Welt 07.07.2026
23:44 Uhr

US-Militär fliegt über Stunden „schwere“ Angriffe auf den Iran – Teheran droht mit Vergeltung


Nach den Attacken auf mehrere Tanker in der Straße von Hormus hat das US-Militär rund 80 Ziele im Iran angegriffen. Die Luftschläge sollten laut US‑Beamten Militärstützpunkte und Hafenanlagen treffen. Auch Kuwait gerät unter Beschuss. Teheran droht mit „entschlossenen Maßnahmen“.

US-Militär fliegt über Stunden „schwere“ Angriffe auf den Iran – Teheran droht mit Vergeltung

Das US-Militär hat in der Nacht auf Mittwoch neue Angriffe auf den Iran ausgeführt. Das für die Region zuständige Regionalkommando Centcom begründete die Attacken im Onlinedienst X mit den vorangegangenen Angriffen auf drei Tanker im Bereich der Straße von Hormus (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a4d40cadfc0c82fa290966a/trotz-waffenruhe-drei-tanker-in-der-strasse-von-hormus-attackiert-usa-widerrufen-lizenz-fuer-iranische-oelexporte.html) . Nach eigenen Angaben hat das US-Militär über 80 Ziele im Iran angegriffen und seine Attacken mittlerweile beendet. Die Streitkräfte hätten unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormus getroffen, teilte Centcom mit. Damit sei die Fähigkeit des Irans beeinträchtigt worden, den Schiffsverkehr in der Meerenge zu stören. Das US-Militär warnte Teheran zudem, dass es das Land künftig zur Rechenschaft ziehen werde. Washington macht für die jüngsten Angriffe auf die Tankschiffe die Führung in Teheran verantwortlich. „Die Streitkräfte des US-Zentralkommandos haben eine Reihe von schweren Luftangriffen gegen den Iran gestartet, um diesem für die Angriffe auf Handelsschiffe mit unbeteiligten Zivilisten an Bord in einer internationalen Wasserstraße schwere Konsequenzen aufzuerlegen“, schrieb Centcom. „Die Aggression des Irans war ungerechtfertigt, gefährlich und ein klarer Verstoß gegen die Waffenruhe.“ Ein US-Beamter bezeichnete die Angriffe gegenüber dem US-Sender CNN als „Bestrafung“. Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormus sowie auf der Insel Qeschm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt. Die Hafenstadt Bandar Abbas beherbergt auch wichtige Marine- und Schifffahrtsinfrastruktur. Angriffe während Irans Trauerfeiern für Chamenei US-Präsident Trump habe den Plan für einen Schlag gegen den Iran während seiner Teilnahme am laufenden Nato-Gipfel in der Türkei genehmigt, berichtete der gut vernetzte Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten. Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei. Heute sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Chamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Maschhad beigesetzt werden soll. Die Streitkräfte der Islamischen Republik hatten ihre Feinde kurz vor Beginn der Trauerfeierlichkeiten (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a4b9c267edf43f08dbcfa33/iran-millionen-menschen-bei-trauerzug-fuer-ajatollah-ali-chamenei-in-teheran.html) noch vor Angriffen gewarnt. „Jede Fehlkalkulation wird mit einer entschlossenen und noch härteren Antwort als je zuvor beantwortet werden“, hieß es in einer Erklärung der Revolutionsgarden, der Elitestreitmacht des Irans. Bahrain löst Raketenalarm aus, Kuwait unter Beschuss Nach den US-Vergeltungsangriffen hat Bahrain in der Nacht zum Mittwoch Raketenalarm ausgelöst. Die Behörden forderten die Bevölkerung auf, Schutz zu suchen. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Der Golfstaat beherbergt die 5. Flotte der US-Marine und war im Verlauf des Krieges wiederholt Ziel iranischer Angriffe. Der Golfstaat Kuwait ist zudem laut kuwaitischen Armeeangaben unter Beschuss geraten. Die Luftabwehr wehrte feindliche Raketen- und Drohnenangriffe ab, teilte die Armee des mit Washington verbündeten Landes am frühen Morgen auf X mit. Genauere Angaben gab es zunächst nicht. Teheran spricht von „Vertragsbruch durch die USA“ Unmittelbar nach den neuen US-Angriffen drohte die Führung in Teheran mit Vergeltung. „Der Iran spricht eine ernste Warnung vor den Folgen des Vertragsbruchs durch die USA aus“, hieß es in einer auf Telegram veröffentlichten Erklärung des Außenministeriums. Der Iran werde „entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine Interessen und seine nationale Sicherheit zu schützen“. „Unter keinen Umständen werden die iranischen Streitkräfte eine Einmischung in Angelegenheiten der Straße von Hormus zulassen oder anderen gestatten, sie zu kontrollieren“, hieß es weiter. „Die Zeit der Einschüchterung und Erpressung ist vorbei“, schrieb der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf auf der Plattform X (verlinkt auf https://x.com/mb_ghalibaf/status/2074681304625369519) . „Sie führt zu nichts. Wir knicken nicht ein.“ In der Folge zogen die Ölpreise wieder an. Es wächst die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war erst im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für intensive Verhandlungen über ein Ende des Krieges schaffen sollte. Diese Gespräche stocken derzeit. Zuvor mehrere Angriffe auf Tankschiffe Zuvor waren mehrere Tanker in der Straße von Hormus beziehungsweise nahe der strategisch wichtigen Meerenge getroffen worden. Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit der Handelsschifffahrt UKMTO wurde ein Tanker von einer Drohne getroffen und leicht beschädigt. Fast zeitgleich meldete die Behörde einen weiteren Vorfall, bei dem ein Tanker von einem Geschoss getroffen worden sei. Besonders schwere Schäden wurden von dem katarischen Flüssiggas-Tanker „al-Rekajat“ gemeldet, der nach Angaben der Schiffsbesatzung von einem „unbekannten Geschoss“ getroffen wurde. Katar machte den Iran für den Angriff verantwortlich und sprach von einer Gefahr für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung. Die USA hatten als Reaktion auf die Angriffe bereits eine Ausnahmegenehmigung zum Verkauf von iranischem Öl widerrufen. Die Ölpreise zogen daraufhin deutlich an, die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI verteuerten sich nachbörslich um jeweils mehr als drei Prozent. Ein US-Regierungsvertreter bezeichnete das Vorgehen des Irans als völlig inakzeptabel und warnte vor Konsequenzen. Eine Stellungnahme der Regierung in Teheran lag zunächst nicht vor, auch bekannte sich niemand zu den Angriffen. Iran verurteilt erneute US-Sanktionen gegen Ölverkäufe Das iranische Außenministerium verurteilte wiederum die Entscheidung der USA, die vorübergehend ausgesetzten Sanktionen gegen iranische Ölexporte wieder in Kraft zu setzen. Dieser Schritt verstoße gegen das Islamabad-Memorandum zur Waffenruhe, teilt das Ministerium mit. Man mache Washington für die Folgen verantwortlich und werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die eigenen Interessen und die nationale Sicherheit zu wahren.