Zeit 30.05.2026
15:45 Uhr

FDP-Parteitag: Strack-Zimmermann kandidiert gegen Kubicki für FDP-Parteivorsitz


Überraschung auf dem FDP-Parteitag: Marie-Agnes Strack-Zimmermann bewirbt sich um den Parteivorsitz. Zuvor war Wolfgang Kubicki einziger Kandidat gewesen.

FDP-Parteitag: Strack-Zimmermann kandidiert gegen Kubicki für FDP-Parteivorsitz
Die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat auf dem FDP-Parteitag in Berlin überraschend angekündigt, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Sie wurde von 33 Delegierten schriftlich vorgeschlagen, womit laut FDP-Parteisatzung das Quorum für eine spontane Kandidatur auf dem Parteitag erfüllt war. Zuvor war davon ausgegangen worden, dass Wolfgang Kubicki der einzige Bewerber für das Amt sein würde . Kubicki dankte der 68-jährigen Strack-Zimmermann für ihre Kandidatur. Er freue sich darüber, »dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen«, sagte der 74-Jährige. Strack-Zimmermann ist seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments und dort Vorsitzende des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses. Zuvor saß sie für die FDP im Bundestag. Sie ist Mitglied des FDP-Parteipräsidiums. »Wir predigen Meinungsfreiheit – fordern aber intern Meinungsgleichheit« In ihrer Rede warb Strack-Zimmermann für Wettbewerb – auch für parteiinternen. »Wie sollen wir glaubhaft für mehr Wettbewerb einstehen, wenn wir selbst nicht danach handeln?«, fragte sie die mehr als 600 Delegierten im Berliner Hotel Estrel. Dabei richtete sie sich auch mit deutlicher Kritik an die Partei: »Wir lieben den Wettbewerb – solange er nicht stattfindet. Wir fordern, dass Leistung sich lohnt – solange es nicht zu unbequemen Kandidaturen kommt. Wir predigen Meinungsfreiheit – fordern aber intern Meinungsgleichheit.« Aufgabe der FDP sei es, den Menschen zu zeigen, dass sie einen Plan für die kommenden Jahre habe und nicht nur eine Meinung zu den vergangenen Jahren. »Wir müssen die Gestaltungspartei sein und nicht nur die Kommentierungspartei«, sagte Strack-Zimmermann. Der bisherige stellvertretende Parteivorsitzende Kubicki gilt in der FDP als Rechtsliberaler, Strack-Zimmermann steht eher für eine sozialliberale Ausrichtung. Die beiden gelten parteiintern seit Langem als Kontrahenten. Die Abstimmung der Delegierten soll im Laufe des Nachmittags erfolgen. Der Kampf gegen die Fünf-Prozent-Hürde Kubicki und Strack-Zimmermann bewerben sich um die Nachfolge des zurückgetretenen FDP-Chefs Christian Dürr. Dieser war vor rund einem Jahr nach dem Ausscheiden der Liberalen aus dem Bundestag zum Parteivorsitzenden gewählt worden. Unter Dürr verlor die FDP jedoch weitere Wahlen und verpasste den Wiedereinzug in die Landtage in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. In der Folge traten Präsidium und Bundesvorstand zurück. Schon im Herbst warten große Herausforderungen auf die neue Parteiführung. Erste wichtige Aufgaben sind die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September. In allen drei Ländern liegt die FDP aktuell in den Meinungsumfragen bei unter fünf Prozent. Im April kommenden Jahres stehen zudem die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen an. Die FDP ist nur noch in sechs von 16 Landesparlamenten vertreten und lediglich an einer Landesregierung beteiligt, in Sachsen-Anhalt.