Zeit 19.03.2026
13:35 Uhr

Klimawandel: Deutschland wird wohl in zehn Jahren keine Gletscher mehr haben


In zwei Jahren haben die letzten Gletscher in Deutschland mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren. In den 2030er-Jahren wird von ihnen wohl nichts mehr übrig sein.

Klimawandel: Deutschland wird wohl in zehn Jahren keine Gletscher mehr haben
Voraussichtlich in den 2030er-Jahren wird Deutschland gletscherfrei sein. Nach neuen Untersuchungen haben die vier letzten deutschen Gletscher innerhalb von nur zwei Jahren mehr als ein Viertel ihrer Fläche verloren. Beim Blaueisgletscher und beim Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Bergen waren es zwischen 2023 und 2025 sogar jeweils rund 45 Prozent. Das ergab eine Vermessung durch den Geografen Wilfried Hagg von der Hochschule München und den Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW). Eine Million Kubikmeter Eis schmolzen insgesamt ab. Die Vereinten Nationen warnten bereits vor den verheerenden Auswirkungen der Gletscherschmelze auf die weltweite Wasserversorgung. Gletscher speichern demnach etwa 70 Prozent der globalen Frischwasservorräte. Ihr Erhalt sei daher nicht nur aus ökologischen Gründen nötig, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo: "Es ist eine Frage des Überlebens." Klimawandel als Hauptursache Auch bei der Dicke des Eises zeigt sich: Der Gletscherschwund hat sich rapide beschleunigt . Die Eisdicke nahm im Schnitt um 1,6 Meter pro Jahr ab. Der Rückgang sei damit doppelt so hoch wie im vorangegangenen Untersuchungszeitraum von 2018 bis 2023. Damals seien die Gletscher pro Jahr um durchschnittlich 80 Zentimeter dünner geworden. Als Hauptursache gilt der Klimawandel . An der Zugspitze lag die Jahresdurchschnittstemperatur 2024 und 2025 mehr als zwei Grad Celsius über dem Durchschnitt der 125-jährigen Messreihe. Höllentalferner-Gletscher könnte sich am längsten halten "Wir sehen, dass die Gletscher inzwischen in einem rasanten Tempo abschmelzen", sagte Mayer. "Die Geschwindigkeit des Gletscherschwundes hat sich in den letzten Jahren verdoppelt." Die beiden Berchtesgadener Gletscher könnten sehr bald nicht mehr als Gletscher gelten – jedes Jahr könne es so weit sein. Der Höllentalferner im Zugspitzgebiet hielt sich wie schon in den Vorjahren am stabilsten, er verlor nur neun Prozent der Fläche. Er werde von Lawinen gespeist und sei durch hohe Felswände vor starker Sonneneinstrahlung geschützt, hieß es. Er könnte noch bis in die 2030er Jahre als Gletscher gelten, als letzter in Deutschland. Skilift wird abgebaut Der Nördliche Schneeferner unterhalb der 2.962 Meter hohen Zugspitze leidet stark unter der Klimakrise. Er wird den Angaben zufolge wohl bis Ende des Jahrzehnts verschwinden. Seine Fläche hatte sich zwischen 1980 und 2023 bereits mehr als halbiert; jetzt schrumpfte die Fläche binnen zwei Jahren um ein Viertel. Dort hat die Gletscherschmelze auch Folgen für den Skibetrieb. Ein auf dem Nördlichen Schneeferner gebauter Lift muss komplett abgebaut werden . Schon seit der Skisaison 2023/24 war dort kein Betrieb mehr möglich. Als erster von fünf Gletschern in Bayern hatte 2022 der Südliche Schneeferner den Status verloren.