Zeit 15.03.2026
15:45 Uhr

Frankreich: Erste Runde der französischen Kommunalwahlen gestartet


Bei der Kommunalwahl in Frankreich bestimmen die Wahlberechtigten indirekt ihre neuen Bürgermeister. Gegen Mittag lag die Wahlbeteiligung bei etwa 19 Prozent.

Frankreich: Erste Runde der französischen Kommunalwahlen gestartet
In Frankreich sind die Bürgerinnen und Bürger seit dem Morgen zur ersten Runde der Kommunalwahlen aufgerufen. Die Abstimmungen in rund 35.000 Städten und Gemeinden, darunter auch in der Hauptstadt Paris, gelten als wichtiger Stimmungstest für die Präsidentschaftswahl im April 2027. Im Fokus steht dabei das Abschneiden des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN). Gegen Mittag lag die Wahlbeteiligung unter den rund 49 Millionen Stimmberechtigten bei etwa 19 Prozent . Damit war die Beteiligung um einen Prozentpunkt über dem vergleichbaren Wert im ersten Wahlgang der Kommunalwahlen 2020 ⁠während der Coronapandemie. 2014 waren es noch 23 Prozent Wahlbeteiligung gewesen. Die Wahllokale ​schließen um 20 Uhr – erste Ergebnisse werden bereits kurz danach veröffentlicht. In allen Städten, in denen keine Liste mehr als 50 Prozent der ‌Stimmen ⁠erhält, findet am 22. März eine zweite Runde ​statt. Die Wahlberechtigten bestimmen die Gemeinde- und Stadträte und damit indirekt ihre Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Wahl könnte wegweisend für RN sein Der RN könnte seine wachsende Popularität auch auf Gemeindeebene beweisen und einige Siege holen. Dies würde die Präsidentschaftskampagne der rechtspopulistischen Partei für 2027 bestärken. "Wenn die Menschen in Marseille eine mutige Wahl treffen (...), wird das die Franzosen ermutigen und ihnen die Augen für die Entscheidung öffnen, die sie im nächsten Jahr treffen werden", sagte etwa Franck Allisio, der RN-Kandidat in der zweitgrößten Stadt Frankreichs, der Nachrichtenagentur Reuters. Umfragen zufolge ⁠liegt Allisio in der ersten Runde gleichauf ​mit dem amtierenden sozialistischen Bürgermeister Benoît Payan. Zu den weiteren Zielen des RN ‌gehören das südfranzösische Toulon und Menton an der Riviera. Die Wahlen sind eigentlich auf lokale Themen ausgerichtet – dennoch legen die Wählerinnen und Wähler Umfragen zufolge vor allem Wert auf das Thema Sicherheit . Der RN betont diese Thematik immer wieder. Derzeit werden in Frankreich 14 Kommunen von Rechtspopulisten geführt. Sollte der RN besser abschneiden als bei der Kommunalwahl 2020, wird dies dem Präsidentschaftskandidaten der Partei den Rücken stärken – wer das ist, ist wegen Marine Le Pens laufendem Verfahren noch offen. Wichtig wird dabei auch die Frage sein, welche Bündnisse zwischen den beiden Wahlgängen geschlossen werden und ob die anderen Parteien Bündnisse mit der extremen Rechten erneut ausschließen. Offen ist auch, ob die etablierten linken Parteien Bündnisse mit der Linkspartei La France Insoumise (LFI) eingehen werden. Bürgermeisterwechsel in Paris Ein personeller Wechsel steht in Paris an: Die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo , die sich mit ihrer Partei überworfen und eine sehr grüne Politik in der Hauptstadt umgesetzt hat, tritt nicht mehr an. Der sozialistische Kandidat Emmanuel Grégoire liegt in Umfragen vorn, bekommt aber Konkurrenz von der konservativen Ex-Kulturministerin Rachida Dati. Diese muss sich allerdings ab September wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht verantworten. Zu den prominenten Kandidaten zählt der Mitte-rechts stehende Ex-Premierminister Édouard Philippe in Le Havre, der bereits die Präsidentschaftswahl 2027 im Auge hat. Im südfranzösischen Menton tritt Louis Sarkozy an, Sohn des konservativen und mehrfach verurteilten Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy. Für die erste Runde der Wahlen wurden nach Angaben des französischen Innenministeriums 50.478 Listen mit insgesamt 904.042 Kandidierenden zugelassen. Die Kommunalwahlen in Frankreich sind Direktwahlen – die Französinnen und Franzosen wählen also ihre kommunalen Vertreterinnen direkt. Die Bürgermeister werden allerdings nicht von den Wählenden, sondern von den Kommunalparlamenten bestimmt.