Welt 29.09.2026
11:41 Uhr

Stoppt die Bundesregierung einen Hamburger Hafendeal mit China?


Trotz Freigabe durch das Kartellamt droht Cosco ein Verbot des Kaufs des Hamburger Logistikunternehmens Zippel an die Chinesen. Die Bundesregierung sieht Sicherheitsrisiken durch den Zugriff auf Warenströme und Lieferketten.

Stoppt die Bundesregierung einen Hamburger Hafendeal mit China?

Die Bundesregierung steuert offenbar auf ein Verbot der Übernahme des Hamburger Logistikunternehmens Zippel durch den chinesischen Staatskonzern Cosco zu. Nach Informationen des „Handelsblatts“ bestehen innerhalb der Regierung „erhebliche Sicherheitsbedenken“. Es bestehe die Gefahr strategischer Abhängigkeiten, die „im Zuge politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten“. Eine endgültige Entscheidung ist dem Bericht zufolge noch nicht gefallen. Insider gingen jedoch davon aus, dass die Übernahme untersagt werde. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich zunächst nicht, auch Zippel ließ eine Anfrage unbeantwortet. Cosco will 80 Prozent der Anteile an der Konrad Zippel Spediteur GmbH erwerben. Anders als bei der umstrittenen Beteiligung am Containerterminal Tollerort geht es damit nicht um einen Minderheitsanteil, sondern um die Kontrolle über ein traditionsreiches Hamburger Unternehmen. Zippel ist auf Containertransporte zwischen den Seehäfen und dem Binnenland spezialisiert. Ein großer Teil dieser Hinterlandverkehre wird auf der Schiene abgewickelt. Cosco würde damit nicht nur Container über die Weltmeere transportieren und an einem Hamburger Terminal beteiligt sein, sondern auch Zugriff auf die nächste Stufe der Lieferkette erhalten. Das 1876 von August Zippel gegründete Unternehmen organisiert von Hamburg aus Containertransporte per Bahn und Lastwagen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Hamburg zum Hauptsitz der Spedition. 2005 nahm Zippel den ersten eigenen Zug zwischen Hamburg und Berlin in Betrieb. Heute verfügt die Gruppe über ein eigenes Transport- und Logistiknetzwerk. Die Begründung des Kartellamts Das Bundeskartellamt hatte den geplanten Erwerb am 20. Februar 2026 freigegeben. Wettbewerbsrechtliche Bedenken sah die Behörde nicht, weil Cosco vor allem Container auf dem Seeweg transportiert, während Zippel den Weitertransport von den Häfen ins Binnenland organisiert. Beide Unternehmen seien auf unterschiedlichen Ebenen der Transportkette tätig und stünden deshalb nicht in unmittelbarem Wettbewerb, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Außenwirtschaftsrechtliche oder sicherheitspolitische Fragen seien jedoch nicht Bestandteil der kartellrechtlichen Fusionskontrolle. Dafür sei das Bundeswirtschaftsministerium zuständig. Gerade die Verbindung unterschiedlicher Stufen der Transportkette steht nun im Mittelpunkt der Sicherheitsprüfung. Mit der Übernahme könnte Cosco seine Präsenz vom Seetransport über den Containerumschlag bis in den Bahn- und Lastwagenverkehr des Hinterlands ausdehnen. In Berlin besteht die Sorge, ein ausländischer Staatskonzern könne dadurch Einblicke in Warenströme, Lieferketten und Kundenbeziehungen erhalten. Nach den bekannt gewordenen Regierungsunterlagen betrifft die Prüfung auch die Frage, welche Bedeutung solche Informationen für sicherheitsrelevante Transporte und die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands haben könnten. Die Spedition selbst war im Frühjahr allerdings nicht als Betreiber kritischer Infrastruktur im Sinne des BSI-Gesetzes registriert. Ob sich dies durch die geplante neue Kritis-Verordnung ändern könnte, ließ die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen offen. Weitere Angaben zum Investitionsprüfverfahren wurden wegen geschützter Geschäftsgeheimnisse und der Rechte der beteiligten Unternehmen als vertraulich eingestuft. Der alte Streit um Tollerort Der Fall erinnert an die heftige Auseinandersetzung um den Einstieg Coscos beim Containerterminal Tollerort. Der chinesische Konzern wollte ursprünglich 35 Prozent der Terminalgesellschaft übernehmen. Im Oktober 2022 beschloss die Bundesregierung jedoch eine Teiluntersagung. Coscos Anteil musste unter 25 Prozent bleiben, zudem wurden Sonderrechte ausgeschlossen. Der Konzern durfte weder Vetorechte bei strategischen Geschäfts- oder Personalentscheidungen erhalten noch Mitglieder der Geschäftsführung oder operative Führungskräfte bestimmen. Das Wirtschaftsministerium begründete die Einschränkungen ausdrücklich mit einer Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Dem Beschluss war ein Streit innerhalb der damaligen Bundesregierung vorausgegangen. Mehrere Ressorts hatten einen vollständigen Stopp des Geschäfts gefordert. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), zuvor Hamburger Bürgermeister, setzte sich dagegen für eine begrenzte Beteiligung ein. Unter dem Eindruck der deutschen Abhängigkeit von russischen Energielieferungen warnten Kritiker davor, bei zentraler Transportinfrastruktur neue Abhängigkeiten von China entstehen zu lassen. Im Juni 2023 wurde das Geschäft schließlich abgeschlossen. Cosco hält seither 24,99 Prozent an der Betreibergesellschaft des Terminals Tollerort. Die HHLA behielt die Kontrolle; das Terminal wurde zu einem bevorzugten Umschlagpunkt für Cosco-Verkehre zwischen Asien und Europa. Nach Angaben der HHLA besitzt Cosco dort keine Exklusivrechte und keinen Zugriff auf strategisches Know-how sowie IT- oder Vertriebsdaten.