich bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Mit dem BVB wurde er deutscher Meister, mit Liverpool gewann er den englischen Titel und 2019 die Champions League. Derzeit ist er als Experte für MagentaTV bei der WM im Einsatz. Das sagte Nagelsmann zu seinem Aus „Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht“, sagte Nagelsmann in der Presseerklärung des Verbandes: „Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient.“ Nagelsmann hatte mit der DFB-Auswahl am Montag in der ersten K.-o.-Runde der WM mit 3:4 im Elfmeterschießen verloren. Unmittelbar nach dem Ausscheiden hatte Nagelsmann einen Rücktritt ausgeschlossen. „Ich bin keiner, der wegläuft“, hatte er im Stadion in Foxborough in den USA gesagt. Nun kam es anders. Die Abfindungen für Nagelsmann und seine Co-Trainer sollen nach Informationen von WELT bei unter sieben Millionen Euro liegen – auf diese Summe belief sich Nagelsmanns Jahresgehalt. Völler spricht über seine Enttäuschung Wie beim Vorrunden-Aus 2018 in Russland und 2022 in Katar verpasste das DFB-Team beim XXL-Turnier mit erstmals 48 Mannschaften in Amerika zum dritten Mal nacheinander die Runde der besten 16 Teams. Nagelsmann war mit dem erklärten Ziel angereist, die Nationalmannschaft bestmöglich zum Titel zu führen. Der ehemalige Bundesligatrainer (TSG Hoffenheim, RB Leipzig, FC Bayern München) hatte im September 2023 die Nachfolge von Hans-Dieter Flick angetreten. Seine ersten Länderspiele bestritt er dabei im Oktober 2023 ebenfalls auf einer US-Reise. Und in Foxborough leitete er damals sogar seine ersten Trainingseinheiten. Wenige hundert Meter von dem Übungsplatz entfernt erlebte Nagelsmann jetzt gegen Paraguay (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/paraguay/) seine bitterste Niederlage. „Nach dem für ausnahmslos alle enttäuschenden WM-Aus verdient Julians Entscheidung unseren Respekt“, sagte Sportdirektor Rudi Völler: „Weil er Verantwortung übernimmt, wo er gerne weiter gestalten würde, und die Nationalmannschaft als Ganzes über die eigene Person stellt.“ Natürlich habe man sich einen anderen Ausgang des Turniers und eine überzeugendere Leistung unserer Mannschaft gewünscht, führte Völler aus: „Aber Julian ist und bleibt ein exzellenter Trainer, und ich bin überzeugt, dass er seinen Weg weiter erfolgreich gehen wird. Ich bin Julian aufrichtig dankbar für die vertrauensvolle und freundschaftliche Zusammenarbeit.“ Über die Zukunft des Weltmeisters von 1990 äußerte sich der DFB nicht. Sport-Geschäftsführer Andreas Rettig hingegen wird seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag aus persönlichen Gründen nicht verlängern. Hierüber habe er den DFB-Präsidenten bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft informiert. Red Bull dürfte eine Ablöse fordern Nun muss eine Lösung mit Klopp gefunden werden. Der DFB hat dafür ein wenig Zeit. Das erste Länderspiel der deutschen Mannschaft nach der WM findet am 24. September in den Niederlanden zum Start in die Nations League statt. Weitere Gruppengegner bis zum Jahresende sind Griechenland und Serbien. Klopp hat bei Red Bull (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/red-bull/) noch einen bis 2029 gültigen Vertrag. Nach Informationen von „Bild“ beinhaltet sein Arbeitspapier keine schriftlich fixierte Ausstiegsklausel. Red Bull dürfte eine Ablösezahlung verlangen – wohl im einstelligen Millionenbereich. Das wiederum wäre ein Novum. Noch nie hat der DFB (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/dfb/) für einen Bundestrainer eine Ablösesumme bezahlt. Allerdings kommt nächstes Jahr auch wieder viel frisches Geld in die Verbandskasse, so zahlt der neue Ausrüster Nike (verlinkt auf https://www.welt.de/themen/nike/) bis 2034 jährlich rund 100 Millionen Euro. Wichtigster Ansprechpartner für den DFB ist Oliver Mintzlaff. Der mächtige Red-Bull-Chef gilt als harter Verhandlungspartner. 2021 knöpfte er dem FC Bayern die Trainer-Rekordablösesumme von 25 Millionen Euro ab. Damals wechselte Julian Nagelsmann von RB Leipzig nach München. Jetzt dürfte der Getränkekonzern noch einmal von Nagelsmann profitieren – diesmal allerdings nicht, weil dieser so begehrt ist. Ganz im Gegenteil.