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09.03.2026
14:28 Uhr
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Die EU-Kommission stuft die Energieversorgung trotz des Krieges im Iran als sicher ein. Wegen der hohen Preise wollen die G7-Staaten aber über Notfallreserven sprechen.

Die EU-Kommission sieht trotz des Irankriegs weiter kein "unmittelbares" Risiko für die Versorgung mit Öl und Gas in Europa. "Es gibt keinen unmittelbar bevorstehenden Engpass", sagte eine Kommissionssprecherin in Brüssel. Die EU-Staaten hätten derzeit ausreichend Öl in ihren Vorräten. "Wir sind weit weniger besorgt über die Versorgungssicherheit als über die hohen Energiepreise". Der Ölpreis war am Montag auf weit über 100 Dollar gestiegen . Auch bei der Gasversorgung sei die Lage "unter Kontrolle", fügte sie hinzu. Anders als während der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 sei die EU nun weniger abhängig von einzelnen Lieferanten, nur ein Bruchteil der Flüssiggas-Importe in die EU stamme aus den Golfstaaten. Die EU verpflichtet ihre Mitglieder, ständig Ölbestände vorzuhalten, die 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen. Die Versorgung sei deshalb sichergestellt, sagte die Sprecherin. Dies gelte auch für Ungarn und die Slowakei, die im Februar bereits ihre Vorräte angezapft hatten, nachdem eine Ölpipeline in der Ukraine beschädigt und stillgelegt worden war. Die Sprecherin bestätigte, dass die G7-Staaten bei einem virtuellen Treffen der Finanzminister über die mögliche Freigabe von Öl-Notfallreserven beraten wollen. Der französische Präsident Emmanuel Macron brachte das bereits ins Spiel. Das sei eine Option, die in Betracht gezogen werde, sagte er während eines Flugs nach Zypern zu anwesenden Journalisten. Auch ein Treffen der Staats- und Regierungschefs im Rahmen einer Telefon- oder Videokonferenz der G7 in dieser Woche sei denkbar. Frankreich hat aktuell den rotierenden Vorsitz in der Gruppe der G7 inne. Deutschland hatte Zahlen der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge im November vergangenen Jahres 34,42 Millionen Tonnen Öl auf Vorrat. Ein großer Teil davon ist Rohöl, das nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums vor allem in Norddeutschland gelagert wird. Diesel-, Benzin-, Heizöl- und Kerosinvorräte sind hingegen über das Bundesgebiet verteilt. Bundesregierung beobachtet Markt mit neuer Taskforce Die deutsche Bundesregierung hat die Preisentwicklung beim Öl laut Regierungssprecher Stefan Kornelius genau im Blick. Die Regierung werde aber im Voraus nicht bekannt geben, ab wann sie eingreife. "Eine Schwelle, wenn ich sie jetzt nenne, wäre marktrelevant, die würde die Spekulation nur beflügeln. Deswegen werde ich auch diese Schwelle nicht nennen", sagte Kornelius. Man habe eine Taskforce eingerichtet, an der etwa das Bundesfinanzministerium, Bundesnachrichtendienste, das Auswärtige Amt und das Bundeskanzleramt beteiligt seien. Dies zeige, dass man einen "sehr breiten Blick auf die Marktsituation" habe. Man verstehe die Besorgnis, die durch die stark gestiegenen Preise für Öl und Gas entsteht. "Aber über Spekulationen, was die Bundesregierung tut, kann ich hier keine Nahrung geben", sagte der Regierungssprecher. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich in Berlin besorgt über die Folgen der Energiepreise für die deutsche Wirtschaft. "Wir wissen, dass das möglicherweise durchschlägt, auch auf die Konjunktur in Deutschland", sagte der CDU-Vorsitzende. Aus diesem Grund "tun wir alles, um auch in der Energiepolitik unsere Unabhängigkeit zu erhöhen" und durch ein verbessertes Angebot die Energiepreise zu senken. Das sei jedoch eine Aufgabe, die sich nicht innerhalb von wenigen Tagen erledigen lasse.