Welt 03.10.2026
16:32 Uhr

Theologin fordert Widerspruch gegen ideologische Vereinnahmung des Christentums


Für politische Machtansprüche werden christliche Bilder nach Ansicht der Salzburger Theologin Franca Spies gezielt umgedeutet. Besonders scharf kritisiert sie apokalyptische Deutungen aus dem Umfeld von Donald Trump.

Theologin fordert Widerspruch gegen ideologische Vereinnahmung des Christentums

Rechte Ideologen vereinnahmen nach dem Urteil der Salzburger Theologin Franca Spies christliche Begriffe für ihre Zwecke. Widerspruch dagegen sei „dringend geboten“, sagte die Dogmatikerin den „Salzburger Nachrichten“ am Wochenende. Die betreffenden Politiker benutzten religiöse Motive sinnentleert als „symbolisch aufgeladene Identitätsmarker“ und wollten damit „vielleicht noch ein bisschen im christlichen Milieu nach Anhängern fischen“. Als Beispiel nannte sie die Bezugnahme auf die Apokalypse durch den US-Tech-Milliardär Peter Thiel, der zu den Unterstützern von Donald Trump und J. D. Vance zählt. In seiner Deutung der biblischen Bilder greife Thiel auf Konzepte des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt (1888–1985) zurück, dem es um eine Legitimation einer Politik des Ausnahmezustands und des antidemokratischen Autoritarismus gehe. Trump sei für Thiel der Souverän, der über den Ausnahmezustand entscheide. Solche Lesarten der Apokalypse dienten letztlich der „Stabilisierung politischer Herrschaftsansprüche“, kritisierte Spies. Im Gegensatz dazu gehe es bei der biblischen Apokalyptik um eine befreiende Hoffnungsperspektive für Unterdrückte. Die Theologie und die Kirchen sollten gegen ideologische Vereinnahmung der Religion „differenzierte Interpretationen der Glaubensinhalte in Stellung bringen“, forderte die Dogmatikerin. Hilfreich sei eine „gute theologische Ausbildung“. US-Vizepräsident Vance ist im Jahr 2019 zum katholischen Glauben konvertiert und verknüpft seine Religion stark mit seiner Politik. US-Präsident Trump hingegen bezeichnet sich selbst als konfessionslosen Christen. Thiel ist Christ, über das Christentum spricht der Tech-Milliardär jedoch meistens eher intellektuell-philosophisch als im kirchlichen Sinn.