Zeit 01.06.2026
01:57 Uhr

Präsidentschaftswahl in Kolumbien: Ultrarechter de la Espriella trifft in Stichwahl linken Cepeda


Der extrem rechte Anwalt Abelardo de la Espriella erhielt in Kolumbien die meisten Stimmen. In der Stichwahl tritt er gegen Iván Cepeda vom linken Regierungsbündnis an.

Präsidentschaftswahl in Kolumbien: Ultrarechter de la Espriella trifft in Stichwahl linken Cepeda
Bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien ziehen der ultrarechte Anwalt Abelardo de la Espriella und der linke Senator Iván Cepeda in die Stichwahl. Nach Auszählung von mehr als 97 Prozent der Stimmen führte der Anwalt und Geschäftsmann de ​la Espriella mit 43,7 ⁠Prozent, wie die nationale Wahlbehörde mitteilte. Cepeda kam ​demnach auf knapp 41 Prozent. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, ‌müssen ⁠die beiden Erstplatzierten am 21. Juni ​in einer zweiten Runde gegeneinander antreten. Der amtierende linke Präsident Gustavo Petro teilte am Sonntagabend mit, er erkenne das vorläufige Auszählungsergebnis ​nicht an und wolle das von Richtern geprüfte Endergebnis abwarten. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp über der Hälfte der rund 41 Millionen Wahlberechtigten. Umfragen zufolge dürfte Cepeda in der Stichwahl ⁠einen schweren ​Stand haben, da sich die Wähler und Wählerinnen des rechten ‌und der Mitte zuzuordnenden Lagers nun hinter de la Espriella vereinen könnten. Die relativ niedrige Wahlbeteiligung im ‌ersten Durchgang könnte beiden Kandidaten jedoch noch Spielraum bieten, zusätzliche Wähler zu mobilisieren. De la Espriella bewundert Donald Trump Der 47-jährige Anwalt und Geschäftsmann de la Espriella, der sich selbst als politischer Außenseiter bezeichnet und als »Tiger« inszeniert, bewundert US-Präsident Donald Trump, El Salvadors autoritär regierenden Präsidenten Nayib Bukele und Argentiniens rechtslibertären Regierungschef Javier Milei. Er hat eine harte Offensive gegen illegale bewaffnete Gruppen und den Bau von zehn Megagefängnissen angekündigt. Als Präsident wolle er mit Unterstützung der USA mit Luftangriffen gegen bewaffnete Gruppen vorgehen, kündigte er während des Wahlkampfs in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP an. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses kündigte er an, die Demokratie »mit Vernunft oder mit Gewalt« zu verteidigen. Cepeda will Armut und soziale Ungleichheit bekämpfen Cepeda, ein 63-jähriger Senator, Philosoph und Menschenrechtsanwalt, tritt für das Regierungsbündnis Pacto Histórico an. Er hat versprochen, den Frieden mit illegalen bewaffneten Gruppen durch Verhandlungen anzustreben. Er plant zudem, Reformen zur Verringerung von Ungleichheit und Armut voranzutreiben, unter anderem durch Steuererhöhungen für Spitzenverdiener, eine Landreform sowie den Ausbau der Gesundheitsversorgung. In der Abschlusskundgebung des Wahlkampfs versprach der Menschenrechtsanwalt, den Staat »in den Dienst« der »Ausgeschlossenen« zu stellen. Zum Wahlergebnis will er sich erst äußern, wenn die Auszählung überprüft wurde und ein amtliches Endergebnis feststeht. Petro war 2022 als erster linker Präsident in der Geschichte Kolumbiens gewählt worden. Während seiner vierjährigen Amtszeit sank die Arbeitslosigkeit, der Mindestlohn stieg um 75 Prozent. Doch trotz Verhandlungen der Regierung mit den Guerilla- und paramilitärischen Gruppen des Landes verschlechterte sich die Sicherheitslage . Kolumbien leidet seit Jahrzehnten unter bewaffneten Konflikten , an denen linke Guerillagruppen, die Armee, rechte Paramilitärs und Drogenbanden beteiligt sind.