Zeit 14.08.2026
06:00 Uhr

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Warum der Wirt nicht bei den Gästen sitzen sollte


Die Elbvertiefung am Freitag – Mit der Syltroman-Autorin Claudia Thesenfitz, Hilferufen aus dem Dachgeschoss und warum Brunsbüttel ein Ziel von Saboteuren sein könnte

Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Warum der Wirt nicht bei den Gästen sitzen sollte
Liebe Leserin, lieber Leser, neulich stand ich vor einem Lokal, wollte schon reingehen und machte dann kehrt. Ein Grund war das Eigenlob auf der Karte – alles wäre »erlesen« und »köstlich«, war dort zu lesen. Das heißt meist das Gegenteil. Was mich aber wirklich verschreckte, war der Umstand, dass der Chef bei einem Getränk an einem der Tische saß. Seitdem grübele ich darüber, warum mich das so störte. Der Mann hat doch wohl das Recht, sich eine Pause zu gönnen. »Aber nicht vor den Gästen!«, sagt etwas in mir. Und ich weiß, viele Köche und Wirte denken ähnlich. Es gibt Leute in dieser Branche, die ich schon seit Jahren kenne, aber nur von unten. Nach dem Essen kommen sie an meinen Tisch, und wir plaudern eine Weile. Doch niemals würden sie sich auf den Platz mir gegenüber setzen. Das sei eine Schwelle, erklärte mir einer; die wolle er nicht überschreiten. Früher, als ich das noch nicht wusste, lud ich manche dazu ein. Ist ja komisch auf die Dauer, dieser Höhenunterschied. Da saßen sie dann auf einer Pobacke, nervös wie Schwarzfahrer. Der Blick huschte durch den Raum: Sind alle versorgt? Bekommt das Team mit, dass der Chef sich eine Auszeit nimmt? Es gibt natürlich auch andere Typen. Wenn der letzte Hauptgang serviert ist, lassen sie sich bei ihren Stammkunden nieder und winken dem Service: Schampus für alle! Wenn ich sowas mitbekomme, macht es mich immer maulig. Nicht aus Neid um den Champagner, sondern weil solche Auftritte mich einer eitlen Illusion berauben. Als Restaurantgast will ich glauben, dass ich in der Nahrungskette gerade ganz oben stehe. Dass alle daran arbeiten, mein Wohlbefinden zu steigern. Das geht nicht mehr, wenn der Chef neben mir den Platzhirschen macht. Eine Ausnahme allerdings kennt mein Chef-muss-stehen-Fimmel. Man sieht das manchmal nach Küchenschluss in asiatischen Lokalen: Das ganze Team lässt die Arbeit ruhen und isst gemeinsam, teils recht üppig, an einem der freien Tische. Das finde ich so heimelig, dass ich mich am liebsten dazusetzen würde. Doch diese Schwelle sollte man wohl wirklich nie überschreiten. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag! Ihr Michael Allmaier Was heute wichtig ist Das Bäderland verlängert die Öffnungszeiten mehrerer Freibäder . Die Freibäder Osdorfer Born, Marienhöhe und Neugraben öffnen heute eine Stunde früher und schließen eine Stunde später. Am Samstag öffnen diese drei Bäder ebenfalls eine Stunde früher. Ob sie am Abend auch länger geöffnet bleiben, hängt vom Wetter ab. Das Freibad Finkenwerder (hier im Bild zu sehen) öffnet am Freitag eine Stunde früher. Wegen unerträglicher Hitze in ihren Wohnungen suchen Hamburger häufiger Rat beim Mieterverein. Stefan Schmalfeldt, Leiter der Rechtsabteilung des Mietervereins zu Hamburg, sagt, den Verein hätten in diesem Jahr rund 120 Anfragen erreicht – häufig von Mietern in Dachgeschosswohnungen. Die Hamburger Reederei Hapag-Lloyd will ihre Fahrten durch das Rote Meer und den Suezkanal langsam wieder hochfahren . Die Lage dort sei inzwischen etwas besser als zu Beginn des Jahres, sagte Reedereichef Rolf Habben Jansen. Hapag-Lloyd werde die Sicherheitslage aber sehr genau beobachten. Auf den Bahnstrecken in Hamburg und Schleswig-Holstein kommt es am Wochenende zu einigen Zugausfällen und Fahrplanänderungen . Vom Samstag um 18:45 Uhr bis Sonntag um 10 Uhr kommt es zu Ausfällen auf der Linie RE6X zwischen Altona und Husum. Am Sonntag fallen ganztägig der RE7 zwischen Hauptbahnhof und Pinneberg, der RE70 zwischen Hauptbahnhof und Neumünster und die Linie RE6 zwischen Altona und Elmshorn aus. Die Wasserschutzpolizei hat am vergangenen Wochenende einen Tag lang Sportboote und Hafenfähren kontrolliert . Die Beamten leiteten 16 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten ein, unter anderem gegen den Schiffsführer einer Hafenfähre, der an den Landungsbrücken 278 statt der erlaubten 250 Passagiere an Bord genommen hatte. Gegen einen Kanufahrer erstatteten die Beamten Anzeige wegen des Verdachts auf Trunkenheit im Schiffsverkehr. Ein Atemalkoholtest ergab bei ihm einen Wert von 1,37 Promille. Aus Hamburg »Jetzt denkst du dir mal das Allerbescheuerteste aus, was geht.« Die Hamburgerin Claudia Thesenfitz schreibt Romane über Frauen, die auf Sylt ihr Glück finden – und versteht sie als feministische Mutmacher. ZEIT-Autor Christoph Twickel hat sie getroffen; lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview. DIE ZEIT: Frau Thesenfitz, wie sind Sie darauf gekommen, Syltromane zu schreiben? Claudia Thesenfitz : Ich bin ein absolutes Bücherhallenkind. Kaum, dass ich lesen konnte, habe ich mir dort rucksackweise Bücher ausgeliehen. Ich wollte schon mit neun Jahren Romane schreiben. Das Problem war nur: Ich komme zwar aus dem Journalismus und habe als freie Autorin für verschiedene Magazine geschrieben. Artikel und Kurzgeschichten waren kein Problem, aber für die Langstrecke von mindestens 250 Seiten fiel mir einfach nichts ein. Eines Morgens habe ich mich dann unter die Dusche gestellt, und mir zur Lockerung vorgenommen: Jetzt denkst du dir mal das Allerbescheuerteste aus, was überhaupt nur geht. Um dich gedanklich zu befreien. ZEIT: Und das Allerbescheuerteste war eine Frau, die nach Sylt fährt, um sich einen Millionär zu angeln? Thesenfitz: Ja, das war die Geschichte zu Sylt oder Selters , meinem Debütroman. Eine Frau zeltet auf dem Campingplatz in Kampen, das fand ich so schön absurd. Ich wollte vor allem die Diskrepanz zwischen diesem Campingplatz und der Schlumpfhausen-Bullerbü-Welt in Kampen beleuchten. Das Buch sollte eigentlich Zelten unter Millionären heißen. Ich wollte gar keinen Syltroman schreiben, es sollte eher ein lässiges Hardcover werden. Aber der Ullstein-Verlag ist sofort drauf angesprungen. Die zuständige Lektorin fand das eine »frische neue Geschichte«. ZEIT: Offenbar haben Sie eine Marktlücke im Segment der »Syltromane« gefunden. Ihr Debüt hat sich über 100.000-mal verkauft. Thesenfitz: Das war unbeabsichtigt. Ich wollte authentisch schreiben, ehrlich und frech, so wie Joachim Meyerhoff, Caroline Wahl oder Juli Zeh – ohne mich mit denen vergleichen zu wollen. Sonst sind Syltromane ja oft schwülstige Liebesgeschichten zwischen Heckenrosen und Hörnum. Ich wähle eher Antithemen für meine Bücher: Frauen mit Angststörungen, Wechseljahresbeschwerden oder Körperscham. Ich habe alles genommen, was man eigentlich nicht im Urlaubsbuch auf Sylt thematisiert. Gerade das kam anscheinend ganz gut an. Wie Sylt der heimliche Protagonist von Thesenfitz Romanen wurde , lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+) Schon gelesen? Drohnen? »Die fliegen immer hier lang« Chemieanlagen, Flüssiggas, eine Ölpipeline: Wenn man Deutschland empfindlich treffen will, dann ist Brunsbüttel an der Elbmündung ein guter Ort. Drohnen kreisten hier schon oft. Christoph Heinemann und Tom Kroll sind der Sache nachgegangen. → Zur Reportage (Z+) Darauf können Sie sich freuen Im Rahmen des Pride Month in Hamburg kann man im Museum der Natur in einer Rallye per QR-Codes an acht Stationen etwas über die queere Welt in der Natur erfahren. Weitere Informationen zur Rallye gibt es vor Ort. Ab 7 Jahren »Queere Tiere« Meine Stadt Hamburger Schnack Neulich beim Friseur – neben mir wird ein 5-Jähriger gefragt, was für einen Haarschnitt er möchte. Die Antwort kommt prompt und laut: »Eine Glatze!«, etwas leiser hinterher, »wie Papa.« Gehört von Marilies Brinkmann Das war die Elbvertiefung, der tägliche Hamburg-Newsletter der ZEIT. Wenn Sie möchten, dass er täglich um 6 Uhr in Ihrem Postfach landet, können Sie ihn hier kostenlos abonnieren .