|
18.08.2026
04:30 Uhr
|

Sachsen‑Anhalt wählt: 398 Kandidatinnen und Kandidaten versuchen, einen der mindestens 83 Plätze im Landtag zu gewinnen. Ein Blick auf die Bewerbungen der Landtagswahlen seit den 1990er‑Jahren zeigt, wie sich das Bewerberfeld verändert. Klar ist: Die Kandidaten sind seit jeher deutlich männlicher geprägt, wie eine Auswertung der Deutschen Presse-Agentur zeigt. Und einige Regionen dominieren deutlich. Bewerber Die Zahl der Kandidaten schwankt von Wahl zu Wahl. Ein wirklicher Trend lässt sich aus den Daten nicht ablesen. Am niedrigsten war die Bewerberzahl im Jahr 2011 mit 389 Bewerbungen, am höchsten bei der Wahl zum ersten Landtag von Sachsen-Anhalt 1990 mit 667 Bewerbungen. In den übrigen Jahren schwankte die Zahl zwischen 411 und 530 Bewerbern. Bei der anstehenden Landtagswahl am 6. September sind es 398 Kandidaten. Was allerdings über die Jahre auffällt: Die etablierten Parteien schicken immer weniger Bewerber ins Rennen. Bei CDU, SPD und Linken waren es von 1990 bis 2021 jeweils rund 50 Prozent weniger Kandidaten, bei der FDP sogar 67 Prozent. Bei der Wahl im September schickt die CDU 52 Kandidaten ins Rennen – und damit sieben weniger als 2021. Vor allem die AfD konnte seit dem ersten Antritt vor zehn Jahren immer mehr Bewerber ins Rennen schicken. Parteien Bei den Parteien fällt auf, dass das Feld zwischenzeitlich vielfältiger geworden ist. Bei den ersten drei Landtagswahlen bis 1998 traten 13, beziehungsweise 14, Parteien an. Bei der vergangenen Landtagswahl 2021 waren es schon 22. Dazu zählten dann aber auch Kleinstparteien wie Die Humanisten oder Klimaliste, die nur mit vier Kandidaten landesweit antraten. Im Herbst werden laut Statistischem Landesamt 16 Parteien zur Wahl antreten. Auffällig ist dabei auch, dass die Zahl der Bewerber, die für kleinere Parteien antreten, insgesamt seit Jahren rückläufig ist. In diesem Jahr treten knapp drei Viertel aller Kandidaten für eine der großen Parteien an. Regionale Verteilung Bei der vergangenen Landtagswahl 2021 stellten die etablierten Parteien mindestens einen Kandidaten aus jedem der 41 Wahlkreise im Land. Das ist auch in diesem Jahr der Fall. Damit haben Parteien wie CDU, AfD, SPD, Linke, FDP und Grüne flächendeckend aus allen Landkreisen Kandidaten ins Rennen geschickt. Relativ stabil geblieben ist der Anteil der Bewerberinnen und Bewerber aus den drei großen Zentren Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau. Knapp jeder dritte Bewerber kam zwischen 1994 und 2026 aus einer der drei Städte. Dabei gibt es allerdings teils große Unterschiede zwischen den Parteien. Während bei den Grünen, der FDP und den Linken mehr als 30 Prozent der Kandidaten aus den drei großen Zentren kommen, sind es bei der CDU 25 Prozent, bei der AfD lediglich 15 Prozent. Geburtsorte Wie schon die Linke 2021 spitzt auch das BSW in diesem Jahr den Wahlkampf auf das Thema Ost-West zu. Generell spielt das Thema «Heimat» im Wahlkampf häufig eine Rolle. Die Bewerberdaten zeigen, dass insgesamt mehr Kandidaten in Sachsen-Anhalt geboren wurden als bei vorherigen Landtagswahlen. 76 Prozent sind demnach im Land selbst geboren, weitere 13 Prozent stammen aus einem anderen ostdeutschen Bundesland. Alter Im Durchschnitt waren die Bewerber zu den Landtagswahlen zwischen knapp 46 und 47,8 Jahren alt. Dieser Trend ist über die Jahre relativ stabil geblieben. Lediglich bei der ersten Landtagswahl 1990 lag das Durchschnittsalter mit 42,3 Jahren etwas niedriger. Auch in diesem Jahr bewegt sich der Altersdurchschnitt mit 46,8 Jahren in einem ähnlichen Bereich. Der älteste Bewerber ist 80 Jahre alt, die jüngsten Bewerber sind 19 Jahre. Inzwischen steigt auch der Anteil der Kandidaten, die nach 1990 geboren wurden. Die Landtagswahl von 2011 war die erste, bei der drei Kandidaten nach 1990 geboren worden waren. In diesem Jahr sind es 95 Personen – und damit fast jeder Vierte. Geschlecht Der Anteil der Frauen, die für einen Sitz im Parlament kandidieren, lag bei den zurückliegenden Jahren relativ stabil: Etwa jede vierte Kandidatur kam von einer Frau. Bei der vergangenen Wahl 2021 stieg der Frauenanteil dann leicht auf 29,4 Prozent, in diesem Jahr liegt er wieder – ähnlich wie in den Jahren zuvor – bei etwa einem Viertel (26,9 Prozent). Vor allem die großen Parteien hatten den Frauenanteil seit 1990 immer weiter erhöht. So waren 1990 nur rund 15 Prozent der CDU-Kandidaten weiblich, 2021 waren es rund 27 Prozent. Auch bei SPD und Linken war die Entwicklung ähnlich. In diesem Jahr sank der Frauenanteil bei allen größeren Parteien mit Ausnahme der Grünen. Die AfD hat mit rund zwölf Prozent den geringsten Frauenanteil der größeren Parteien. Beruf Die beruflichen Angaben der 398 Landtagskandidaten zeigen ein breites Spektrum – wobei der größte Block unmittelbar aus dem Politikbetrieb kommt. Rund zwölf Prozent der Bewerber gaben als Beruf ein politisches Amt an, wie Ministerin, Abgeordneter oder Wahlkreismitarbeiter. Kein Wunder: 71 Prozent der bisher im Landtag vertretenen Abgeordneten bewerben sich nach Angaben des Statistischen Landesamtes erneut für ein Mandat. Darüber hinaus üben die Landtagskandidatinnen und -kandidaten die verschiedensten Berufe aus. Etwa 60 Kandidaten kommen aus dem Bereich Ingenieurwesen, Handwerk, Bau und Produktion. Es gibt etwa 25 Bewerberinnen und Bewerber, die im Gesundheitsbereich oder der Pflege arbeiten. Auch kaufmännische Berufe oder Finanzen haben mehrere Kandidaten angegeben, ebenso wie den Rechtsbereich, etwa Anwälte. Aber auch Studierende und Rentner sind unter den Kandidaten. © dpa-infocom, dpa:260818-930-544647/1