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11.08.2026
20:39 Uhr
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Erst gestern wurde im Libanon noch die Todesstrafe verhängt. Heute schaffte das Parlament sie ab. Justizminister Adel Nassar sieht darin eine historische Entscheidung.

Der Libanon hat als erstes Land im Nahen Osten die Todesstrafe abgeschafft. Nach Angaben des Büros des Parlamentspräsidenten wurde ein entsprechender Gesetzesentwurf nach Ergänzungen vom Parlament verabschiedet. Demnach sollen Kapitalverbrechen von nun an mit lebenslanger Haft und schwerer Zwangsarbeit geahndet werden. Die Todesstrafe ist bereits seit 2004 im Libanon nicht mehr vollstreckt worden, aber immer noch regelmäßig verhängt worden, zuletzt erst am Montag. Laut Amnesty International befanden sich im Januar noch 85 Insassen in Todeszellen. Die Entscheidung ist Teil einer Reihe von Gesetzesvorhaben, die in der laufenden Legislaturperiode erörtert werden sollen. Darunter ist auch eine Generalamnestie, über die seit Jahren gestritten wird. Türk fordert andere Länder auf, dem Beispiel zu folgen Der Justizminister Adel Nassar sprach von einer historischen Entscheidung. Bisher habe die im Libanon drohende Todesstrafe auch dazu geführt, dass die Auslieferung von Verdächtigen aus Ländern verhindert wurde, in denen Hinrichtungen verboten seien. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk rief andere Länder in der Region auf, dem Beispiel des Libanon zu folgen und die Todesstrafe ebenfalls abzuschaffen . Auch der Menschenrechtler Ramzi Kaiss von der Organisation Human Rights Watch äußerte sich positiv über die Entscheidung. Er nannte sie einen »Meilenstein für die Menschenrechte in dem Land, der einen klaren Bruch mit einer grausamen und willkürlichen Strafe darstellt, die niemals hätte verhängt werden dürfen«. Frankreich bezeichnete die Entscheidung ebenfalls als historisch und mutig. Das Parlamentsvotum zeige, dass das Land »ein Beispiel bleibe, mit seiner Fähigkeit, die demokratischen Werte und Freiheiten aufrecht zu halten, die die Grundlage seiner Existenz« bildeten, schrieb Außenminister Jean-Noël Barrot im Onlinedienst X. Eine ähnliche Einschätzung teilte die EU, die davon sprach, dass der Libanon »ein kraftvolles Beispiel für andere Länder in Nahost und anderswo« setze. 2025 vollstreckte der Iran 2.000 Hinrichtungen Im Nahen Osten wird die Todesstrafe noch regelmäßig verhängt und vollstreckt. Laut Amnesty International wurden allein im Iran im vergangenen Jahr mehr als 2.000 Menschen hingerichtet und in Saudi-Arabien mehr als 350. In Jordanien wurden im Juni sechs Männer gehängt, wegen der Tötung von Sicherheitsleuten. Das Land hatte die Todesstrafe zuvor für neun Jahre ausgesetzt. Auch Israel hat die Todesstrafe angewandt: 1948 gegen einen Offizier, der des Hochverrats beschuldigt worden war, und 1962, als der NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann gehängt wurde. Zu Beginn dieses Jahres verabschiedete das israelische Parlament ein umstrittenes Gesetz , das die Todesstrafe für Palästinenser vorsieht, die wegen tödlicher Anschläge verurteilt worden waren.