|
06.10.2026
18:28 Uhr
|
In Babyn Jar ermordeten deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg fast 34.000 Juden. Bundesfamilienministerin Prien nahm dort mit Präsident Selenskyj am Gedenken daran teil.

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat bei ihrem Kyjiw-Besuch gemeinsam mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an einer Veranstaltung zum Gedenken an das Massaker von Babyn Jar teilgenommen. Nahe Kyjiw hatten deutsche Truppen am 29. und 30. September 1941 gemeinsam mit Soldaten, Polizisten und SS-Männern 33.771 jüdische Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt erschossen. »Erinnerung bedeutet Verantwortung – und diese Verantwortung vergeht nicht, niemals«, sagte Prien in Babyn Jar. Den Mord an Zehntausenden Jüdinnen und Juden bezeichnete sie als »bis heute unfassbares Verbrechen zu Beginn der Schoah«. Im Beisein zahlreicher Gäste, darunter auch Vertreter Israels und der israelischen Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, erinnerte die Ministerin an ihre eigenen jüdischen Wurzeln: »Auch ich habe Verwandte in der Schoah verloren.« Selenskyj hatte sich bereits beim 85. Jahrestag des Verbrechens Ende September dazu geäußert. »Diese Tragödie erinnert uns daran, wie schmerzhaft es ist, Angehörige und nahestehende Menschen zu verlieren, und wie sehr der Wert des menschlichen Lebens insgesamt herabgewürdigt werden kann«, sagte der Staatschef, der seit seiner Wahl 2019 der erste jüdische Präsident der Ukraine ist. Prien bezog sich in ihrer Rede bei der Gedenkveranstaltung auf den laufenden russischen Krieg gegen die Ukraine . Es sei »von großer Bedeutung«, dass man des Verbrechens von Babyn Jar gedenke, »(wir) aber eben auch immer zugleich Verantwortung übernehmen für das, was heute ist, und das, was morgen sein wird – und das an einem Ort hier in Kyjiw, an dem heute ein Volk wieder um sein Überleben kämpft.« Im März 2022, kurz nach Beginn der russischen Invasion, war die Gedenkstätte von Babyn Jar von einem russischen Raketenangriff auf den nahegelegenen Kyjiwer Fernsehturm betroffen gewesen . Prien angesichts von AfD-Wahlerfolgen um Erinnerungskultur besorgt Vor der Veranstaltung hatte die CDU-Politikerin bereits im Zentrum Kyjiws der getöteten ukrainischen Soldaten gedacht sowie in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus einen Stolperstein verlegt. Der Stein erinnert an den Historiker Illya Galant, der zu den Opfern von Babyn Jar gehörte. Bei der Gedenkveranstaltung in Babyn Jar ging Prien auch auf die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Präsidenten des Landtags von Sachsen-Anhalt ein. Rausch wurde an diesem Dienstag gewählt und erhielt dabei mutmaßlich auch Unterstützung von einzelnen Abgeordneten der CDU. Auf eine Frage nach der Wahl Rauschs sagte Prien, es sei »sehr bedrückend, auch und nicht nur für Jüdinnen und Juden in Deutschland, dass ein Vertreter einer gesichert rechtsextremistischen Partei in Sachsen-Anhalt heute dort gewählt worden ist.« Man werde in Deutschland »sehr darum kämpfen müssen«, dass die Erinnerungskultur »unabhängig von den Wahlergebnissen in den einzelnen Bundesländern weiter den Stellenwert und die Funktion hat, die es haben muss in einem Land der Täter, die genau dieses Verbrechen hier in Babyn Jar begangen haben«, sagte Prien.