Zeit 18.03.2026
13:30 Uhr

Digitalpolitik: Bundeskabinett verabschiedet neue Strategie für mehr Rechenzentren


Schneller Netzzugang, Steueranreize, vorhandene Orte nutzen – so will die Bundesregierung mehr Rechenzentren ermöglichen. Die Strategie dafür wurde jetzt beschlossen.

Digitalpolitik: Bundeskabinett verabschiedet neue Strategie für mehr Rechenzentren
Das Bundeskabinett hat eine neue Strategie für mehr Rechenzentren in Deutschland verabschiedet. Das Papier aus dem Digitalministerium von Karsten Wildberger (CDU) soll dafür sorgen, dass Deutschland zu einem führenden Standort in dem Bereich wird. Dafür sollen die allgemeinen Rechenzentrumskapazitäten bis 2030 mindestens verdoppelt werden . Die Kapazitäten für künstliche Intelligenz sollen mindestens vervierfacht werden. "Deutschland braucht mehr Rechenpower", sagte Wildberger . "Wir wollen führend bei künstlicher Intelligenz in Europa werden und diese Technologie überall in Wirtschaft und Gesellschaft einsetzen." Jedes neue Rechenzentrum stärke die digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Bezahlbarer Strom und schnelle Genehmigungen Hintergrund der Offensive ist der rasant wachsende weltweite Bedarf an Rechenleistung, getrieben durch datenintensive KI-Anwendungen, Cloud-Dienste und die voranschreitende Digitalisierung der Wirtschaft. Das sind die wichtigsten geplanten Schritte: Damit neue Rechenzentren schnell ans Netz gehen können, soll der Zugang nach dem Fortschritt des jeweiligen Projekts vergeben werden. Bisher "blockieren" viele geplante Projekte, etwa für Batteriespeicher, den Netzzugang. Für neue Standorte sollen bevorzugt Orte genutzt werden, die bereits an das Stromnetz angeschlossen sind – etwa alte Kraftwerksstandorte im Rheinischen Revier und in Lübbenau. Planungsverfahren für neue Rechenzentren sollen beschleunigt werden. Um Anwohner vor Ort von neuen Rechenzentren zu überzeugen, sollen die Kommunen, in denen das Rechenzentrum gebaut wird, die Gewerbesteuer kassieren. Bisher wurde die Steuer am Hauptsitz der jeweiligen Unternehmen erhoben. Die neuen Rechenzentren sollen mit erneuerbaren Energien betrieben werden und beispielsweise Abwärme nutzen. Hintergrund ist der hohe Stromverbrauch der Zentren. Um die Abhängigkeit von US-Techkonzernen zu verringern, sollen vor allem deutsche und europäische Unternehmen die neuen Rechenzentren bauen. Bau einer KI-Gigafabrik Ein Leuchtturmprojekt soll laut Konzept der Aufbau mindestens einer kommerziellen " KI-Gigafabrik " sein. Sie soll in einem öffentlich-privaten Konsortium unter europäischer Führung entstehen. Die Strategie der Bundesregierung listet Vor- und Nachteile des Standorts Deutschland in Europa auf. Zu den Stärken werden eine stabile Versorgungslage, ein hoher Anteil an erneuerbaren Energien, eine gut ausgebaute Infrastruktur sowie die zentrale Lage und Vernetzung innerhalb Europas genannt. Es gebe aber knappe Anschlusskapazitäten ⁠im Stromnetz und weniger geeignete Flächen. Bisher liegt Deutschland im Vergleich mit ⁠den USA und China beim Bau von Rechenzentren klar zurück. Dort werden ​in schnellem Tempo sehr große Rechenzentren aufgebaut, die zum Teil ausschließlich für künstliche Intelligenz genutzt werden.