Zeit 13.08.2026
13:17 Uhr

Thüringen: Wagenknecht weist Ministerpräsidentinnen-Vorschlag von Höcke zurück


Björn Höcke bietet Sahra Wagenknecht die Wahl zur Thüringer Regierungschefin an. Die BSW-Gründerin lehnt ab: Das Angebot sei »weder ehrlich noch seriös«.

Thüringen: Wagenknecht weist Ministerpräsidentinnen-Vorschlag von Höcke zurück
BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat das Angebot des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke, mithilfe von Stimmen der AfD zur Ministerpräsidentin Thüringens gewählt zu werden , zurückgewiesen. »Das Amt des Thüringer Ministerpräsidenten ist kein Wanderpokal, den Herr Höcke nach Belieben vergeben kann«, sagte Wagenknecht. Höckes Angebot sei »weder ehrlich noch seriös«. Höcke hatte Wagenknecht zuvor in einem auf X veröffentlichten Video angeboten, noch vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt das Amt der Thüringer Ministerpräsidentin zu übernehmen. »Ich reiche Ihnen die Hand«, sagte der Chef der als rechtsextrem eingestuften Landespartei. Dadurch könne das BSW zeigen, dass es nicht zu den »Kartellparteien« gehöre. In Thüringen ist das BSW derzeit Teil der Regierungskoalition mit der CDU und der SPD. Mit zusammen 47 von 88 Sitzen im Landesparlament haben AfD und BSW jedoch eine hypothetische Mehrheit. Laut der Landesverfassung könnte auch eine Person zum Ministerpräsidenten oder zur Ministerpräsidentin gewählt werden, die wie Wagenknecht nicht dem Parlament angehört. Wagenknecht fordert Ende von BSW-gestützter Koalition und kritisiert eigene Partei In der Bewertung der Koalition stimmte Wagenknecht Höcke wiederum zu: »Richtig ist, dass Mario Voigt als Ministerpräsident das Vertrauen verloren hat und das BSW Thüringen ihm die Unterstützung entziehen muss«, sagte die Politikerin. Damit stellte sie sich gegen den Kurs des Thüringer BSW-Landesverbands , der in der Vergangenheit eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen hat und bislang an der Regierung mit CDU und SPD festhält. Die Ablehnung von Höckes Angebot begründete Wagenknecht derweil mit Vorbehalten gegenüber dem Abstimmungsverhalten ihrer eigenen Partei. Höcke wisse, dass »die Mehrheit derer, die auf BSW-Ticket im Thüringer Landtag sitzen, in Opposition zum Bundesvorstand stehen und mich nicht wählen würden«, sagte die Parteigründerin, die den Landesverband in Thüringen seit Langem wegen dessen Kooperation mit Schwarz-Rot kritisiert. Zugleich legte sie damit nahe, dass die Abgeordneten des BSW im Erfurter Landtag nicht für die Politik der Partei eintreten würden. Dem AfD-Landeschef warf Wagenknecht zugleich vor, »Politik wie die Altparteien« zu machen. »Parteipolitisches Taktieren und Effekthascherei geht über Problemlösung«, sagte sie. Vor ihr hatte bereits BSW-Vorstandsmitglied Klaus Ernst das Angebot Höckes ausgeschlagen und sprach dabei von einem »billigen PR-Gag« des AfD-Landeschefs. Wagenknecht offen für von der AfD getragene Regierung in Sachsen-Anhalt Wenige Tage vor Höckes Vorschlag hatte Wagenknecht ihrerseits angekündigt, in Sachsen-Anhalt unter Umständen eine AfD-Regierung ermöglichen zu wollen . So schloss die BSW-Gründerin aus, den Umgang der anderen Parteien mit der AfD mitzutragen: »Ziehen wir in den Landtag ein, ist die Brandmauer Geschichte!«, teilte sie mit. Das BSW strebe in dem Bundesland eine »überparteiliche« Person im Regierungsamt an, werde sich aber in einem möglichen dritten Wahlgang enthalten. Dann könnte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auch mit einer relativen Mehrheit zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Der Politiker schließt dies bislang allerdings aus und strebt eine Alleinregierung der AfD mit einer Parlamentsmehrheit an. Laut Umfragen fehlen der AfD in Sachsen-Anhalt derzeit wenige Prozentpunkte für eine absolute Mehrheit – was sich allerdings ändern könnte, falls SPD, Grüne und BSW den Einzug in das Landesparlament verpassen. Die drei Parteien lagen zuletzt zwischen vier und sieben Prozent und damit innerhalb der Fehlertoleranz bei Umfragen um die Fünfprozenthürde herum. BSW-Minister kritisiert AfD-Kurs von Wagenknecht und Parteiführung Innerhalb des BSW ist das Stimmungsbild gegenüber einer möglichen Zusammenarbeit mit der AfD derweil gemischt. »Wir haben das BSW gegründet und aufgebaut, weil wir eine demokratische Alternative für Menschen sein wollten, die sich von der Politik nicht mehr gesehen fühlen. Nicht um (Björn) Höcke, (Alice) Weidel & Co. an die Macht zu helfen«, sagte Thüringens Digital- und Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) dem Tagesspiegel . Wagenknecht sowie die Parteichefs Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali streben hingegen etwa in Sachsen-Anhalt eine »überparteiliche« Regierung mit wechselnden Mehrheiten »unter Einbindung der AfD« an. Dies kritisierte Schütz: »Mit ihrem gefährlichen Kurs überschreiten Wagenknecht, De Masi und Mohamed Ali ohne jede innerparteiliche Diskussion und Willensbildung Grenzen, die ich nicht länger bereit bin zu tolerieren«, sagte der Landesminister.