Zeit 08.10.2026
18:50 Uhr

Bistum Trier: Viele Missbrauchsfälle in Trier während der Nachkriegsjahre


Ein großer Teil der Missbrauchsfälle im Bistum Trier hat zwischen 1946 und 1966 stattgefunden. Die Verantwortlichen wussten laut einer Studie meistens Bescheid.

Bistum Trier: Viele Missbrauchsfälle in Trier während der Nachkriegsjahre
Ein Forschungsteam der Universit\u00e4t Trier hat 355 Betroffene von sexualisierter Gewalt im Bistum Trier f\u00fcr die Nachkriegsjahre ermittelt. Die Historikerinnen und Historiker um Lena Haase und Lutz Raphael ver\u00f6ffentlichten ihren vierten und letzten Zwischenbericht zu sexuellem Missbrauch im Bistum Trier , der die Jahre 1946 bis 1966 umfasst. Der umfassende Abschlussbericht soll im November folgen. Mit Blick auf die bisher identifizierte Gesamtzahl von mindestens 782 Betroffenen zwischen 1946 und 2021 wiegen die untersuchten zwei Jahrzehnte \u00bbbesonders schwer in der Gesamtbilanz\u00ab, hei\u00dft es in dem Bericht. In den sp\u00e4ten 1940er-Jahren h\u00e4tten die Verantwortlichen im Bistum \u00bbeinen guten Kenntnisstand\u00ab \u00fcber sexualisierte Gewalt gegen\u00fcber Minderj\u00e4hrigen gehabt, steht weiter in der Studie. In den Jahren von 1946 bis 1951 war Franz Rudolf Bornewasser Bischof, auf ihn folgte bis 1966 Matthias Wehr. F\u00fcr den gesamten Zeitraum von 1946 bis 2021 kommt die Studie auf insgesamt 249 beschuldigte Geistliche. Unter Bornewasser seien 19 der 28 beschuldigten Geistlichen bekannt gewesen. In den 1950er-Jahren, und damit in der Amtszeit von Wehr, habe sich das ge\u00e4ndert. W\u00e4hrend seiner Zeit als Bischof seien 30 mutma\u00dfliche T\u00e4ter bekannt gewesen \u2013 sp\u00e4ter seien jedoch noch 65 weitere Geistliche beschuldigt worden. Auch die Zahl der Betroffenen war w\u00e4hrend Wehrs Amtszeit mit 243 Missbrauchsopfern besonders hoch. Viele Betroffene wurden nicht geh\u00f6rt \u00bbDie Chancen Betroffener, sich Geh\u00f6r zu verschaffen oder gar eine Bestrafung der T\u00e4ter zu erleben, wurden bereits wenige Jahre nach Kriegsende immer geringer\u00ab, hei\u00dft es in der Studie. \u00bbDie Ringe des Schweigens lasteten besonders schwer auf dieser Generation missbrauchter Kinder und Jugendlicher.\u00ab Zu den h\u00e4ufig lebenslangen Belastungen und Krankheiten geh\u00f6rten Schlafst\u00f6rungen, Depressionen, Panikattacken, Angstst\u00f6rungen sowie pl\u00f6tzliche Zusammenbr\u00fcche. Viele Betroffene h\u00e4tten Schwierigkeiten, Vertrauen und Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Professionelle Therapieangebote habe es erst ab den 1990er-Jahren gegeben. W\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurden die sogenannten Sittlichkeitsverbrechen katholischer Priester deutlich st\u00e4rker vom Bistum verfolgt als in den Nachkriegsjahren, hei\u00dft es. Dabei sei es jedoch um das \u00f6ffentliche Ansehen gegangen, nicht um den Schutz der Kinder. Mit Aufhebung der NS-Gesetzgebung seien auch diese Sanktionen weniger geworden. Generell lasse sich in den Nachkriegsjahren ein eher nachl\u00e4ssiger Umgang mit T\u00e4tern beobachten. F\u00fcr den Bericht werteten die Historikerinnen und Historiker nach eigenen Angaben insgesamt 1.574 Akten aus. Zudem f\u00fchrten sie Gespr\u00e4che mit Betroffenen und Zeitzeugen .