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13.08.2026
19:54 Uhr
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In den USA fordern die Democratic Socialists die Demokraten heraus. Die Erneuerung der Partei ist überfällig. Aber die Bewegung hat auch eine dunkle Seite.

Eigentlich sind sich die US-Demokraten einig darüber, worum es jetzt geht: die Midterm-Wahlen im Herbst gewinnen, die Mehrheit im Kongress zurückerobern, Donald Trumps Präsidentschaft vollends aus dem Gleis heben. Und dann, im Jahr 2028, zurück ins Weiße Haus. Das wollen alle, da gibt es keinen Dissens. Dissens aber gibt es in allem anderen. Kurz vor den Zwischenwahlen kämpfen die Demokraten nicht gegen Donald Trump. Sondern gegeneinander: Junge gegen Alte, Arbeit gegen Kapital, Populisten gegen Partei-Elite, Israel-Freunde gegen Israel-Feinde. Es ist der Erfolg der Democratic Socialists of America (DSA), eines rasant wachsenden Bündnisses junger Linker, der die Demokraten zur Entscheidung zwingt: Bleiben sie Bewahrer eines Status quo, den immer weniger Amerikaner akzeptieren? Oder nehmen sie den Zorn der neuen Generation auf, verlassen das Zentrum und werden zu einer Partei, die einer radikalen Gegenwart mit einer radikalen Politik begegnet? Sind die Demokratischen Sozialisten eine neue Tea Party von links? Nur, was ist schon radikal in diesem fiebrigen Land? Wirklich nur das Neue? Oder ist es das ewige Weiter-so vielleicht auch? Wenn viele Amerikaner nicht mehr zum Arzt gehen, aus Angst davor, dass die Behandlungskosten sie ruinieren, bevor die Krankheit es tut. Wenn eine Mutter unter Tränen beichtet, dass sie darüber nachdenkt, im Supermarkt zu klauen, weil sie ihre Kinder sonst nicht ernähren kann – während Elon Musk die Schwelle zum Billionär überschreitet. Wenn die USA immer noch mehr Waffen ohne Auflagen an Israel liefern und amerikanische Politiker Wahlkampfspenden der israelischen Lobby-Organisation AIPAC in zweistelliger Millionenhöhe annehmen. Kann dann wirklich Trump schuld an allem sein? Nein, argumentieren die DSA: Schließlich haben die Demokraten zwölf der vergangenen 20 Jahre in Washington regiert. Vieles erinnert dieser Tage an einen Konflikt, den die amerikanische Rechte Anfang der 2010er-Jahre führte. Damals war es die Tea Party, die dem republikanischen Establishment vorwarf, sich dem Mainstream angebiedert und die eigenen Prinzipien verraten zu haben. Die Führung gab dem Druck nach, nahm die Tea Party in ihre Mitte – und sah schließlich hilflos dabei zu, wie Trump in der Rolle des Establishment-Erzfeinds die Partei unterwarf. Was können die Demokraten daraus lernen? Sind die DSA die Tea Party der Linken? Oder bringen sie die überfällige Erneuerung? New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani, die Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez und der Epidemiologe Abdul El-Sayed, auf den nach seinem Sieg über eine Kandidatin des demokratischen Establishments bei der Vorwahl in Michigan das Land schaut – sie verbreiten die Botschaft, dass es auch anders geht: Sie sprechen von »ökonomischem Populismus« und meinen damit kostenlose Busse, kostenlose Kindergärten, eine Mietpreisbremse, die Ausweitung der staatlichen Krankenversicherung auf alle Amerikaner, bezahlt durch eine Reichensteuer, und ein Ende der ruinös teuren »forever wars«. Das ist die helle Seite der DSA. Zugleich durchzieht die DSA eine Härte, die skeptisch macht. Dass sich im Programm der Bewegung die Forderung nach einer Abschaffung von Polizei und Strafvollzug genauso findet wie die nach einer Generalamnestie für alle irregulären Einwanderer und nach einem Wahlrecht auch für Nicht-Staatsbürger – mit viel gutem Willen ließe sich da noch mit den Schultern zucken: irgendein Pamphlet im Internet, wird sowieso nie Politik, so what? Dass aber El-Sayed im Wahlkampf bis zuletzt mit dem linken YouTube-Star Hasan Piker auftrat, der Mao Zedong als großen Führer der Weltgeschichte pries und für die Äußerung bekannt ist, Amerika habe 9/11 »verdient« – ist auch das bloß harmlose Folklore? Und auch wenn man anerkennt, dass nicht gleich ein Antisemit ist, wer Israel wütend kritisiert – ist es unproblematisch, dass eine von Mamdani unterstützte New Yorker Kongresskandidatin ausgerechnet am Tag nach dem Massaker vom 7. Oktober 2023 gegen Israel auf die Straße ging? Natürlich nicht. Da, wo Hoffnung ist, soll man sie nicht gleich zertrampeln. Und doch lehrt das Beispiel der Tea Party: Es braucht nicht viel, und die Ränder werden zum Zentrum. Bitte bloß kein zweites Mal.