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06.10.2026
20:56 Uhr
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Unser Autor ist seit 25 Jahren Strafverteidiger und ärgert sich oft über Richter. Trotzdem sagt er: Wer mutige Entscheidungen verlangt, muss Fehler akzeptieren.

Ich bin seit über 25 Jahren Strafverteidiger. Seit Beginn meiner Berufstätigkeit ärgere ich mich über Richter. Wahrscheinlich ist das kein persönliches Problem von mir, sondern ein integraler Bestandteil meiner Berufsausübung. Ich ärgere mich, wenn sie mich am Telefon abservieren, obgleich ich nur einen versöhnlichen Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise machen wollte. Ich ärgere mich, wenn sie einen wohldurchdachten Antrag ablehnen, ohne sich damit vorher angemessen auseinandergesetzt zu haben. Und ich ärgere mich, wenn ich bei ihnen auf eine blasierte Gewissheit treffe, die schon durch die Tonlage zum Ausdruck kommt, die hochgezogene Augenbraue und die Art, wie sie ihre Einwegkugelschreiber auf dem Richtertisch ablegen, als wären es chirurgische Geräte.