Zeit 18.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Der Kreuzfahrtboom ist gut für die Hamburger, oder?


Die Elbvertiefung am Mittwoch – Mit einem Leben mit weniger Papierkram, den unperfekten Seiten der Rapperin Shirin David und neuen Folgen der Sesamstraße

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Der Kreuzfahrtboom ist gut für die Hamburger, oder?
Liebe Leserin, lieber Leser, in Hamburg gibt es so Sätze, die Unternehmer und Politiker gerne sagen. Unabhängig davon, ob diese Sätze stimmen, und ganz so, als seien sie schon allein deshalb wahr, weil man sie wiederholt. Einer geht so: "Die Hamburger lieben Kreuzfahrtschiffe." Ich habe das als Journalistin schon oft gehört und mich gewundert. Denn es gibt keine Umfrage dazu, wie Sie, ich oder andere in Hamburg es mit der Liebe zu Hotelschiffen halten. Sicher gibt es Leute, die sich die Seele aus dem Leib winken, wenn die Queen Mary 2 einläuft. Aber sind sie typisch? Sind sie Exoten? Sind sie wir alle? Gestern habe ich eine neue Variante des Satzes gehört: "Hamburg hat eine starke maritime Community, die Begeisterung für Kreuzfahrtschiffe war immer schon da", sagte mir Simone Maraschi. Der gebürtige Mailänder leitet Cruise Gate Hamburg, die Gesellschaft betreibt die Kreuzfahrtterminals der Stadt und hat neue Zahlen vorgestellt. Laut Manager Maraschi läuft es prächtig: 2025 gab es in Hamburg 295 Anläufe von Schiffen, so viele wie noch nie. Sie brachten mehr als 1,4 Millionen Passagiere die Elbe hoch, diese Zahl hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt. Und der Boom geht weiter: Dieses Jahr haben sich 331 Urlaubsschiffe einen Liegeplatz am Kai reserviert, ein Plus von fast zwölf Prozent. Das sei doch "ein schöner Erfolg", sagte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Dieses Lob war vorhersehbar, welche Senatorin möchte – in Krisenzeiten – auf zusätzliche Einnahmen verzichten? Die Zahlen zeigen auch: Jeder Passagier lässt im Schnitt 126 Euro in der Stadt. Für Fischbrötchen, Miniaturwunderland oder anderes Gedöns. In Summe gaben die Besucher also mehr als 176 Millionen Euro aus. Was ich vermisse: Es gibt kaum Studien oder aktuelle Zahlen zu den Folgen der Kreuzfahrten für die Hamburger. Wie sehr belasten Schiffsabgase die Umwelt? Wie angenehm oder lästig sind die Tagestouristen für Anwohner? Profitieren normale Leute vom Boom? Vor einigen Monaten habe ich das wenige, was es dazu gibt, recherchiert, den Artikel finden Sie hier . Ich habe Simone Maraschi auch zur Lage im Persischen Golf befragt, dort liegen seit Kriegsbeginn sechs Kreuzfahrtschiffe fest. Mehr als 95 Prozent der Gäste seien bereits ausgeflogen worden, sagte er. Jetzt hoffe ich das Beste für die verbleibenden Crews. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihre Kristina Läsker PS: Auch diesen Monat wollen wir wieder Ihre Stimmen einsammeln: Was nervt Sie dieser Tage in unserer Stadt? Und im Gegenteil: Welche Kleinigkeiten machen Sie gerade froh? Wir freuen uns auf ein bis zwei Sätze (bitte nicht mehr!) bis morgen 12 Uhr an hamburg@zeit.de , Betreff: "Ach, Hamburg!" PPS.: Erinnern Sie sich noch an Frau Zeidler-Brack, die Schildkröte als Schulleiterin, von der mein Kollege Oskar Piegsa am Montag erzählt hat? Ab heute können Sie den Film "Das Machtvakuum" kostenlos auf YouTube sehen . WAS HEUTE WICHTIG IST Kostengünstige oder gratis Tickets sowie ein grünes Band, das die Sportstätten quer durch die Stadt verbindet: Der Hamburger Senat hat sein präzisiertes Bewerbungskonzept für die Olympischen und Paralympischen Spiele vorgelegt. Kern der Idee sind nachhaltige Spiele mit kurzen Wegen. Ende Mai können Bürgerinnen und Bürger über die Senatspläne abstimmen. Hamburg hat im vergangenen Jahr etwa 519 Millionen Euro an Grundsteuern eingenommen – ein Plus von 18 Millionen Euro, so das Statistikamt Nord. Seit 2025 gelten für die Festsetzung der Steuer neue Regeln. Knapp 67 Prozent der 12.878 in Hamburg geprüften Aufzüge hatten Mängel , das zeigt eine Auswertung des TÜV Nord für das Jahr 2025. Auch bundesweit weisen knapp zwei Drittel der Aufzüge geringfügige Mängel auf – häufig seien Defizite bei der Cybersicherheit der Grund. Die Zahl der Beratungen zu Lachgasvergiftungen ist im Vorjahr um 15 auf insgesamt 33 Beratungen gesunken. Das sagte der Sprecher des Giftinformationszentrums-Nord. Seit Anfang des Jahres ist der Verkauf von Lachgas an Minderjährige in Hamburg verboten. Seit Anfang März laufen beim NDR die Dreharbeiten für 13 neue Folgen der "Sesamstraße" . Auch diesmal werden die Puppen von Prominenten besucht: "Let's Dance"-Jurorin Motsi Mabuse (siehe Foto) tanzt mit Elmo, Komikerin Carolin Kebekus singt und "Checker Tobi" widmet sich den Blumen am Set. Die neue Staffel ist von Oktober an bei KiKA, dem NDR und in der ARD-Mediathek zu sehen. AUS HAMBURG Das Ziel: ein Leben mit weniger Papierkram Hamburg sieht sich als Vorreiter in einem der wichtigsten Projekte unserer Zeit, dem Abbau der Bürokratie. Warum das so mühsam ist, hat ZEIT-Redakteur Frank Drieschner aufgeschrieben; lesen Sie hier einen Auszug aus seinem Artikel. Es geht um den Antrag auf Elterngeld (Z+) , der sich aus einem vierseitigen Formular zu einem 34-seitigen Online-Albtraum fortentwickelt hat. Es geht um Speditionen, die für die Genehmigung eines Schwerlasttransports über eine einzige Kreuzung zweimal die Autobahngesellschaft um Erlaubnis bitten müssen – einmal in ihrer Eigenschaft als Straßenverkehrsbehörde und einmal in ihrer Eigenschaft als Baulastträgerin. Es geht um 35 unterschiedliche Bedeutungen des Worts "Einkommen" und um das, was Patrick Bernau, der Autor des Buchs Bürokratische Republik Deutschland , "pragmatische Illegalität" nennt: Behörden umgehen oder missachten die eigenen Vorschriften, weil sie nicht mehr praktikabel sind. Deutschland, diese Diagnose hört man auch von anderen Expertinnen und Experten, drohe an seiner Bürokratie zu ersticken. Der sogenannte Erfüllungsaufwand, also die Kosten der Beachtung von Dokumentations- und Meldepflichten, der Mitwirkung bei Kontrollen, der Einhaltung gesetzlicher Mindeststandards und anderer Regularien, beträgt bundesweit angeblich mehr als 16 Milliarden Euro im Jahr. Das schätzt der Normenkontrollrat, der die Bundesregierung in Fragen des Bürokratieabbaus berät. Nach anderen Angaben liegt der Betrag noch weitaus höher. Nun aber scheint sich etwas zu tun: Seit dem Regierungswechsel im Bund gibt es ein Bundesdigitalisierungsministerium , wenig später kamen eine Bundes- und eine Länderagenda zum Bürokratieabbau hinzu. Die Befreiung aus den Fesseln zunehmend komplizierter Verwaltungsprozeduren und Regularien wird gewöhnlich als Staatsmodernisierung bezeichnet. Sie ist das vielleicht wichtigste Projekt der Bundesregierung. Ob ein Bürokratie-TÜV die Erfindung unnötiger Regeln stoppen kann , lesen Sie in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) SCHON GELESEN? Superstar sucht Therapeutin Netflix hat eine Doku über Shirin David gedreht – ihre "nicht perfekten Seiten" wollte die Rapperin darin lieber nicht sehen. Ein bisschen blitzen sie dann doch auf. ZEIT-Autorin Berit Drießelkämpers Rezension von "Barbara – Becoming Shirin David" lesen Sie hier. → Zum Artikel (Z+) DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN Am kommenden Sonntag findet in der ehemaligen Viktoria-Kaserne, heute fux, wieder ein "Open Studios"-Tag statt. Mehr als 60 Kunstschaffende öffnen ihre Ateliers und geben Einblicke in ihre Arbeit – von Mode, Film, Fotografie, über Illustration bis zur freien Kunst. Die Frappant Galerie und Siebdruck-Werkstatt sind geöffnet, die fux Lichtspiele zeigen ein Filmprogramm. Zudem gibt es Führungen durchs Haus, eine barrierearme Führung ist um 14 Uhr. Für Kaffee und Kuchen sorgt die cantina fux. Open studios, 22.3., 11 bis 17 Uhr, fux Altona, Diren-Dede-Platz / Zeiseweg 9 MEINE STADT HAMBURGER SCHNACK Neulich in der Buchhandlung: "Ich kann Ihnen das Buch für Ihre Frau gern bestellen. Wie war noch gleich der Titel - ›Wie man seinen Ehemann umbringt‹?" Entsetzte Antwort: "Nein! Es heißt: ›Wie man seinen Ehemann NICHT umbringt‹." Gehört von Charlotte Heidtmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .