Zeit 12.03.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Für die Olympiavorbereitung hat der Senat plötzlich viel Geld übrig


Die Elbvertiefung am Donnerstag – mit schlechten Nachrichten für Bahnreisende, illegalem Kunsthandel und einer weiterhin exzellenten Universität

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Für die Olympiavorbereitung hat der Senat plötzlich viel Geld übrig
Liebe Leserin, lieber Leser, gestern hat der Senat bekannt gegeben, was Olympische Sommerspiele in Hamburg voraussichtlich kosten und was sie der Stadt einbringen könnten. Ergebnis: Aus Organisation und Durchführung der Spiele – was keineswegs die gesamten Kosten sind – könnte Hamburg mit einem kleinen Gewinn herauskommen. Das ist nicht so komplett abwegig, wie Skeptiker vielleicht vermuten. Natürlich gibt es die Fälle berüchtigter Fehlkalkulationen, etwa in Peking und Pyeongchang. Andererseits scheinen die Pariser Spiele 2024 jedenfalls bei den reinen Veranstaltungskosten halbwegs im kalkulierten Rahmen geblieben zu sein und erzielten wohl sogar einen kleinen Überschuss. 4,8 Milliarden Euro möchte der Senat für die Organisation und Durchführung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 ausgeben, 4,9 Milliarden Euro hofft er insgesamt einzunehmen. Nicht berücksichtigt sind allerdings die Ausgaben für Sportstätten, das olympische Dorf, den Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und derlei mehr. Dies seien, schreibt der Senat nun, "Zukunftsinvestitionen, die einen langfristigen Mehrwert für alle Hamburgerinnen und Hamburger schaffen", man könne die Ausgaben über gut zehn Jahre strecken. Und weiter: "Daraus ergeben sich jährliche durchschnittliche olympiabezogene Investitionen von etwas über 100 Millionen Euro, die sich in den ohnehin schon milliardenschweren Investitionshaushalt der Stadt gut integrieren lassen." Das ist, finde ich, ein bemerkenswerter Satz. Seit Monaten bereitet der Senat die Bürgerinnen und Bürger auf knappere und härtere Zeiten vor. Die Stadt spart an den Hochschulen, bei der Jugendsozialarbeit, bei Parkbänken und Baumnachpflanzungen. Regelmäßig wendet sie sich vergeblich an den Bund mit der Bitte um Hilfe bei der Sanierung der maroden Kaikanten des Hafens, weil diese für ganz Deutschland wichtig seien. Und jetzt sind 100 Millionen Euro für zusätzliche olympiabezogene "Zukunftsinvestitionen" übrig, jahrelang, jedes Jahr aufs Neue? Jedenfalls wissen wir nun etwas besser, worüber wir Ende Mai beim Olympiareferendum abstimmen. Mehr dazu lesen Sie bei meiner Kollegin Annika Lasarzik . Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Frank Drieschner Was heute wichtig ist Die Bahnstrecke Hamburg-Berlin soll erst Mitte Juni wieder vollständig in Betrieb gehen – sechs Wochen später als geplant. Als Grund für die Verzögerung nennt die Bahn den strengen Winter dieses Jahres. Auch wer von Hamburg nach Hannover fahren will, braucht ab Mai mehr Zeit. Für die Modernisierung dieser Strecke werden die Abschnitte wegen der Verzögerungen der Streckensanierung zwischen Hamburg und Berlin nun stufenweise gesperrt, kündigte die Bahn an. Mitte Juli sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Nach dem tödlichen Arbeitsunfall eines 42-Jährigen am vergangenen Freitag im Hamburger Aurubis-Werk ist nun bekannt geworden, dass es schon Ende Februar zu einem schweren Unfall bei dem Kupferproduzenten kam. Der Polizei zufolge wurde ein Arbeiter auf einem Kran durch Quetschungen lebensgefährlich verletzt. In Hamburg wurden 2025 mehr als 1.300 öffentliche Ladepunkte für E-Fahrzeuge installiert – das Tempo des Ausbaus hat sich im Vergleich zu 2024 nahezu verdoppelt, zeigt eine Statistik der Bundesnetzagentur. Insgesamt gibt es knapp 5.000 Ladepunkte in der Stadt. Bis 2030 sollen es etwa 10.000 werden. Wegen ihrer Beteiligung an einer Spendensammlung für den Fortbestand der Terrormiliz IS hat das Oberlandesgericht in Hamburg vier Angeklagte mit russischer Staatsangehörigkeit zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Nachricht des Tages Die Uni Hamburg darf sich sieben weitere Jahre "Exzellenzuniversität" nennen . Das gab ein Gremium aus Wissenschaftsrat und Deutscher Forschungsgemeinschaft gestern Abend bekannt. Auf die zehn Hochschulen, die diesen Titel tragen, verteilen Bund und Länder jedes Jahr 148 Millionen Euro – zusätzlich zur Förderung der besonders vielversprechenden vier "Exzellenzcluster", die der Uni Hamburg bereits im vergangenen Jahr bewilligt wurden . Überschattet wurde die Feierstimmung im Audimax gestern von der Sorge angesichts von Einsparungen, die trotz des Millionensegens drohen. Aktuell gilt an der Uni eine interne Sparvorgabe von 4,5 Prozent. Viele fürchten, dass diese noch deutlich verschärft wird, wenn Senat und Bürgerschaft den nächsten Haushalt beschließen. Von bis zu 20 Prozent an einzelnen Fakultäten ist die Rede. "Viele von uns fragen sich, wie wir unserem Anspruch als Top-Uni gerecht werden können", sagte Johanna Baehr, die den Exzellenzcluster zur Klimaforschung leitet. "Dieser große Erfolg fällt in eine schwierige Zeit", räumte auch Uni-Präsident Hauke Heekeren ein, den unser Foto zeigt. Bürgermeister Peter Tschentscher wandte sich in einem vorab aufgenommenen Videogrußwort an die versammelten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zur finanziellen Situation der Uni verlor er kein Wort. Oskar Piegsa Aus Hamburg Alles nur geraubt? Eine Kleopatra-Büste und eine Tutenchamun-Stele: Ein Geschwisterpaar aus Hamburg soll mit Raubkunst Millionen verdient haben. Gerichtsreporterin Elke Spanner war beim Prozessauftakt dabei. Lesen Sie hier einen Ausschnitt ihres Artikels. 2018 ging ein Foto von Kim Kardashian um die Welt. Die Influencerin posiert darauf im New Yorker Metropolitan Museum of Art neben einem goldenen Sarkophag und trägt dabei selbst ein langes goldenes Kleid. Das Foto bekam auch ein New Yorker Staatsanwalt zu sehen, der sich mit illegalem Antiquitätenhandel beschäftigte. Dem viralen Foto folgte ein Skandal. Der Staatsanwalt erkannte das antike Exponat wieder: Der goldene Sarg des ägyptischen Priesters Nedjemankh aus dem ersten Jahrhundert vor Christus war 2011 gestohlen worden. Während der Revolution in Ägypten hatten Kriminelle den Sarg ausgegraben und weiterverkauft. Die New Yorker Fahnder stießen nach umfangreichen Ermittlungen auf ein weltweites Kunsträubernetz, und schnell war klar: Es ging um mehr als den Sarg des Priesters Nedjemankh. Aus Ägypten waren noch mehr antike Kulturgüter herausgeschafft und weltweit verkauft worden. Die US-amerikanischen Ermittler schickten die Ermittlungsdaten ans deutsche Bundeskriminalamt, denn es führten auch Spuren nach Deutschland. So fanden sich darin etwa die Namen eines Geschwisterpaares aus Hamburg. So kommt es, dass am vergangenen Dienstagmorgen Abraham S. und Alice S. im Hamburger Landgericht auf der Anklagebank sitzen. Er ist angeklagt wegen Hehlerei und Betrugs, sie wegen Geldwäsche. Wie viel Geld Abraham S. mit den Verkäufen verdient haben soll und wie seine Verteidigung argumentiert, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? "Jetzt ist richtig viel Platz!" In der Ostsee ist so wenig Wasser wie seit 140 Jahren nicht mehr. Der Meeresforscher Michael Naumann sieht darin eine große Chance. ZEIT-Autorin Lucy Krille hat mit ihm gesprochen. → Zum Artikel (Z+) Das könnte Sie interessieren Am kommenden Sonntag lädt das Museum am Rothenbaum zu "Cool Japan – Alles über Samurai" ein. Das umfangreiche Programm bietet vielfältige Einblicke in die Kultur Japans und widmet sich in diesem Jahr besonders der Welt der Samurai. Zu sehen ist unter anderem eine eindrucksvolle Rüstung, mit Erläuterungen zu ihrer Restaurierung. Außerdem auf dem Programm: Bastelworkshops, Kamishibai‑Papiererzähltheater für Kinder und Familien, eine Vorführung der Speerkampfkunst sowie der Stummfilmklassiker "Orochi". "Cool Japan – Alles über Samurai" , 15. März; 11 bis 18 Uhr; Museum am Rothenbaum; Rothenbaumchaussee 64 Meine Stadt Hamburger Schnack Mit einer kleinen Gruppe am Tisch in einem gutbürgerlichen Restaurant mit freundlicher Bedienung. Wir haben unser bestelltes Essen zügig erhalten und auch schon alle probiert. Die aufmerksame Servicekraft kommt erneut an unseren Tisch und erkundigt sich, ob es uns schmeckt. "Ja, sehr", antwortet mein Mann. "Möchten Sie probieren?" Gehört von Marilies Brinkmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .