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16.08.2026
13:53 Uhr
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12.500 Hitzetote zählt das RKI für dieses Jahr. Fachleute halten die Zahl für zu niedrig angesetzt und warnen vor Zuständen in Pflegeheimen.

Patientenschützer haben angesichts der steigenden Opferzahl der Hitzewelle gefordert, Hitze künftig auf Totenscheinen als Todesursache zu vermerken. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, sagte der Rheinischen Post, den Folgen des Klimawandels müsse »endlich ein Gesicht gegeben werden«. Das Robert Koch-Institut (RKI) bezifferte die Zahl der Hitzetoten für das laufende Jahr zuletzt mit 12.500. Brysch und der Verband der Intensivmediziner vermuten jedoch eine hohe Dunkelziffer; die Gewerkschaft Ver.di warnte zudem vor »dramatischen« Zuständen in Pflegeheimen. Brysch kritisierte, das RKI berechne die Zahl der Hitzetoten derzeit »mithilfe von statistischen Modellrechnungen und künstlicher Intelligenz«. Dadurch blieben die genauen Zahlen unklar. Auf Totenscheinen müsse künftig festgehalten werden, ob ein Hitzetod im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause eingetreten sei. Nur so würden »die Konsequenzen einer auf die klimatischen Veränderungen unvorbereiteten Regierung schonungslos offengelegt«. Auch Uwe Janssens, medizinischer Geschäftsführer der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, hält die RKI-Schätzung für zu niedrig. Auf Totenscheinen hochbetagter Verstorbener stehe häufig Organversagen, sagte Janssens den Funke-Zeitungen. Hitze habe in solchen Fällen aber oft klar mitgewirkt. Die Statistik bilde deshalb »nicht die gesamte Dramatik« ab; er gehe von »sicherlich mehreren Tausend Todesfällen mehr« aus. Gerade sehr alte Menschen hätten häufig kein ausgeprägtes Durstempfinden mehr, sagte Janssens. Sie bemerkten nicht, dass sie Flüssigkeit verlören, und könnten nicht gegensteuern. »Die Menschen schlafen ein und werden einfach nicht mehr wach. In der Regel versagt die Niere, weil die Menschen austrocknen.« Solche hitzebedingten Fälle würden in der Statistik nicht erfasst. Hitze führt nur selten unmittelbar zum Tod. Meist kommen hohe Temperaturen und Vorerkrankungen zusammen, etwa Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Nierenerkrankungen. Auch deshalb wird Hitze bislang nicht als Todesursache auf Totenscheinen angegeben und erscheint nicht in der Todesursachenstatistik. Forderungen nach Investitionen und Regeln Janssens warf Bundes- und Landesregierungen Untätigkeit vor. Kaum eine Notaufnahme sei klimatisiert. Die Ausstattung eines Zimmers koste 15.000 bis 20.000 Euro, sagte er. Auf ein ganzes Gebäude hochgerechnet könne das keine Klinik allein finanzieren. Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis forderte umfangreiche staatliche Investitionen in den Hitzeschutz. Nötig seien Verschattung, sommerlicher Wärmeschutz, energetische Sanierung und dort, wo es erforderlich sei, moderne und energieeffiziente Kühlung. Hitzeschutz sei auch eine Frage sozialer Gerechtigkeit, sagte Pantazis: Hitze treffe alle, aber nicht alle gleich. Ver.di stellte eine Befragung von 321 Pflegekräften und anderen Beschäftigten in Pflegeeinrichtungen vor. Demnach erleben viele Beschäftigte und Bewohnerinnen und Bewohner in diesem Sommer Temperaturen, die gegen Arbeitsschutzgesetze verstießen und gesundheitsgefährdend seien. Ver.di-Vorstandsmitglied Sylvia Bühler sprach von teils »erschreckenden Zuständen«. Temperaturen von bis zu 45 Grad in einigen Pflegeheimen seien für Beschäftigte unerträglich und könnten für Bewohnerinnen und Bewohner lebensgefährlich sein. Elf Prozent der Befragten berichteten von Kreislaufzusammenbrüchen bei Bewohnerinnen und Bewohnern, zehn Prozent von Dehydrierung und neun Prozent von Todesfällen, die mutmaßlich mit der Hitze zusammenhingen.