Zeit 30.09.2026
15:02 Uhr

(+) Thélyson Orélien: Ist sein preisverdächtiger Roman von einer KI geschrieben?


Hundertpro, sagt die Maschine. Kein bisschen, sagt der Mensch. Und weg ist die Chance auf Frankreichs wichtigsten Literaturpreis. Zum Dilemma im Fall Thélyson Orélien

(+) Thélyson Orélien: Ist sein preisverdächtiger Roman von einer KI geschrieben?
Ein Roman wie ein Computerspiel? Und der soll eines der »Bücherphänomene dieser Herbstsaison« sein? Vielleicht hätte man bei Le Monde des livres, der wöchentlichen Literaturbeilage von Le Monde, schon beim ersten Satz der eigenen Rezension stutzig werden müssen. Da schreibt der Kritiker: »Schüsse. Schreie. Ein Brand. Die Eröffnungsszene von C’était ça ou mourir wirkt wie ein Videospiel.« Gemeint ist die Immersion, die der bis Anfang vergangener Woche preiswürdige, nun aber der Täuschung verdächtigte Autor Thélyson Orélien seinen Lesern beschert, wenn sein Romanheld vor Gesetzlosigkeit und Gewalt aus seiner Heimat Haiti mit nichts als einer Plastiktüte flieht, zwischen Süd- und Mittelamerika beinahe die Hoffnung verliert und schließlich doch »aufrecht« bleibt. Wohl aber muss, wer den Stil eines Romans mit dem eines Videospiels vergleicht, die gewisse Künstlichkeit erkannt haben, etwas Generisches, vielleicht schon im Titel – »Entweder das oder sterben« –, wohl ob der Vielzahl lebensphilosophischer Binsen, »nicht dies, sondern das«-Konstruktionen und rhetorischer Dreierschritte. Schüsse. Schreie. Ein Brand.