Zeit 08.10.2026
07:00 Uhr

Proteste an der Cornell University: Protest gegen Umgang der Cornell-Universität mit Gruppenvergewaltigung


An der Cornell University fordern Studierende Gerechtigkeit im Fall einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung. Sie werfen der Leitung Behäbigkeit und Vertuschung vor.

Proteste an der Cornell University: Protest gegen Umgang der Cornell-Universität mit Gruppenvergewaltigung
Studierende der Cornell-Universität im US-Bundesstaat New York haben mit einem Sitzstreik gegen den Umgang der Hochschule mit einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung protestiert. In einem Speisesaal stellten sie ein handgeschriebenes Transparent auf und forderten Gerechtigkeit für das mutmaßliche Opfer ein. Eine weitere Gruppe demonstrierte vor dem Gebäude. Der Sitzstreik sollte sieben Stunden dauern. Die Organisatoren werfen der Universitätsleitung vor, auf die Meldungen über sexuelle Übergriffe zu langsam zu reagieren und nur ihren Ruf schützen zu wollen. Die Studierenden fordern unter anderem eine Überarbeitung des Disziplinarverfahrens sowie den Ausschluss aller, die an der mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung beteiligt gewesen sein sollen, oder den Entzug ihrer Abschlüsse. Eine frühere Studentin der Cornell-Universität hatte berichtet, sie sei im Oktober 2024 von sieben Mitgliedern der Studentenverbindung Chi Phi mit dem Narkosemittel Ketamin betäubt und dann vergewaltigt worden. Die damals 20-Jährige wandte sich nach eigenen Angaben rund drei Wochen nach dem Vorfall an die Campuspolizei. Ihre Aussagen führten jedoch nicht zu einem Verfahren. Den Fall brachte die Studentenzeitung der Eliteuniversität ans Licht. Zwei Beschuldigte bestreiten Vorwürfe Die Universität verbot die Studentenverbindung, suspendierte aber nur einige der Verdächtigen. Zwei der Beschuldigten bestreiten über ihre Anwälte, sich an den mutmaßlichen Übergriffen beteiligt zu haben. Einige der Männer sagten bei einer universitätsinternen Anhörung aus, die sexuellen Handlungen seien einvernehmlich gewesen oder sie hätten nicht mitgemacht. Inzwischen wurde die frühere Staatsanwältin Sally Yates, von 2015 bis 2017 stellvertretende Generalstaatsanwältin und US-Justizministerin, mit dem Fall betraut. Sie soll der Frage nachgehen, wie die Universitätsleitung auf die Anzeige der jungen Frau reagierte. Die mutmaßlich Betroffene hat die sieben Männer, die Studentenverbindung, die Universität und weitere Beteiligte auf Schadensersatz verklagt. Tausende Frauen brachten in den vergangenen Tagen in einer Online-Kampagne ihre Empörung über den Umgang von Justiz, Universität und Gesellschaft mit dem Fall zum Ausdruck. An US-Universitäten kommt es Umfragen zufolge häufig zu sexueller Gewalt gegen Frauen.