Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan fordert die afghanische Community in Hamburg ein entschiedeneres Handeln des Senats. Vertreter diverser Vereine und Initiativen sprechen sich gegen eine Normalisierung der Beziehungen zu den Taliban (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a7b407667ddb2e13c58458c/unesco-taliban-verwehren-2-4-millionen-maedchen-in-afghanistan-den-besuch-weiterfuehrender-schulen.html) aus und verlangen mehr Schutz für Afghaninnen und Afghanen in Deutschland. Hamburg beheimatet mit rund 40.000 Menschen eine der größten afghanischen Gemeinden in Europa. Im Mittelpunkt der Forderungen steht der Umgang mit Pass- und Identitätsdokumenten. Nach Ansicht der Community sollten Betroffene nicht gezwungen werden, sich für die Klärung ihrer Identität oder die Beschaffung von Pässen an afghanische Botschaften oder Konsulate zu wenden, die unter dem Einfluss der Taliban stehen könnten. Stattdessen müsse „der Senat alternative Nachweise anerkennen, Aufenthaltstitel auch ohne eine solche Kontaktaufnahme erteilen und Reiseausweise ausstellen“, sagt die Fachsprecherin für Integration und Antidiskriminierung der Linksfraktion, Hila Latifi. Niemand sollte für ein Dokument die eigene Sicherheit oder die seiner Angehörigen in Afghanistan gefährden müssen. Die Linksfraktion unterstützt die Anliegen der Community und hat diese in einem entsprechenden Antrag aufgegriffen. In dem Papier heißt es: „Wir verurteilen ausdrücklich jede Praxis, die dazu führen könnte, dass personenbezogene Daten schutzbedürftiger afghanischer Staatsangehöriger an Taliban-kontrollierte oder Taliban-nahe Stellen gelangen.“ Der Schutz dieser Daten sei aufgrund der aktuellen Menschenrechtslage in Afghanistan zwingend erforderlich. Aus Sicht von Farangis Sawgand vom Afghanischen Stammtisch Hamburg muss die Stadt „eine klare Haltung zeigen, politische Verantwortung übernehmen und konsequent für den Schutz afghanischer Menschen sowie die Rechte von Frauen und Mädchen eintreten“. Auch Reza Qasemi, Vorsitzender des Hazara Kultur- und Sportvereins e.V., warnt vor einer Zusammenarbeit mit den Taliban. „Die Taliban beherbergen mehr als 20 internationale Terrororganisationen, unterdrücken Frauen und Mädchen (verlinkt auf https://www.welt.de/vermischtes/article6a7c836ca87e8142c31ce000/un-women-jede-zweite-afghanin-verlaesst-hoechstens-zweimal-im-monat-das-haus.html) sowie ethnische und religiöse Minderheiten und sind für die Vertreibung von Millionen Menschen verantwortlich.“ Eine Zusammenarbeit mit ihnen bedeutet, diese Verbrechen zu legitimieren. Linksfraktion veranstaltet Afghanistan-Konferenz Bereits am Freitag lädt die Linksfraktion der Hamburgischen Bürgerschaft zu einer Afghanistan-Konferenz ins Rathaus ein. Dort soll unter anderem über die Lage in Afghanistan, die deutsche Afghanistan-Politik und den Einsatz der afghanischen Community in der Hansestadt gesprochen werden. Mit dabei seien der Hazara Kultur- und Sportverein und der Afghanische Stammtisch. Die Forderungen der afghanischen Gemeinde kommen vor dem Hintergrund einer verschärften Abschiebepraxis (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a689944a17ee9f1dfd819df/deutschland-schiebt-erstmals-afghanen-ohne-vorstrafe-ab-pro-asyl-sieht-moralischen-bankrott.html) . Hamburg hat zuletzt mehrfach afghanische Staatsangehörige nach Afghanistan abgeschoben, darunter nach Angaben der Innenbehörde verurteilte Straftäter. Innensenator Andy Grote (SPD) verteidigte die Rückführungen mit dem Hinweis auf die Sicherheit der Bevölkerung. Zudem wolle der Stadtstaat die Abschiebungen beschleunigen.