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17.03.2026
15:08 Uhr
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Die Taliban werfen Pakistan vor, eine Kabuler Suchtklinik attackiert und Hunderte Menschen getötet zu haben. Pakistan gibt an, nur militärische Ziele anzugreifen.

Nach einem mutmaßlichen Luftangriff auf eine Suchtklinik in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat Pakistan die Verantwortung dafür zurückgewiesen. Das afghanische Taliban-Regime verbreite eine Falschmeldung, schrieb der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar auf X: "Die Behauptung ist völlig haltlos." Pakistan habe bei Luftangriffen auf Afghanistan nur militärische Ziele attackiert, keine zivilen. Der Angriff auf die Omid Entzugsklinik soll sich am Montag ereignet haben . Die BBC berichtet unter Verweis auf Quellen in der Rechtsmedizin in Kabul, dass mehr als 100 Menschen bei dem Angriff getötet worden seien . Ein Sprecher des afghanischen Innenministeriums sagte Reportern, bei Angriffen seien 408 Menschen getötet worden, 265 seien verletzt. Die Angaben der beiden Konfliktparteien ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Auch die UN-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) schreibt, die Entzugsklinik sei von einem pakistanischen Luftangriff auf Kabul betroffen. Das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte forderte in Genf eine sofortige und unabhängige Untersuchung. Das Hochkommissariat betonte, dass Zivilisten laut humanitärem Völkerrecht besonders geschützt seien. Zudem sehe das Völkerrecht einen verstärkten Schutz für medizinische Einrichtungen vor. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich besorgt und nannte ebenfalls die Zahl von mehr als 400 Toten und mindestens 250 Verletzten. Die WHO arbeite daran, die Angaben zu verifizieren, schrieb WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X. Er rief alle beteiligten Parteien zur Deeskalation auf. Pakistan wirft Afghanistan Schutz von Terroristen vor Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan schwelt seit Jahren und ist im Februar erneut eskaliert . Pakistan wirft der Taliban-Regierung vor, die pakistanischen Taliban, Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), zu unterstützen und ihnen Schutz auf afghanischem Boden zu gewähren. Die TTP hatten in den vergangenen Jahren zahlreiche Anschläge in Pakistan verübt, vor allem im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet. Die afghanischen Taliban weisen dies jedoch entschieden zurück . Vermittlungsversuche ausländischer Akteure wie Katar oder China waren bisher vergebens. Nach Angaben der Unama wurden in dem Konflikt zwischen dem 26. Februar und Montag – vor dem Angriff auf das Krankenhaus – in Afghanistan mindestens 76 Zivilisten getötet. Afghanistan hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad. Die 2016 gegründete Entzugsklinik liegt im Osten von Kabul und bietet Platz für schätzungsweise 2.000 Patienten. Die BBC beschreibt das betroffene Areal als eine ehemalige US-Militäranlage. Die Taliban wandelten demnach die Anlage nach ihrer Machtübernahme 2021 in eine Klinik um. Drogenabhängige aus der Hauptstadt seien dorthin gebracht worden, berichtet der Sender.